Sex, Schmerz und Freiheit im Kino: Der Film Glück zeigt Prostitution, wie ihr sie noch nie gesehen habt

Glück - Trailer (Deutsch) HD
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Maria und Maria in Glück
22.07.2021 - 16:15 Uhr
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Sexarbeit ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Der Kinofilm Glück zeigt, wie man Prostitution abbilden kann, ohne Frauen zu hilflosen Opfern zu machen.

Es ist nicht einfach, einen guten Film über Sex zu machen. Der verstörendste Kinofilm des Jahres zeigt, wie schwierig es besonders dann wird, wenn das sexuelle Verlangen nur einseitig ist – oder sich an Personen richtet, mit denen sexuelle Handlungen niemals einvernehmlich sein können. Insbesondere am Thema Sexarbeit beißen sich viele Filmschaffende die Zähne aus: Nicht selten werden Sexworker:innen in eine absolute Opferrolle gedrängt oder in anderen Fällen romantisch verklärt. Im Kino zeigt der Film Glück jetzt, wie es besser geht.

Sexarbeit als Alltag: Darum geht's in Glück

Maria (Katharina Behrens) arbeitet in Berlin unter dem Namen Sascha als Sexworkerin. Ihrem Alltag geht sie mit Leichtigkeit und Professionalität nach, trägt innerlich aber auch emotionalen Ballast mit sich herum. Sie hat einen kleiner Sohn, doch der lebt mit ihrem Ex-Mann in Brandenburg. Die schwierige Beziehung zu ihm und der Hass gegen die triste Spießigkeit ihres Herkunftsortes treiben Maria immer wieder um.

In ihrem Bordell lernt sie eines Tages ihre neue Kollegin Maria, genannt Jessy (Adam Hoya) kennen. Die beiden verstehen sich bestens, Maria ist fasziniert von der Ungebundenheit der jüngeren Frau, die ihr selbst oft zu fehlen scheint. Sie verlieben sich ineinander und scheinen für eine Weile endlich das große Glück gefunden zu haben, bis eine gemeinsame Reise in Marias brandenburgische Vergangenheit alles aus dem Gleichgewicht bringt.

Glück wirft im Kino endlich einen frischen Blick auf Sexarbeit

Maria (Katharina Behrens) will sich endlich wieder frei fühlen

Das Drama von Henrika Kull stellt Sexarbeit beeindruckend nüchtern dar. Prostitution ist auch nur ein Job, mit Kolleginnen und Arbeitsalltag. Gedreht wurde in einem echten Bordell mit echten Sexworker:innen, wobei der Fokus des Films klar auf den Beziehungen und dem Umgang zwischen den Frauen liegt.

Sie bereiten sich auf die Arbeit vor, scherzen über ihre Erlebnisse mit den Freiern, führen tiefschürfende Gespräche, waschen die Wäsche, schenken sich zum Abschied Blumen oder klären nonchalant ab, wer Lust auf einen Dreier in Zimmer 15 hat. Es herrscht eine herzliche, solidarische Atmosphäre zwischen den Arbeitskolleg:innen. Die Frauen dürfen als Menschen in Erscheinung treten, nicht als tragische Existenzen mit gescheitertem Lebensmodell.

Maria (Adam Hoya) scheint eine völlig ungebundene Existenz zu leben

Prostitution wird im Kino verzerrt – zur Wut der Sexarbeiter:innen

Das allein ist in der Darstellung von Sexarbeit im Film schon eine Seltenheit und viel wert. Denn die Leinwand ist häufig Projektionsfläche einer Haltung, nach der Prostitution per se kriminell und ausbeutend sein muss. Sofern Sexarbeiter:innen nicht als hypersexualisierte Wesen objektifiziert werden, pressen viele Filme sie in eine Opferrolle.

Entweder muss die hilflose Frau durch die Liebe des edlen männlichen Protagonisten errettet werden, bietet sich als gefallener Engel mit dem reinen Herzen an oder stirbt, um die Entwicklung einer anderen Figur voranzutreiben. Gegen diese Darstellung in Gesellschaft und Film laufen viele Sexarbeiter:innen berechtigterweise Sturm. Sie wollen kein Mitleid, sondern Akzeptanz.

Tolle Doku über Sexarbeit: Trailer zu Whore's Glory

Whores Glory - Trailer (Deutsch) HD
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Glück findet genau das richtige Maß

Glück trägt diese Haltung mit Bravour und erzählt eine rührende Geschichte über Liebe, weibliche Solidarität und einen Berufszweig, der in Filmen und Serien viel zu oft zu einer düsteren Karikatur verkommt. Diese Frauen sind weder glorifizierte Lichtgestalten noch abgestumpfte Trauerfiguren, ihr Job ist einfach ein Job und ihr Job definiert sie nicht.

So wurde Prostitution bisher nur selten auf der Leinwand dargestellt. Glück läuft seit dem 22. Juli 2021 im Kino und ist absolut sehenswert: als Liebesfilm, als Drama, als Zeichen gegen gesellschaftliche Heuchelei.

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