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Der Eine Sack - Eine Weihnachtsgeschichte

Sonse (Sonja ), Veröffentlicht am 23.12.2012, 08:49

Manche behaupten, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie haben unrecht.

... wünschen euch eure Community-Wichtel. ... wünschen euch eure Community-Wichtel. © moviepilot/Warner Bros./Michael Chambers/SXC

Ja, liebe moviepiloten, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, so sicher es großartige Filme, fesselnde Serien und talentierte Filmemacher gibt, und ihr solltet wissen, dass diese reichlich vorhanden sind und eurem Leben Schönheit und Freude verleihen. Wie öde wäre unsere Welt, wenn es all das nicht gäbe, wenn es euch nicht gäbe. Doch was die wenigsten wissen, pssst…, wir sagen es euch im Vertrauen, ist, dass der Weihnachtsmann nicht für jeden und nicht zu jeder Zeit die gleiche Form annimmt und dass er viele Unterstützer hat, die gemeinsam ausziehen jeden zu bescheren – auch Bill Murray.

Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Bah, Humbug! Der Weihnachtsmann ist ein alter, gütiger Mann in einem grauen Gewand, einem langen grauen Bart und einer Vorliebe für Zwerge und Feuerwerk, der sich mit seinen Gefährten beim ersten Schneeflöckchen in einem Loch im Boden einfindet. Gemeinsam ziehen sie alljährlich aus, machen sich auf eine lange, abenteuerliche und nicht ungefährliche Reise um die winterliche Erde, um alle Filmliebhaber dieser Welt zu beschenken. Sie müssen dabei sehr vorsichtig sein, denn der mächtige Scrooge mit dem fauligen Atem sieht alles und sendet seine neun Grinche aus, sie aufzuhalten ihre unmögliche Mission zu erfüllen. Wonach es ihm dürstet ist der sagenumwobene eine Sack, der heute nacht ins winterliche Mondlicht gehalten folgende Inschrift an seiner unteren Naht trägt: Ein Sack, sie zu beschenken, sie alle aufzuspüren, um den Weihnachtsbaum zu treiben und mit Süßkram zu verführen. Der Sack wurde in einem vorangegangen Zeitalter, von der Mutter eines kleinen aufgeweckten Jungens namens Ebenezer an einem Adventsmorgen für dessen Schwester Cinderella genäht, die sonst ihre Tage damit verbrachte, in Männerklamotten durch Wälder zu reiten und Prinzen aufzureißen, und mit allerlei Köstlichkeiten gefüllt. Was danach genau geschah geriet in Vergessenheit, doch aus dem kleinen Ebenezer wurde Scrooge. Er ist unwiderruflich an das Schicksal des Sacks gebunden, dem die Liebe seiner Mutter und seiner Schwester magische Kräfte verleihen, alljährlich alle Geschenke zu umfassen. Groß ist die Versuchung als Träger des Einen Sacks ihn für sich allein zu nutzen, weshalb, und weil er einfach unglaublich schwer ist, die Gefährten ihn abwechselnd tragen müssen.

Die Gefährten sind neben dem alten, grauen Mann mit dem Stab und der spitz zulaufenden Mütze, eine Ansammlung charmanter Gestalten, die gar eigentümlicher nicht sein könnte. Jack, ein bis auf die Knochen abgemagertes, früheres Model für eine große Modekette im Nadelstreifenanzug, hatte beim Aufbruch sehr zum Schrecken seiner weihnachtlichen Super Best Friends wieder Mal versucht, liebevoll selbst gebastelte Geschenke wie Hüte aus vergammelten Ratten oder Schrumpfköpfe verpackt in Kürbissen in den Einen Sack zu schmuggeln. Des Heinzelmanns Sidekick Krambambuli bemerkte dies noch rechtzeitig und Opa Hoppenstedt buff-ta-tate und blies die lieb gemeinten, jedoch unerwünschten Dreingaben aus dem Sack der Familie Ebenezers (natürlich nicht ohne zu bemerken, daß früher mehr Lametta war). Worauf zum Verdruss aller, George, der Leiter einer kleinen Bausparkasse, zu einer pastoralen Ansprache ansetzte zur Rückbesinnung auf traditionelle Werte, die Gutheit der Natur und des Menschen als eines Geschöpfes der Natur, bis Billy Bob, ein diebischer, abgehalfterter Kaufhaussanta ihm mit einem rumpelnden Rülpser das Wort abschnitt: “Wissen wir alle.”

Dann konnte es losgehen. Sie stampften in der Dunkelheit nach draußen und verließen zu ihrem Schutze bekannte Wege und erst als sie sich in Sicherheit wogen begannen sie plötzlich “Last Christmas” in die stille Nacht hinein zu summen. (Denn sind wir ehrlich, wenn zu viele Leute in der Nähe sind, ist die Gefahr doch recht groß, dass irgendwer einem bei dem Lied aufs Maul haut. Zum Beispiel einer, dessen Freundin auf der letzten Weihnachtsfeier mit dem besten Freund abgehauen ist. Weihnachten sterben Boybands wie die Fliegen…)

Ihren Weg kreuzte bald schon ein großer Mann mit eckigem hochrotem Kopf, der mit stark steirischem Akzent irgendeinen ‘Duurrboomän’ zu suchen schien. Der schüchterne Edward, der den Sack momentan auf dem Rücken trug lies ihn sinken und durchwühlte ihn. Nachdem er und seine Freunde jedoch Angst hatten, er könne mit seinen scharfen Händen so manch filigranes Geschenk darin zerstören, seufzte er tief. Der Graue pfiff und warf ihm einen Klumpen Zauberkunststoff zu. Sogleich machte er sich mit seinen kunstfertigen Händen ruckartig ans Werk und drechselte im Nu etwas, dass aussah wie eine Actionfigur. Der Mann fuchtelte wild um sich und schlug ihm voller Begeisterung und Rührung mit einem solchen Schwung auf den Rücken, dass Edward vornüber in den Schnee kippte und mit seinen rostfreien Edelstahlgriffeln im Eis stecken blieb. Der große Mann erkannte was passiert war, zog den erschrockenen Edward mit einem mächtigen Griff aus der Kälte, schaute ihn ernst an und sprach: “I need your clothes, your boots, and your motorcycle… Nur ein Scherz”, und zog freudestrahlend mit der Figur des Weges.

Als die Gefolgschaft des Sacks bei Christmas is all around angekommen waren, hörten sie ein merkwürdiges Ächzen und Keifern in der Ferne. Sie blickten sich aufgeschrocken an. Die drei winzigen, stummen, schwebenden Haselnüsse färbten sich bläulich. “Grinche! Schnell zur Guinness-Brücke!”, rief der kleine blonde Ceddie und alle seufzten bei seiner besinnlichen Stimme vor Verzückung “Awww, Lord…”, denn seinem personifiziert geballten Weihnachtskitsch konnte niemand widerstehen. Niemand außer Grinche und diese näherten sich unaufhörlich.

Angelockt vom Geruch der Zitronenstollen, die Samantha wieder mal als Wegzehrung gebacken hatte, als die Adventsamnesie sie überfiel und sie ihre wahre Identität als Undercoveragentin vergaß. Die Grinche hatten sie nun entdeckt. Sie hetzten hinter den Gefährten her und als diese gerade die Mitte der Brücke passiert hatten, schlossen sie zu ihnen auf. Da stoppte plötzlich der beinahe Alkoholiker und Kettenraucher Knecht RuMcClane, der Held wider Willen der festlichen Truppe hielt sich schon immer für John Wayne, schwang sich stilecht von seinem treuen Ross, dem letzten Einhorn Lutz. Vor Schreck hielten auch die Grinche inne und ihre grünen Fratzen schimmerten aus den finsteren Kutten, die sie umhüllten, hervor. “Ihr kommt hier nicht vorbei, Schweinebacken!” brüllte RuMcClane und schleuderte mit entschlossenem Blick einen der flink an seiner Fluppe entzündeten Feuerwerksböller des Grauen auf die Brücke vor sich. Das mürbe Bauwerk wurde an empfindlichster Stelle erschüttert und die Kraft des Böllers schleuderte den Anführer der Schergen Scrooges, den großen und mächtigen Gruber-Grinch, von der Brücke und dieser fiel in den Abgrund des Todes. Das chaotische Duo Kenpin und MerRay grinsten über ihren so schlechten wie flink geäußerten Gag “Brügge sehen und sterben” und kümmerten sich gemeinsam mit Samantha um den Rest der Grinche. Am Ufer angelangt, waren unsere Helden nach diesem Schrecken nun wieder in Sicherheit und rauchten erst mal eine Tüte Lametta und reichten den verbliebenen Zitronenstollen herum…

So sind die weihnachtlichen Gesellen auch dieses Jahr unterwegs, euch Geschenke aus dem Einen Sack zu bringen, sich vor den Grinchen und dem Auge Scrooges zu verstecken und dadurch leider auch für euch alle unsichtbar zu sein. Doch das heißt nicht, dass es sie nicht gibt und dass es damit den Weihnachtsmann nicht gibt. Ist das alles wahr? Ach, liebe movielpiloten da draußen, wir sagen euch, während ihr dort draußen in euren kuscheligen Rentierpyjamas vor einem knisternden Feuer sitzt und Eierpunsch schlürft (Ja wir sehen euch ganz genau! Wir sehen nämlich auch alles!): Kein Wort, das jemals gesprochen wurde war je wahrer und beständiger als diese!

Ob sie nun Rast bei Kevin gefunden, oder ob er sie, wie böse Zungen behaupten, mit einem Bügeleisen ins Nirvana kloppte, oder alle in den Sack gesprungen und mit ihm schon wieder unsichtbar geworden sind, das wissen wir nicht… Doch sollten sie für euch filmischen Schrott aus dem Sack gefischt haben, dann helfen wir gerne weiter

Euch allen da draußen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein fantastisches neues Filmjahr 2013!

Eure Community-Wichtel
Sonselaus und Kängukindl


*Inspiriert durch den berühmten Leitartikel Yes, Virginia, there is a Santa Claus, J.R.R. Tolkien, weihnachtliche Stimmung, sowie den Konsum unzähliger Filme, die wir hier gar nicht alle verlinkt haben.


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