Saw - Ein Franchise im Kampf gegen die deutsche FSK

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Mit seinem kleinen Indieschocker und Debütfilm Saw begeisterte Regisseur James Wan im Jahr 2004 weltweit die Horrorgemeinde und legte den Grundstein für ein Franchise, das bis heute noch nicht endgültig abgeschlossen ist. Aufgrund der Brutalität der Reihe hatte es kaum ein Film des Saw-Franchise wirklich leicht mit dem deutschen Jugendschutz. Im Zuge unseres großen Themenspecial FSK - Index - Zensur: Ist das noch zeitgemäß? geben wir euch eine kleine Geschichtsstunde über das Saw-Franchise in Sache Freigabe, das womöglich mehr Schnitte über sich ergehen lassen musste als die Opfer des Puzzlemörders.

Das Saw-Franchise ist bekannt dafür, dass den Charakteren unsägliches Leid widerfährt und die Opfer des berühmten Jigsaw-Killers in perfiden Fallen massenhaft Blut verlieren. Besonders ab dem 3. Film der Reihe steigt der Gewaltgrad geradezu exponenziell an, sodass ein Genuss dieser Reihe seither mit dem deutschen Jugendschutz im Konflikt steht. Aktuell sind fürs Heimkino lediglich die Filme Saw, Saw II sowie der neuste Beitrag Jigsaw ungeschnitten und ab 18 Jahren freigegeben im deutschen Handel erhältlich. Der Rest ist weniger glimpflich bei den Alterseinstufungen und FSK-Kennzeichen davongekommen.

Saw und Saw II - Der Beginn des Massakers

Die ersten beiden Teile des Saw-Franchise kamen jeweils mit eine Freigabe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ab 18 Jahren in die deutschen Kinos. Auch für die Veröffentlichung im Heimkino änderte die Freiwillige Selbstkontrolle ihre Meinung nicht und vergab ebenfalls eine Freigabe ab 18 Jahren. In den USA erschien neben der Kinofassung von Saw (mit dem R-Rating) noch eine Unrated-Fassung, die hierzulande als Director's Cut erschienen ist. Auch bei Saw II erschien eine längere und unzensierte Fassung als Director's Cut. Bei beiden Filmen erhielten auch die längeren Fassungen in Deutschland eine Freigabe ab 18 Jahren. Zusätzlich sind Saw und Saw II auch als stark geschnittene Fassungen mit einer Freigabe ab 16 Jahren auf DVD erschienen.

Ein Kuriosum stellt jedoch der erste Saw-Film dar. Denn wer die ungeschnittene Fassung ab 18 Jahren auf Amazon oder Netflix streamen möchte, wird schnell bitter enttäuscht werden. Dort ist lediglich eine geschnittene Fassungen ab 16 Jahren zu sehen, was in Anbetracht der Freigabe ab 18 Jahren für eine komplett unzensierte Version etwas fragwürdig erscheint.

Saw III - Jetzt gehen die Probleme erst richtig los

Wie es schon bei den Vorgängern der Fall war, erschien Saw III im Januar 2007 in seiner US-Kinofassung auch in Deutschland ohne Einschränkungen für Zuschauer ab 18 Jahren. Doch bei der Veröffentlichung für das Heimkino stieß das Franchise erstmals auf weniger Gegenliebe bei der FSK. Die unzensierte Kinofassung konnte erst nach einigen gescheiterten Versuchen in nächster Instanz nach einer Prüfung der Juristenkommission (JK) der SPIO (eingeschränkt) mit der Kennzeichnung "keine schwere Jugendgefährdung" veröffentlicht werden. Diese Fassung wurde kurze Zeit später im Januar 2008 auf die Liste (A) der Medien mit jugendgefährdendem Inhalt indiziert.

Auch Saw III erschien in den USA in einer knapp 7 Minuten längeren und härteren Unrated-Fassung für das Heimkino. Diese Fassung wurde in Deutschland gar nicht veröffentlicht, da die JK den Film in dieser Form als strafrechtlich bedenklich einstufte und der Filme ihrer Meinung nach somit gegen §131 StGB verstoßen würde, also strafbare Inhalte zeige. Diese Fassung wurde schließlich ohne eine Freigabe der FSK oder SPIO/JK nur in Österreich in deutscher Sprache veröffentlicht.

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Offiziell ist im deutschen Handel nur eine im Vergleich zur Kinofassung um knapp 5 Minuten gekürzte Version ab 18 Jahren zu erwerben. Witzigerweise erschien auch eine Fassung ab 16 Jahren im deutschen Handel, die um sage und schreibe knapp 21 Minuten im Vergleich zur Kinofassung zensiert werden musste. Eine dritte Fassung des Films mit dem Beisatz "Director's Cut" und nochmal 7 Minuten mehr Material gegenüber der Unrated-Fassung erschien in deutscher Sprache erstmals mit der Gesamtbox aller 7 Filme in Österreich im Jahr 2012.

Saw IV - Zu brutal fürs Kino

Wenn es um die Freigabegeschichte des Franchise in Deutschland geht, dann ist Saw IV vermutlich das schwarze Schaf der Folterfamilie. Denn während sieben Teile der Reihe in der ungekürzten US-Kinofassung auch in den deutschen Kinos zu sehen waren, musste für die Kinoveröffentlichung von Saw IV die Schere angesetzt werden. Im Februar 2008 erschien Saw IV daher um knapp eine Minute Filmmaterial erleichtert in den Kinos mit einer Freigabe ab 18 Jahren. Für die Auswertung auf DVD und Blu-ray war der FSK jedoch selbst diese Version zu brutal. Somit erschien die gekürzte deutsche Kinofassung nur mit dem Siegel "keine schwere Jugendgefährdung" und wurde kurze Zeit später indiziert.

Die im Handel erhältliche Fassung von Saw IV mit einer FSK-18-Freigabe ist im Vergleich zur internationalen Kinofassung um fast 10 Minuten gekürzt. Wie schon bei den Filmen zuvor erschien in den USA eine längere und unzensierte Version als Unrated Director's Cut, welche in Deutschland nie veröffentlicht wurde. Lediglich in Österreich erschien diese knapp 3 Minuten längere Fassung in deutscher Sprache.

Saw V und Saw VI ohne Überraschung

Mit den Fortsetzungen Saw V und Saw VI konnte die Freigabekatastrophe des 4. Teils zumindest im Kino vermieden werden. Erneut erschienen diese beiden Filme in den USA in einer gekürzten, mit dem R-Rating versehenen Kinofassung, die in dieser Form in Deutschland mit einer Freigabe ab 18 Jahren in die Kinos gekommen sind. Für die Heimkinoveröffentlichungen waren beide Sequels der FSK in ihrer Kinofassung zu brutal, wodurch diese nur mit dem SPIO/JK-Siegel "keine schwere Jugendgefährdung" erschienen. Diese Kinofassungen wurden bei beiden Filmen nur gemeinsam mit den Unrated-Fassungen, die die gleichen Freigaben erhielten, veröffentlicht.

Die ungekürzte Version von Saw V ließ die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien schneller als bei allen vergangenen Teile zuvor agieren. Mit einer vorläufigen Anordnung wurde der Titel auf Liste B indiziert, womit Saw V eine strafrechtliche Relevanz zugesprochen wurde. Saw VI wurde ebenfalls in der unzensierten Fassung vorläufig aus dem Handel verbannt, diesmal auf Liste A. Die Eilindizierung erfolgte bei Saw VI sogar noch vor dem Verkaufsstart der DVD und Blu-ray, wodurch die Unrated-Version von Saw VI in Deutschland nur in den Videotheken für kurze Zeit zu bekommen war.

Saw 3D - Das pinkfarbene Freigabewunder der Dritten Dimension

Der eigentlich als Abschluss der Reihe geplante 7. Teil Saw VII - Vollendung hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Wie für das Franchise schon üblich, erschien (nach sechs Anlaufversuchen bei der amerikanischen Freigabestelle MPAA) eine gekürzte R-Rated Fassung in den USA, welche auch in Deutschland für Zuschauer ab 18 Jahren in den Kinos (sogar in 3D!) zu sehen war. Erneut war die FSK von der Kinofassung wenig begeistert und ließ diese nicht ohne Einschränkungen im deutschen Handel erscheinen.

Die ungekürzte Unrated-Fassung wurde mit der SPIO/JK-Freigabe "keine schwere Jugendgefährdung" veröffentlicht. Allerdings beinhaltete diese Veröffentlichung nicht die 3D-Fassung des Films. Lediglich die zensierte FSK-18-Version erschien in 3D im Handel. Erst in der später in Österreich erschienen Final Edition mit den ersten 7 Filmen war Saw VII auch in seiner 3D-Version der Kinofassung erhältlich. Eine 3D-Fassung der Unrated-Version des Films ist bis heute nicht in deutscher Sprache erschienen.

Im September 2011 - 5 Monate nach Erscheinen - wurde die SPIO/JK-Fassung von Saw VII, wie schon die Vorgänger, von der BPJM indiziert und landete auf der Liste B. Dieses Mal ging der Jugendschutz noch einen Schritt weiter und so ließ das Amtsgericht Tiergarten in Berlin Saw VII als ersten Film der Reihe im Frühjahr 2012 wegen Verstoßes gegen §131 StGB bundesweit beschlagnahmen. Bei insgesamt 14 Szenen stellte das Amtsgericht einen Rechtsverstoß und Gewaltverherrlichung fest, von denen jedoch einige auch in der von der FSK freigegebenen Version zu finden sind.

Doch für das (bis dato) große Finale der Folterreihe wollte sich der Verleih StudioCanal nicht so leicht geschlagen geben und ging gegen das Urteil des Amtsgerichts vor, mit Erfolg. Letztendlich wurde die Beschlagnahmung von Saw VII im Dezember 2012 aufgehoben und der Film auf Teil A der Liste für jugendgefährdende Medien umgetragen, womit der Film "nur" noch indiziert ist.

Im Oktober 2013 ereignete sich noch ein kleines "Happy End" für die Saw-Reihe. Bis dahin waren die beiden Filme Saw III und Saw V noch auf Liste B indiziert und liefen somit Gefahr noch nachträglich beschlagnahmt zu werden. Schließlich wurden die beiden Filme von der Staatsanwaltschaft auf Listenteil A umgetragen, wodurch sie zwar noch indiziert bleiben aber nicht gegen geltendes Recht verstoßen und folglich nicht beschlagnahmt werden können.

Jigsaw - Der handzahme Neuanfang

Zu guter Letzt erschien im vergangen Jahr nach einer längeren Pause mit Jigsaw ein weiterer Beitrag des Saw-Franchises. Dieser besonn sich wieder mehr auf die Ursprünge der Reihe und legte seinen Gewaltgrad etwas niedriger an als die überbrutalen Vorgänger. Im Gegensatz zu den restlichen Filmen der Reihe erschien von Jigsaw nur eine einzige Fassung, die in Deutschland sowohl im Kino als auch im Heimkino ungeschnitten für Horrorfans ab 18 Jahren freigegeben wurde.

Kaum ein Mainstream-Franchise hat in den vergangen Jahren derart viele Einschränkungen über sich ergehen lassen müssen wie das Saw-Franchise. Gerade einmal 3 der 8 erschienenen Filme sind im deutschen Handel ungeschnitten erhältlich. Somit solltet ihr euch besser nicht von einer schicken Gesamtbox oder einem Streamvorschlag bei eurem Lieblingsanbieter verführen lassen, da euch einiges an Filmmaterial und an Gewalt vorenthalten wird, die diese Reihe so bekannt gemacht hat.

Das große moviepilot Themenspecial: FSK, Index, Zensur - Ist das noch zeitgemäß?

Habt ihr alle Filme des Saw-Franchise ungeschnitten sehen können?

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