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Theorien des Zeitreisens und filmische Umsetzung

Zeitreisen: Warum darf ich Opa nicht töten?

Looper
© Warner Bros.
Looper

Zeitreisen sind nicht nur in Science-Fiction Romanen, Filmen, Serien und in der Popkultur ein Thema, sondern auch in der Wissenschaft selbst. Reisen in die Zukunft dienen in Literatur und Film oft als dystopisch/futuristisches, gesellschaftskritisches Werkzeug. Während es bei der Thematik der „Reise in die Vergangenheit“ zusehends um das „Was wäre wenn?“ geht, das Verändern von gesehenen Ereignissen oder vielleicht um einen bedachten Blick zurück. Im Gegensatz zur Zukunftsreise, die keinen besonderen Regeln unterliegt die man als Reisender einzuhalten hat, da die Zukunft eben Zukunft ist: veränderbar und noch nicht eingetreten, birgt die Vergangenheitsreise ihre Tücken, sie scheint fragil, da jeder Handlung sich auf unsere Realität auswirken könnte.

In diesem Blogpost soll es nicht um die technische Möglichkeit des Zeitreisens gehen, ebenso wenig um Logikfehler, die in vielen Filmen, bei denen es um Zeitreisen geht, aufkommen. Es geht alleine um Theorien des Zeitreisens in die Vergangenheit und filmische Beispiele, die sich an diesen orientieren (ob gewollt oder nicht). Vielleicht dient es als eine Hilfestellung, um das Zeitreisen in Filmen (usw.) besser einordnen und logisch nachvollziehen zu können, oder um sich bewusst mit diesem Thema zu beschäftigen, ohne sofort den nächsten Zeitreisefilm als total sinnlosen Quatsch abzustempeln. Nichts desto trotz gibt es Beispiele und Überlegungen, die sich mit dem Problem der Kausalität des Zeitreisens befassen, und durch das Großvaterparadoxon dargestellt werden können:

Das Großvaterparadoxon entstand aus der Überlegung heraus, was passieren würde, wenn man es schafft, in die Vergangenheit zu reisen und dort seinen jungen Großvater umbringen würde. Das Resultat aus dieser Handlung wäre, dass der Vater des Zeitreisenden nie gezeugt werden konnte und der Reisende selbst somit auch nicht. Und wenn er nie gezeugt wurde, dann hätte er auch nie in die Vergangenheit reisen können um seinen Großvater umzubringen.1 So einfach ist das.

Zwei wesentliche Theorien/Überlegungen umgehen dieses Problem:

Die Theorie des selbstkonsistenten Universums:

Diese Theorie basiert auf der Annahme, dass alles, was in der Vergangenheit passiert ist, bereits vergangen ist. Wenn man also in die Vergangenheit reisen würde, dann hätte diese Reise in der Vergangenheit bereits stattgefunden. Man wäre also schon in der Vergangenheit gewesen und die Handlung, die Reise, der Ausgang dieser Reise sind schon vorherbestimmt, weil passiert. Ausgehend von Igor Nowikows Selbstübereinstimmungsprinzip, ist es dem Zeitreisenden gar nicht möglich, die Kausalität der Ereignisse zu verletzten. Würde man also versuchen, seinen Großvater in der Vergangenheit zu töten, so wäre man dazu einfach nicht in der Lage (selbst wenn man es versucht), weil er in der Vergangenheit nicht getötet wurde und der Reisende in der Gegenwart existiert. Der Verlauf der Geschehnisse ist somit determiniert.2

Ein Beispiel für einen Film, der in einem selbstkonsistenten Universum spielt, ist Harry Potter und der Gefangene von Askaban: Harry und Hermine reisen in die Vergangenheit und versuchen die eingetroffene Gegenwart zu verändern (und sehen sich dabei selbst).
Ebenso vorherbestimmt ist Die Frau des Zeitreisenden. Die Hauptfigur kann unkontrolliert durch die Zeit springen (sowohl Zukunft als auch Vergangenheit), kann diese aber nicht verändern oder beeinflussen.
In einer Futurama-Folge (Folge 45: Roswell That Ends Well) reist Fry in die Vergangenheit und tötet seinen Großvater, nur um dann selbst seine Großmutter zu schwängern und so zu der Erfahrung zu gelangen, dass er sein eigener Großvater ist.

Alle diese Zeitreisen verändern die Gegenwart eigentlich nicht, müssen aber stattfinden, um diese Gegenwart erst zu erschaffen, auch wenn die Protagonisten sich dessen nicht bewusst sind.

Eine Variation bieten Butterfly Effect, Alles eine Frage der Zeit und Das Mädchen, das durch die Zeit sprang. Alle drei Hauptfiguren können in die Vergangenheit (oder auch in die Zukunft) reisen, um somit ihre Gegenwart zu verändern, wobei sie immer nur in ihren eigenen Körper aus der Vergangenheit zurückkehren. (Anders als der Zeitreisende aus Die Frau des Zeitreisenden, der sich selbst treffen kann und dessen Alter sich bei der Reise nicht verändert). Diese Filme arbeiten allesamt mit der Idee des „Was wäre wenn?“ und den direkten Auswirkungen von Handlungen in der Vergangenheit im Sinne des Schmetterlingseffekts.

Viele-Welten-Theorie:

Nach Everetts Theorie gibt es nicht eine, sondern eine (vielleicht unendliche) Vielzahl von Welten/Universen. Demnach wäre es gar nicht möglich, in seine eigene Vergangenheit zu reisen und diese überhaupt zu verändern, sodass man davon ausgeht, dass wenn Zeitreisen in die Vergangenheit möglich wären, dann nur weil man in eine parallele Welt gereist ist und man so direkt in den Lauf der Dinge eingreifen kann, ohne seine eigene Gegenwart/die Zukunft, aus der man kommt, zu beeinflussen. Wenn man in dieser parallelen Welt seinen Großvater umbringen würde, dann würde man zwar die zukünftige Erzeugung seines Parallelwelten-Ichs verhindern, jedoch hätte dies keinen Effekt auf die Existenz des Zeitreisenden, da dessen wirklicher Großvater nie getötet wurde, er geboren werden konnte um so in diese parallele Welt zu reisen und seinen Großvater zu töten.3

Im Anime Dragon Ball Z wird diese Theorie der Vielen-Welten ausgeführt. Trunks reist aus der Zukunft in die Vergangenheit (in die Welt, in der die Serie spielt) und versucht, die Zerstörung der Welt durch die Cyborgs zu verhindern, obwohl er weiß, dass die Zukunft/die Welt aus der er kommt, dadurch nicht gerettet werden kann.
Ein weiteres Beispiel ist der Star Trek Film von 2009. Das romulanische Raumschiff Narada wird durch ein schwarzes Loch in die Vergangenheit katapultiert und verändert den Lauf der Zeit, da Kirks Vater bei einem Angriff dieses Schiffs ums leben kommt. Durch diesen Kunstgriff ermöglichen die Macher des Films einen alternativen Handlungsstrang (ebenso wie X-Men: Zukunft ist Vergangenheit), der diesem Reboot nicht das Gefühl von aufgewärmter Suppe gibt, sondern die Möglichkeit, die Abenteuer auf eine neue Art und Weise und mit bekannten Figuren zu zeigen, jedoch ohne die Vorlage eins zu eins zu kopieren.
In der Serie Rick and Morty reisen diese nach der unabsichtlichen Zerstörung ihrer Welt in ein paralleles Universum, um ihre durch einen Unfall ums Leben gekommenen Ichs zu ersetzen.
Die Serie Lost zeigt durch Seitenblenden das Leben der Protagonisten in einer Welt in der das Flugzeug nie abgestürzt ist.

Natürlich kann man nicht jeden Film in eine dieser zwei Theorien einsortieren. In Zurück in die Zukunft kann Marty die Zukunft verändern, in dem er beinahe verhindert, dass seine Eltern zusammen kommen und er fast nicht geboren wäre. Ebenso verhält es sich mit Filmen wie Men in Black 3, Terminator, Looper etc. etc. etc.
Die Liste an Filmen, in denen Zeitreisen vorkommen, ist lang und das Thema wird irgendwie auch nie alt. Einerseits können es als Chance zur Erweiterung/zum Reboot eines Franchises dienen (X-Men; Star Trek), aber ebenso bietet es immer wieder neue Möglichkeiten. Ob in Serien (Supernatural, Charmed - Zauberhafte Hexen, Heroes, Doctor Who) oder Animes (Steins;Gate). Ob romantisch, futuristisch oder actionreich.

Was ich mit dem Ganzen eigentlich sagen wollte ist, dass die Science Fiction des Zeitreisens in die Vergangenheit zwar nicht immer realiserbar ist und das es trotzdem existierende theoretische Überlegungen in die Drehbücher der Autoren schaffen. Zeitreisen haben immer etwas fantastisches und utopisches, jedoch sollte sich dies doch immer an die logischen Gesetze halten, da es sonst oft zu großen Verwirrungen und Diskussionen führt und einen Film zu sehr von der Realität entfernt. Man will verstehen was man sieht, genauso wie man die Handlung von Figuren nachvollziehen will, denn alles andere lässt den Zuschauer weder mit der Geschichte noch mit den dargestellten Personen sympathisieren und hinterlässt nur ein WTF-Moment (und nicht gerade den positiven).

Sagt mir wie euch meine Zeitreise-Artikel gefallen hat und ob vielleicht Interesse an weiteren Zeitreisethemen besteht (Ich könnte mir konkrete Beispiele wie Looper, Donnie Darko oder Steins;Gate vorstellen, die alle ganz anders mit dem Thema des Zeitreisens umgehen und ihre ganz eigenen Theorien umsetzten)

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