Star Wars 9 zerstört Star Wars 8: Fan-Boys sollten keine Regisseure sein

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Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers
23.12.2019 - 07:15 UhrVor 9 Monaten aktualisiert
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An dem missratenen Star Wars 9 sind beide Trilogie-Regisseure schuld. Rian Johnson und J.J. Abrams weigerten sich, ihre Filme aufeinander abzustimmen - und schadeten damit dem Franchise.

Spoiler zu Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers: In Zeitlupe rutscht Snoke vom Thron, schlaff wie ein vorm Fernseher eingenicktes Kind. Was in J.J. Abrams vorging, als Kylo Ren den neuen Oberschurken am verschwommenen Rand dieser gewaltigen Szene abservierte, weiß niemand. Aber J.J. Abrams ist ein höflicher Mann.

Er goss vor dem Start von Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers kein Öl in das Feuer, das auch zwei Jahre nach Star Wars 8: Die letzten Jedi im gespaltenen Fanlager brennt. Die einen preisen den Mittelteil der neuen Trilogie als mutigsten Franchise-Beitrag seit Das Imperium schlägt zurück. Die anderen verabscheuen Rian Johnsons Film für seine Radikalität, seinen Humor und die wahrlich schwindelerregenden Charakterwendungen. Es ist kompliziert.

Nach Star Wars 9 bleibt aber die vorsichtige Erkenntnis: In Abrams lodert es. Wie egal kann einem Regisseur sowas auch sein, dass irgendjemand seinen Star Wars-Film auf links dreht, wenn er ihm nur mal kurz den Rücken zuwendet?

Zwischen den Star Wars-Regisseuren knallt es gewaltig

Den Streit um die Deutungshoheit bei Star Wars führen die beiden Trilogie-Regisseure Johnson und Abrams abseits ihrer Filme durch die Blume. Abrams flankiert von seinem Cast, Johnson gestützt von den meisten amerikanischen Filmkritikern . Ihre hervorgewürgten Satzhülsen packen die scharfe Fan-Kritik in flauschige rhetorische Watte.

Star Wars 8 (links) und Star Wars 9 (rechts)

Die rund um den Kinostart veröffentlichen Interviews mit den beiden Regisseuren lesen sich wie ein passiv-aggressiver Chat zwischen zwei Arbeitskollegen, die in einem wichtigen Punkt komplett anderer Auffassung sind.

Hier ein paar sortierte Auszüge, beide sagen natürlich auch noch andere Dinge übereinander:

  • Abrams: "Oh, das ist eine interessante Entscheidung, die ich nicht getroffen hätte."
  • Johnson: "Fandoms glücklich zu machen wäre ein Fehler"
  • Abrams: "Die letzten Jedi ist voller Überraschungen, Subversion und mutiger Entscheidungen."
  • Johnson: "Ich will schockiert werden, ich will überrascht werden, ich will unvorbereitet getroffen werden, ich möchte Dinge rekontextualisiert bekommen."
  • Abrams: "[... ] das ist ein kleiner Meta-Ansatz für die Geschichte. Ich denke nicht, dass die Leute in Star Wars gehen und gesagt haben wollen, 'Das ist alles egal'"
  • Johnson: "Ich will als Fan herausgefordert werden wenn ich ins Kino gehe."

Wie sich die gegensätzlichen Haltungen auf Star Wars 9 auswirken

Beide, Die letzten Jedi und Der Aufstieg Skywalkers, sind aggressive Filme. Schon ihre Titel wirken wie ein (sehr kurzes) Streitgespräch, eine WhatsApp-Unterhaltung, in der der eine die Nachricht des anderen definitiv gelesen hat (blaue Haken). Aber erst nach Monaten antwortet, wenn überhaupt.

Star Wars 8 verkündet ein Ende (die "letzten") nach dem "Erwachen". Star Wars 9 begeht einen Anfang, den "Aufstieg" von etwas. Der eine will etwas vergraben, der andere es wieder hervorbuddeln.

Das Tauziehen um Star Wars

So sehen die Filme am Ende auch aus. Hier fliegen die Fetzen. Die ersten Minuten von Der Aufstieg Skywalkers sind ein filmischer Gewaltakt. Abrams verwendet den rasenden Einstieg darauf, den schweren Trilogie-Tanker nach dem Kontrollverlust wieder auf Kurs zu bringen, was sehr anstregend anzuschauen ist. (Hier unsere Meinung zur Wirkung des Films.)

Johnson löschte Abrams' Snoke aus, Abrams zahlt es ihm in selber Währung zurück. Hier schnell zur Übersicht ...

... die 4 größten Streitpunkte in Star Wars 8

  • Let the past die!
  • Luke Skywalker als schlechtgelaunter Eremit mit Lichtschwert-Aversion
  • Rey (Daisy Ridley) ist ein Niemand und schon gar keine Skywalker-Enkelin oder sowas
  • Die Auslöschung von Snoke als großem neuen Oberbösewicht
  • Der aufdringliche Humor, speziell der überdrehte General Hux
  • Kelly Marie Tran als Rose

... und wie Star Wars 9 mit damit umgeht

  • The dead speak!
  • Luke sagt jetzt: "So geht man nicht mit einem Lichtschwert um!"
  • Reys Großvater ist der zurückgekehrte Imperator Palpatine. Sie wird zur Skywalker, wenn auch nicht blutsverwandt.
  • Palpatine ersetzt Snoke.
  • Aus Hux macht Abrams einen Spion und repariert damit seine Brechung.
  • Rose spielt keine nennenswerte Rolle in Der Aufstieg Skywalkers.

Star Wars 9 zerstört die schönste Idee von Star Wars 8

Abrams wähnte sich nach Star Wars 8 offenbar in einer ausweglosen Situation und reagierte mit einer neu abgemischten Version seines erfolgreichen Trilogie-Erstlings. Er verkannte die Lage. Rian Johnson war mitnichten nur auf Zerstörung aus.

Wenn der unscheinbare Sklavenjunge auf Canto Bight einen Besenstiel zu sich heranzieht und in den großen weiten Sternenhimmel blickt, bietet das tausende Anknüpfungspunkte, um neue Jedi- und Widerstandsgeschichten zu erzählen. Die Macht, so die Botschaft, schlummert in jedem.

Warum nicht von einander profitieren?

Star Wars 9 macht nichts aus dieser Idee, der Film löscht sie aus. Abrams, der ursprünglich nicht als Regisseur des letzten Teils vorgesehen war, bringt kaum Interesse dafür auf, mit seinem Vorgänger in Dialog zu treten. Es ist das traurigste Beispiel für die mangelnde Kommunikation zwischen den Filmen und ihren Machern.

Das gilt auch für den Anschluss an Star Wars 7. Johnson etwa hätte Snoke nicht gleich töten müssen. Der Schurke existierte in Das Erwachen der Macht, buchstäblich, nur als Hologramm. Hier hätte es genügend Freiraum gegeben, die generische Figur mit originellen Ideen zu füllen - anstatt sie lieblos um die Ecke zu bringen. Denn das würde ich an J.J. Abrams' Stelle auch persönlich nehmen.

Warum nicht mal ein wenig Harmonie?

Star Wars 9, der dritte im Bunde dieser Trilogie, hätte jetzt großartig werden können, wenn er aus den Funken, die sich aus den Reibungspunkten ergeben, ein Feuer entfacht hätte. Stattdessen löscht J.J. Abrams die Brände.

Er vergleicht die Star Wars-Filme der neuen Trilogie in der New York Times  mit einem Pendel, was erstmal ein sehr schönes Bild ist. Es suggeriert einen Dialog, aufeinander abgestimmte Bewegungen. Harmonie. Auf einen kreativen Austausch ließen sich aber beide Regisseure nicht ein. Sie stoppten das Pendel und schubsten es in die entgegengesetzte Richtung.

Was hinderte Johnson und Abrams daran, einfach mal miteinander zu sprechen?

Fan-Boys als Regisseure: Das ist vielleicht keine gute Idee

J.J. Abrams ist ein Star Wars-Fan, kein Porträt und kein Interview über ihn kommt ohne diese Randbemerkung aus. Als ob es wichtig wäre, als Star Wars-Regisseur Star Wars-Fan zu sein. Rian Johnson ist übrigens auch Star Wars-Fan, wie wahrscheinlich ein Großteil der Regie-Generation der beiden Filmemacher, die mit dem von Stephen Spielberg und George Lucas geprägten Blockbusterkino aufgewachsen ist. (Abrams ist sieben Jahre älter als Johnson)

Ich weiß jetzt immer noch nicht, was in Abrams und Johnsons Köpfen vorgeht - und welche Studio-Entscheidungen auf den neuen Film einwirkten. Aber spätestens nach Star Wars 9 kommen mir beide vor wie sture, ein bisschen eitle Idealisten, die ihre Auffassung, wie ein guter Star Wars-Film auszusehen hat, mit Scheuklappen durchgedrückt haben. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Star Wars-Fans wie J.J. Abrams müssen ihren Unmut über ihre Lieblingsfranchises eben nicht in Kommentarspalten (oder Interviews) äußern. Sie können ihre Ideen und Gedanken direkt im Film umsetzen. Zurück bleibt nun eine zerfledderte Trilogie, zickig und chaotisch wie Fan-Chat.

Was muss bei den nächsten Star Wars-Filmen anders laufen?

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