The House of Black and White

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 5, Folge 2

Arya
© HBO
Arya
moviepilot Team
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Worin liegt der Reiz von Game of Thrones? Sind es die schockierenden Twists, der berüchtigte Einsatz von Gewalt und nackter Haut, die metaphernlastigen Dialoge, die uns durch ein langwieriges Ränkespiel ohne klar erkennbares Ziel geleiten? Jeder Zuschauer wird hier eine andere Antwort finden und jede davon wird ihre Berechtigung haben (vor allem "Hodor". "Hodor" geht immer). The House of Black and White, wieder von Michael Slovis inszeniert, wieder von D.B. Weiss und David Benioff geschrieben, dürfte so manchen Serien-Fan langweilen, der Game of Thrones nicht wegen Dialogen über die Rechtssprechung lange verstorbener Herrscher verfolgt. Dabei fungiert die 2. Episode der 5. Staffel von Game of Thrones als sinnvolle, wenn auch nicht enorm spektakuläre Erweiterung des Vorgängers. Weiss und Benioff kämpfen mit der Vorlage von George R.R. Martin bzw. ihrer eigenen Synthese seiner Bücher. Sie rücken Königin, Läufer und Springer mal ein, mal zwei Felder nach vorne, mal bereiten sie nur einen Zug vor. Das ist ein mühsamer Vorgang und The House of Black and White ist eine Folge, der dies bisweilen anzumerken ist.

Der Kampf um die Macht: Aber was heißt das schon? Game of Thrones entzündet durch überraschende und in der Regel brutale Wendungen die Timelines dieser Welt, als Serienvergnügen ist es seit jeher eine Langzeiterfahrung. Die zahlt sich etwa aus, wenn der mürrische Hüter des titelgebenden architektonischen Klotzes sich per Schwenk als Jaqen H'ghar entpuppt. Den haben wir seit dem Finale der 2. Staffel nicht mehr gesehen und anscheinend hat er in der Zwischenzeit ein neues Hobby gefunden: Münzen vom Meeresboden auflesen. Aryas letzte Verbindung zu ihrer Heimat, die Rache-Liste, verliert vor dem schwarz-weißen Tor in Braavos jede Relevanz. Nun könnte sie bereit sein, "niemand" zu werden.

Vergnügen im weiteren Sinne bedeutet es, Cersei als Königinmutter im Small Council von King's Landing zu erleben. Unfreiwillig befreit vom widerspenstigen Sohnemann, gibt sie zu, sie könne als Frau niemals Hand des Königs sein. Im selben Atemzug reißt sie die Macht an sich. Cersei vertröstet Mace Tyrell mit einem zweitklassigen Posten (Master of Coin, ehemals Littlefingers undankbarer Job), installiert den verrufenen Qyburn als Master of Whisperers (Chef einer frühen Form des Geheimdienstes, wie ihn Francis Walsingham für Elizabeth I. führte; vormals Varys) und treibt mit Tywins Bruder Kevan den letzten Lannister-Patriarchen aus der Stadt, der ihr Einhalt gebieten könnte. Cerseis Entscheidungen sind ganz sicher nicht weise. Qyburn ist schließlich so etwas wie der Doctor Krieger des Game of Thrones-Universums und niemand würde Krieger nüchternen Verstandes eine verantwortungsvolle Position zuschustern. Ist Cersei nun die Mallory Archer von GoT? Und wer ist Cyril? Jon Snow? Ich schweife ab... Wie Cersei dem sexistischen Kevan die Stirn bietet, hat etwas von einer jahrelang erarbeiteten Belohnung, selbst wenn sie sich damit langfristig von der Lannister-Machtbasis Casterly Rock isoliert. Herrschen steht einer Frau nach den Normen des Reiches nicht zu und Cersei kompensiert die Angriffe von allen Seiten mit einem autoritären Stil.

Weitsicht war allerdings noch nie Cerseis Stärke und Jaime ähnelt ihr. Nach einem der seltenen Gespräche, das die beiden in ihrer Funktion als Eltern zeigt, erringt Jaime endlich einen eigenen Handlungsstrang. Er macht sich mit Bronn, der gerade dabei war, ein Mordkomplott gegen seine zukünftige Schwägerin auszutüfteln, auf nach Dorne, um Töchterchen Myrcella aus den Klauen der Martells zu retten. Damit bringt Jaime ein weiteres unterhaltsames Road Trip-Gespann der Serie auf die Reise. Theoretisch riskiert er allerdings einen offenen Krieg mit Dorne, die seit der Ermordung Elia Martells durch den Mountain einen Groll gegen alle Lannisters hegen. Tyrion hatte Myrcella zur Befriedung nach Dorne geschickt, der Tod Oberyns bringt sie in Gefahr. Die Rachespirale schlängelt sich also munter weiter in Game of Thrones. Der Südzipfel von Westeros, der dank des Drehorts Sevilla das maurische Spanien in Erinnerung ruft, bildet da keine Ausnahme. Nur der wegen einer Krankheit an seinen Sessel gefesselte Doran Martell bringt die Gelassenheit eines erfahrenen Sternenflottenarztes mit und rät zur Ruhe: "We do not mutilate little girls for vengeance, not here, not while I rule."

Sansa kann vom Leid der "kleinen Mädchen" ein Lied singen und doch weist sie Brienne ab, als die niedergeschlagene Ritterin ihr einen Ausweg anbietet, ein zweiter Tiefschlag nach der Abfuhr Aryas. Sicher wirkt es konstruiert, dass Brienne innerhalb kürzester Zeit über beide Stark-Kinder stolpert. Andererseits werden Sansa und Arya auf diese Weise Herrinnen über ihr eigenes Schicksal: Eine selbstständige Entscheidung ist in Westeros viel wert, gerade unter Frauen.

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