Industrial Light and Magic im Portrait
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Jeden Sommer aufs Neue meckern wir über die Seelenlosigkeit der Blockbuster und darüber, dass zum Kreieren von fantasievollen Szenen lediglich der Computer herangezogen wird, während die alte Kunst der visuellen Spezialeffekte längst verblichen ist. Trotz alledem sind computergenerierte Bilder und nicht die Story oder die Performance der Schauspieler dafür verantwortlich, dass uns das Popcorn bei Transformers 3 aus dem Mund fällt, wenn wir die Autobots in Aktion erleben. Industrial Light and Magic, die von George Lucas gegründete Allzweckwaffe für alles, was nur in der Fantasie existiert, aber auf die Leinwand gebannt werden soll, ist eine der ältesten und bedeutendsten jener Firmen, die die stillen Stars des Eventkinos darstellen.
Wenn den Oscar-Auszeichnungen irgendeine Bedeutung zugemessen wird (und davon gehe ich einfach mal in einem Artikel anlässlich der baldigen Oscar-Verleihung aus), dann wird der Rang, den ILM innerhalb des Filmbiz einnimmt, überdeutlich. So konnte die Effektschmiede insgesamt ganze 15 Mal den Oscar für die besten visuelle Effekte abräumen und wurde weitere 23 Mal in der Kategorie nominiert. Zu ihren überragenden Arbeiten gehören so illustre Werke wie die Star Wars-Saga, die Indiana Jones -Reihe, das Jurassic Park -Franchise, die Zurück in die Zukunft -Trilogie sowie in jüngerer Vergangenheit die Transformers -Filme und Fluch der Karibik samt seiner Fortsetzungen. Zu den geplanten Projekten gehören Marvel’s The Avengers und Battleship. Doch der Weg zum Branchenprimus beginnt wie so oft sehr bescheiden.
Katastrophale Ergebnisse und ein daraus resultierender Herzinfarkt
Industrial Light and Magic wurde aus rein praktischen Gründen ins Leben gerufen. Es war der schüchterne Visionär George Lucas, der sich im Jahre 1975 nach einem Weg umsah, die 350 vorgesehenen Special-Effects-Eistellungen für eine bescheide, kleine Produktion namens Krieg der Sterne auf eine glaubhafte Weise zu realisieren. Jedoch gab es in Hollywood keine etablierte Infrastruktur für diese Art von realistischer Science Fiction. Die bekanntesten visuellen Effekte waren bis dato die Stop-Motion-Tricks von Ray Harryhausen und die grässlichen, an Strippen befestigten fliegenden Untertassen aus Alieninvasionsschinken der 50er Jahre. Einer Person gelang es allerdings zuvor, einen Science-Fiction-Film mit überzeugenden Effekten auszustatten: Douglas Trumbull für 2001 – Odyssee im Weltraum. Der Maestro selbst war unpässlich, doch er empfahl George Lucas seinen Protégé John Dykstra.
Dykstra scharte ein Team aus hungrigen, aber unerfahrenen Talenten um sich und begann mit seiner Arbeit an Star Wars in einer riesigen Lagerhalle in Los Angeles. Allerdings verliefen die anfänglichen Unternehmungen alles andere als zufriedenstellend. George Lucas ließ den hastig zusammengewürfelten Haufen auf eigene Faust im sonnigen Kalifornien zurück, während er sich auf die Reise in ferne Länder machte, um seine Weltraumoper an den passenden Schauplätzen abzudrehen. Als er ein Jahr nach Gründung von ILM überzeugende Ergebnisse sehen wollte, da die Trickkünstler bereits die Hälfte ihres auf $2 Millionen angesetzten Budgets ausgegeben hatten, bekam George Lucas einen Herzinfarkt und musste sofort ins Krankenhaus eingeliefert werden. Gerade mal eine einziger der 350 Special-Effects-Einstellungen war in irgendeiner Art und Weise einem großen Publikum vorzeigbar.
Kometenhafter Aufstieg und der Maßstab aller Dinge
Bekanntermaßen markierte diese Anekdote nicht das Ende von George Lucas und seinem wegweisenden Meisterwerk. Industrial Light and Magic hatte so gut wie keine Trickeffekte aus dem einfachen Grund fertiggestellt, dass sie zunächst die erforderlichen Technologien entwickeln mussten. Computeranimationen waren gänzlich unbekannt und somit mussten die Effektkünstler wahre Kreativität beweisen, um die gewünschten Ergebnisse von Hand zu fertigen. So erfanden sie quasi im Alleingang die Motion-Control-Fotografie und waren die ersten, die Blue Screens effektiv zu nutzen wussten, indem sie gemalte Hintergrundkulissen hinter das Vordergrundgeschehen legten. Außerdem wandten sie das altbewährte Stop-Motion-Verfahren an, bei der Miniaturfiguren in penibler Kleinstarbeit Bild für Bild (das heißt 24-mal pro gefilmter Sekunde) neu ausgerichtet und fotografiert werden müssen. Durch das Überziehen des Budgets um $1 Million gelang es schlussendlich, alle Trickeffekte zu George Lucas Zufriedenheit aufzunehmen. Der Lohn war ILMs erster Oscar.
Durch den enormen Erfolg von Krieg der Sterne an den Kinokassen trug sich Industrial Light and Magic nicht, wie eigentlich geplant war, als One-Hit-Wonder in die Annalen der Kinogeschichte ein. Unerlässlich für die folgenden Teile der Saga überdauerte Lucas’ Notlösung die nächsten Jahre und wurde durch den eigenen Anspruch, stets die Speerspitze der Tricktechnik zu bilden, zur gefragtesten Effektschmieden des Filmgeschäfts. ILM wurde zu den Vorreitern in Sachen CGI. Sie waren die ersten, die eine teilweise computergenerierte Hauptfigur erschufen (der T-1000 Terminator 2 – Tag der Abrechnung), eine aus Pixeln bestehende lebendige Kreatur kreierten (die Dinosaurier in Jurassic Park) und einen Charakter per Motion Capture zum Leben erweckten (Davy Jones in Fluch der Karibik). Sicherlich laden nostalgische Gefühle dazu ein, sentimental auf die guten alten Tage zurückzublicken, in welchen alles, was auf der Leinwand landete, komplett von Hand gemacht war. Doch verdankt Industrial Light and Magic sein ertragreiches Fortbestehen dem Umstand, dass sie nicht zufrieden mit dem waren, was sie perfekt beherrschten, sondern stets die Grenzen des Machbaren austesteten und somit zu einem entscheidenden Faktor für das Eintreten der Filmindustrie in das digitale Zeitalter wurden.
Ratso Rizzo (Theo Bonick) 2012/01/29 08:50:00
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Kommentare
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Kommentar schreibenbased_god 2012/01/29 10:10:44
Kommentar löschenIch frage mich wann die Technik stehen bleiben wird...
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The Director 2012/01/29 13:52:04
Kommentar löschenCGI ist eine schöne Erfindung. Schade nur, dass es durch die Überdosis fast jeden Film ruiniert. Wenn ich Pixel durchs Bild fliegen sehen will, spiel ich Videospiele oder seh mir nen Animationsfilm an. Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass sich große Produktionen durch altbewährte Effekte und eine gesunde Dosis CGI auszeichnen werden.
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Ratso Rizzo 2012/01/29 14:40:40
Antwort löschenSehe ich genauso. Zu Zeiten von Jurassic Park, als es einfach noch nicht möglich war, jeden Effekt am Computer zu erzeugen, musste man sich noch wirklich Gedanken machen. Die paar animierten Dinos sehen klasse aus und stören in keinem Fall. Wenn die Kamera allerdings näher an sie ran geht und die Charaktere mit ihnen interagieren, werden sie mit Animatronics zum Leben erweckt. Somit waren die technischen Limitationen für einen realistischeren Gesamteindruck verantwortlich. Aber ich wollte ja nicht nostalgisch werden...
Rukus 2012/01/29 20:08:47
Antwort löschen"Schade nur, dass es durch die Überdosis fast jeden Film ruiniert."
Diesen Satz sollte man am besten in Stein meisseln und nach Hollywood schicken. Da wird der Stein dann mitten auf den roten Teppich gestellt, damit ihn auch ja niemand übersieht ... Naja, vielleicht übersetzen wir ihn erstmal ins Englische. ;)
In_Ex_Fan 2012/01/30 07:37:01
Antwort löschenIm deutschen hat der Stein dann keinen Erfolg... Dafür brauchts ein Hollywood-remake :-P
In_Ex_Fan 2012/01/30 07:38:16
Kommentar löschenSoweit ich weiß ist ILM auch für die Special-Effects in den meisten Star Trek Filmen verantwortlich gewesen...
Bei "First Contact" war zumindest der Millenium Falcon zu sehen :-)
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Ein Blick in die Zukunft:
Es ist der schüchterne Visionär Alan Smithee, der sich im Jahre 2025 nach einem Weg umsieht, die 3500 vorgesehenen Special-Effects-Einstellungen für eine epische Mega-Produktion namens "CGI Overkill 5D" in eine glaubhafte Story zu integrieren. Jedoch gibt es in Hollywood keine etablierte Infrastruktur...
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