Zum 55. Geburtstag

Sean Penn - Lieber Regisseur als Schauspieler

Fühlt sich so viel wohler: Sean Penn
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Heute feiert Sean Penn seinen 55. Geburtstag. Aus diesem Anlass beschäftigen wir uns ein wenig mit seiner Arbeit als Regisseur. Denn was die meisten gar nicht wissen: Eigentlich ist der Kalifornier überhaupt nicht daran interessiert, Schauspieler zu sein.

Inspiration Springsteen
Ende der 1980er Jahre hatte Sean Penn keine Lust mehr zu schauspielern. Jahrelang hatte er sich den Anweisungen diverser Regisseure mehr oder weniger unterworfen. Für ihn war der Punkt gekommen, an dem er selbst einen Film machen wollte. Durch seine ehemalige Freundin Pamela hatte er schon länger engen Kontakt zu deren Bruder Bruce Springsteen. Springsteens Lied "Highway Patrolman" hatte Sean Penn schon vor einiger Zeit zu einer Geschichte inspiriert, die nun ihren Weg auf die Leinwand finden sollte.


Penn ist die Produktion auf eine positive Art eigenwillig angegangen. Durch die Arbeit seines Vaters Leo Penn und seine eigenen Erfahrungen als Schauspieler kannte er sich im Geschäft sehr gut aus, sodass selbst die Finanzierung des Projektes Indian Runner kein großes Problem darstellte. In Don Phillips, den Penn schon seit der Dreharbeiten zu Ich glaub ich steh im Wald kannte, hatte er einen unabhängigen Produzenten gefunden, der ihn voll und ganz unterstützte, sodass der Film reibungslos abgedreht werden konnte.

Für die Darsteller in Indian Runner war Sean Penn als Regisseur ein Segen. David Morse hatte das Gefühl, dass Penn durch seine schauspielerischen Erfahrungen ein Gespür dafür hatte, wie sich seine Darsteller perfekt entfalten können. Für eine emotionale Barszene hatten er und Viggo Mortensen beispielsweise eine zweiwöchige Probe. Dabei wurden die beiden in eine Sporthalle gesperrt, in der sie immer wieder üben und zur Ablenkung ein wenig Basketball spielen konnten. Außerdem ist es auf jeden Fall erwähnenswert, dass Penn dafür sorgte, dass Charles Bronson sich seinen berühmten Schnauzer abrasierte. Und das können nicht viele von sich behaupten.

Freundschaft und Arbeit
Trotz des immensen Kassenflops (bei einem ungefähren Budget von sieben Millionen US-Dollar spielte Indian Runner in den USA nur 191.000 Dollar ein) konnte Sean Penn wenige Jahre später sein nächstes Skript an den Mann bringen. Dies lag wahrscheinlich auch an den Stars, die er schon an Bord hatte. Da Jack Nicholson und er schon sehr lange befreundet waren, hat es nicht lange gedauert, bis dieser Penn für Crossing Guard - Es geschah auf offener Straße zusagte. Bis heute hält Nicholson sein Schauspiel als Rache gelüstiger Vater in dem Film für seine beste Leistung.


Auch Anjelica Huston wusste, dass Crossing Guard eine einmalige Herausforderung werden würde, war sie doch noch vier Jahre zuvor in einer On-Off-Beziehung mit Nicholson. Da sie auch in dem Streifen die Exfrau des Exzentrikers spielen sollte, bot sich ihr somit nicht nur eine hervorragende Rolle, sondern auch eine Art Beziehungsreflektion. Derjenige, dem das alles von Anfang an bewusst war, war natürlich Penn. Schlitzohr.

Penns Themen werden immer größer und durchdachter. Nach dem Bruder-Zwist in Indian Runner stolpert er sich durch Crossing Guard und dessen Rachegelüste. Es folgt seine auf Friedrich Dürrenmatts Das Versprechen basierende gleichnamige Adaption. Harter Tobak mit vielen bedeutungsschwangeren Sätzen. Beispiel:

I made a promise, Eric. You're old enough to remember when that meant something.

Erneut stirbt ein Kind, erneut ist Jack Nicholson die personifizierte Gerechtigkeit, nur dieses Mal mit Schnurrbart. Und erneut spielt der Film nicht einmal seine Produktionskosten ein. Schade ist das allemal, denn jeder der drei Streifen ist eine wundervolle Charakterstudie, die bei Kritikern gut angekommen ist. Nur das Publikum bekommt Penn irgendwie nicht in die Kinosäle.

Botschaft und Charakterstudie
Erst 2007 gelingt ihm der finanzielle Durchbruch als Regisseur. Mit der Verfilmung von Jon Krakauers In die Wildnis liefert Sean Penn im Prinzip erneut eine Charakterstudie, diesmal allerdings gepaart mit einer unterschwelligen und doch stark spürbaren Gesellschaftskritik. Mit der Beauftragung von Eddie Vedder, einen Soundtrack für Into the Wild zu schreiben, landete Penn den großen Coup, denn dessen brummige Stimme lässt eine einzigartige Stimmung entstehen, die nicht passender auf das Aussteigerdrama zugeschnitten sein konnte.


Sean Penn erzählt stille kleine Geschichten, die ihm Großes bedeuten. Sehr einfühlsam beschäftigt er sich mit Personen und Ereignissen und erklärt dem Zuschauer, warum es wichtig ist, über bestimmte Themen nachzudenken. Sicherlich wird uns auch mit The Last Face ein gewichtiger Stoff um die Ohren gehauen, der es wert ist, durchdacht zu werden.

Sean Penn wäre wahrscheinlich gern nur noch Regisseur. Es gibt nur ein großes Problem: das Geld. Mit seinen Werken als Verantwortlicher hat er kein großes Einspielergebnis erzielt, und trotzdem müssen seine Kinder irgendwie ernährt werden. Gerade nach Indian Runner, als er vehement den Beruf des Schauspielers ablehnte, musste er sich dann doch um die Füllung des Portemonnaies kümmern. Hinzu kommt wahrscheinlich seine eigene Leidenschaft zum Film. Es ist sehr gut vorstellbar, dass er als Al Pacino-Fan schwer Nein sagen kann, wenn er die Möglichkeit hat, mit ihm Carlito's Way zu drehen.

Als Zuschauer können wir uns freuen, denn hätte er die Schauspielerei wirklich an den Nagel gehängt, müssten wir ohne seine glanzvollen Leistungen in Mystic River, Milk und Cheyenne - This Must Be the Place auskommen. Und das wäre doch eine Tragödie sondergleichen.

(Quelle: Richard T. Kelly: Sean Penn. Die autorisierte Biografie. riva, München 2011)

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