Ragnarök auf Netflix: Der junge Thor macht Marvel keine Konkurrenz

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Ragnarök
01.02.2020 - 13:15 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Die norwegische Mysteryserie Ragnarök ist auf Netflix gestartet. Ob sich die neue Serie für Fans nordischer Mythologie rund um Thor und Loki lohnt, erfahrt ihr im Seriencheck.

In den vergangenen Jahren erlangte die nordische Mythologie durch die Erfolge des MCU und von Vikings wieder an Popularität. Fans von Thor und Loki haben daher schon mit Spannung auf die neue Netflix-Serie mit dem vielversprechenden Titel Ragnarök gewartet. Diese geht der Frage nach, wie sich ein junger Thor als Oberstufenschüler in der Gegenwart behaupten kann.

Ich habe für euch schon mal in die 1. Staffel des norwegischen Netflix Originals reingeschaut, die mit gerade mal 6 Episoden ein kurzweiliges Binge-Vergnügen verspricht.

Die Binge-Daten zu Ragnarök bei Netflix

  • Ragnarök umfasst 6 Episoden.
  • Die Folgen dauern ca. 45 Minuten.
  • Die Serie ist seit 31. Januar 2020 zum Streamen verfügbar

Ragnarök: Nordische Mythologie trifft auf Teenie-Drama

Der erste Teaser zu Ragnarök hielt sich noch über die eigentliche Handlung der Netflix-Serie bedeckt. Doch schon die erste Episode macht keinen großen Hehl daraus, dass es bei Ragnarök wirklich um die Rückkehr der nordischen Götter bzw. von Thor geht.

Dass die Geschichte in einer Stadt namens Edda spielt - der Name zweier Werke aus dem 13. Jahrhundert über skandinavische Götter- und Heldensagen - ist bereits der erste Wink mit dem Zaunpfahl.

Ragnarök: Magne und Laurits

Auf den ersten Blick lässt Ragnarök eine Variation der Fantasyserie Once Upon a Time nur mit nordischen Gottheiten, Umweltaktivismus und wunderschönen Landschaften erahnen. Jede neue eingeführte Figur lässt uns sofort raten und spekulieren, welche Gottheit sich vielleicht dahinter verbergen könnte.

Egal ob vererbte Holzhammer, Wagner-Musik, blutrünstige Hunde oder eine hellseherische Spar-Kassiererin: Fans der nordischen Mythologie können überall kleine Hinweise und Easter-Eggs finden, die die Figuren mit bekannten Göttern und Wesen in Verbindung bringen.

Leider wird diese Suche nur selten belohnt. Außer der (vermutlichen) Reinkarnation von Thor in Form des verschlossenen Schülers Magne (David Stakston) tauchen in den ersten 5 Folgen keine weiteren Götter namentlich auf - auch wenn das geschulte Auge bereits einige Asen erspähen kann. Dafür gibt es aber Riesen zu sehen.

Keine Sorge, wir spoilern die Identitäten der Riesen hier nicht.

Ragnarök fehlt es an spannenden Charakteren und Logik

Riesen? Ja, ihr habt richtig gelesen. Ganz im Sinne des Ragnarök, dem Weltuntergang, muss sich der junge Netflix-Thor gegen die seit Jahrhunderten herrschenden Riesen stellen. Auch diese erscheinen hier in Menschengestalt. Wer ein episches Götter-Spektakel erwartet, wird aber leider enttäuscht.

Ragnarök: So darf Thor leider nicht zur Schule

Denn in Ragnarök sind korrupte Firmenbesitzer und hinterhältige Pädagogen die größte Gefahr für den Legastheniker Magne, der seit seiner Ankunft in Edda zahlreiche Veränderungen wie übermenschliche Stärke und Schnelligkeit an sich feststellt. Seine Figur ist aber auch eines der größten Probleme von Ragnarök.

Auch wenn das Konzept von nordischer Mythologie im modernen Coming-of-Age-Gewand an sich spannend klingt, fehlt es Ragnarök an wirklich interessanten Figuren. Vor allem Magne weckt als Protagonist nur wenig Sympathien bei uns, wenn er partout mit niemandem außer seinem Handy über die neu gewonnenen göttlichen Fähigkeiten spricht. Auch zwischen ihm und seinem Bruder Laurits (Jonas Strand Gravli) kommt zu keiner Zeit das Gefühl auf, dass es sich hier wirklich um Brüder handelt.

Mehrere Schüler werden in Ragnarök in den Fokus der Handlung gerückt, die bis auf wenige Ausnahmen alle farblos bleiben, wofür auch die belanglosen Dialoge verantwortlich sind. Gerade in Bezug auf die "Riesen" verkommen einige Figuren schnell zu klischeehaften Bösewichten, die weder bedrohlich noch tiefgründig wirken.

Ragnarök: Noch nie hatten Götter weniger zu tun

Mit Themen wie Klimawandel und Umwelt steht vor allem die Schönheit der Natur im Fokus von Ragnarök. Die verschneiten Berge und die norwegische Landschaft laden zum Staunen ein. Auch das stilistisch an eine mittelalterliche Stabkirche erinnernde Haus der Familie Jutul ist ein optisches Highlight.

Ragnarök: Diese Jugend will die Welt verändern

Sobald sich Szenen allerdings nach Innen verlagern, wirkt das Setdesign erschreckend künstlich. Beispielsweise das Innenleben des Jutul-Heims entlarvt sich schnell als Studiokulisse. Leider gibt es viele interessante Einzel-Elemente in Ragnarök, die nicht wirklich zusammenpassen wollen. Zu oft weicht der spannende Mystery-Anteil dem unspektakulärem Teenie-Drama.

Obwohl das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht, passiert in Ragnarök recht wenig. Zwar zeigen die Riesen wenig Skrupel, wenn es um den Schutz ihrer Identität geht, doch ihren Erzfeind Thor bekämpfen sie lieber mit Bürokratie als mit scharfen Klingen. So wird beispielsweise der erste Kampf zwischen Thor und einem Riesen statt eines epischen Duells im Armdrücken ausgetragen.

Die unausweichliche finale Konfrontation zwischen Göttern und Riesen im Staffelfinale (die wurde uns vorab noch nicht gezeigt) muss schon ordentlich auftrumpfen, um für die fehlende Spannung in den Folgen zuvor zu entschädigen.

Bitterer Beigeschmack: Der größte Fehler von Ragnarök

Den größten und unverzeihlichen Fauxpas begeht Ragnarök am Ende der ersten Folge. Nicht nur entledigt sich die Serie zu früh ihrer interessantesten Figur, sondern sie bedient sich auch homophober und frauenfeindlicher Tropen, die ich von einer Netflix-Produktion im Jahr 2020 so nicht erwartet hätte.

Leider konnte sich die Serie für mich nach diesem Aufreger nicht mehr rehabilitieren. Auch wenn die vielen Verweise auf die nordische Mythologie und einige durchaus brutale Szenen Spaß machen, stören belangloses Teendrama und seltsame Logikfehler (forensische Untersuchungen im Bioraum?) das Gesamterlebnis.

Im Vergleich mit anderen europäischen Netflix-Mysteryserien wie Dark oder The Rain zieht Ragnarök leider den Kürzeren.

Die 1. Staffel von Ragnarök umfasst 6 Episoden, die am 31. Januar 2020 bei Netflix erschienen sind. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten die ersten 5 Episoden.

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