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Wir schauen The Walking Dead - Episode 4

Viel verändert sich in der vierten Folge von The Walking Dead.
© AMC/RTL2
Viel verändert sich in der vierten Folge von The Walking Dead.

Während wir in Folge 3 Shane beim Durchdrehen zusehen durften, geht es in Vatos wirklich ans Eingemachte. Das Camp wird von einer Herde Beißer überfallen, dem ersten großen Angriff nach dem Ausbruch der Epidemie. Außerdem erfahren wir, was aus Merle geworden ist und sehen, dass es selbst in einer von Zombies beherrschten Welt noch echte Selbstlosigkeit gibt. Folge 4 von The Walking Dead war harter Tobak und fordert eine Nachbesprechung. Mit unserem Recap bekommt ihr diese.

Was gibt’s Neues aus der Zombie-Apokalypse?
Rick (Andrew Lincoln) und Co. kommen auf dem Dach in Atlanta an, nur um festzustellen, dass sich Merle ohne Hand aus dem Staub gemacht hat. Jim gräbt derweil Unheil verheißende Gräber und muss von den im Camp verbliebenen beruhigt werden. Als Glenn (Steven Yeun) die Waffen von der Straße holt, wird er von einer Bande gekidnappt. Rick, Daryl (Norman Reedus) und T-Bone (IronE Singleton) haben sich einen Jungen aus dieser Bande geschnappt und versuchen, einen Geiselaustausch zu erwirken. Schnell stellen sie fest, dass die Bande um Guillermo lediglich ein Altenheim beschützt. Doch dank dieser Verzögerung kommt die Gruppe viel zu spät ins Camp zurück. Eine Gruppe Beißer überrennt dieses und unter anderem Amy kommt dabei ums Leben.

Das makellos Gute und seine Vergewaltigung
Mit Vatos kommen wir bei der ersten großen Wendung in The Walking Dead an. Und was für eine Wendung das ist! Sie kommt daher wie ein Schlag in die Magengrube. Ein sehr sorgfältig vorbereiteter Schlag. Das Desaster am Ende der Folge wird uns nicht einfach ins Gesicht geschoben. Nein, seine Wirkung wird mit einer besonders fiesen Taktik noch maximiert. Zu Anfang der Folge sehen wir Andrea (Laurie Holden) und Amy (Emma Bell) beim Angeln. Ein rührendes Gespräch über das Verhältnis der beiden zu ihrem Vater entfaltet sich und Amy fragt sich, ob es in einer solchen Welt nicht besser sei, tot zu sein. Dann hat sie am nächsten Tag auch noch Geburtstag und Andrea überlegt zusammen mit Dale (Jeffrey DeMunn), was sie ihr schenken könnte. Jim (Andrew Rothenberg) gräbt derweil manisch einige Gräber auf einem nahegelegenen Hügel, nach eigenen Angaben aufgrund eines unheilvollen Traumes und den Schuldgefühlen wegen des Tode seiner Familie. Erfahrene Horrorfilm-Schauer erkennen natürlich sofort, dass hier etwas im Busch ist. Es funktioniert. Für mich war Amys Tod eine der traurigsten Szenen der ganzen Serie und dank der langen Vorbereitung konnte ich Andreas Tränen am Ende wirklich nachempfinden.

Amy stirbt nicht als einzige. Die Gruppe wird auf ein vernünftiges Maß an Hauptcharakteren dezimiert, eine Taktik, die im Comic immer wieder Anwendung findet. Unter diesen Hauptcharakteren ist auch Carol (Melissa Suzanne McBride), deren Mann Ed (Adam Minarovich) das erste Opfer der Attacke wurde. Schon in Folge 3 erhielt er von Shane eine Tracht Prügel. Der gewalttätige Chauvinist erhielt in dieser Folge auch seine Todesvorbereitung, giftet seine Frau an und will seine Tochter zwingen, in der Nacht bei ihm zu bleiben. Für Carol ist sein Tod zweifelsohne eine Erleichterung und auch wir freuen uns ganz im Sinne dieser gnadenlosen neuen Welt, dass die alte Fussfessel Ed nun aus dem Weg ist. Das Massaker ist mit seiner Hektik und der Überraschung auf allen Gesichtern so inszeniert, dass auch wir vom Terror der Situation übermannt werden. Robert Kirkman, der Schöpfer des Comics, schrieb diese Folge selbst und bringt seine nichts und niemanden verschonenende Handschrift beim Finale unverwechselbar ein.

Störend war nur die Nebengeschichte mit dem Altenheim und der Bande um Guillermo. Zwar hatte sie einige lustige Momente. Ich denke da an die Hunde, aber auch eine gehörige Portion an Pathos. Der Plot ist geradezu rührend: (Anscheinliche) Bandenmitglieder kümmern sich um die Alten, die von allen anderen im Heim zurückgelassen wurden. Harte Kerle mit gutem Herzen. Dick auftragen ist an sich kein Problem, aber die Altenheim-Geschichte ist wie eine konsequenzenlose Insel im Hauptfluss der Walking Dead-Geschichte. Sie hat keine Bedeutung für die Gruppe und reißt den Zuschauer aus dem Hauptplot heraus. Der Zweck dieser Nebengeschichte, die Verzögerung von Rick und Co., bis die Zombies das Camp überfallen, hätte auch anders realisiert werden können. Zum Beispiel, in dem die Gruppe gegen Merle kämpfen muss, wenn der schon Off-Screen den Wagen klaut. Doch auch hier: Meckern auf hohem Niveau. Nach Vatos ist in The Walking Dead nichts mehr wie vorher und genau so fühlt sich diese Folge an.

Was sonst so auffällt
- Wenn sowas irgendwann wirklich passieren sollte, halte ich mich auf jeden Fall auch an einen Pizzaboten wie Glenn. Der Typ ist so taff, dass er sogar zum Panzer zurückkehrt, nur um Ricks Hut aufzusammeln.
- Die Säge war scharf genug, um im Angesicht herannahender Zombies fix einen Knochen durchzutrennen, aber für die Handschellen war sie zu stumpf?
- (Nicht-)Übersetzungsfail: Chink. Was ist aus dem guten alten Schlitzauge geworden?

Der Darwin-Award geht an…
Ed segnet endlich das Zeitliche nach langem Vorspiel. Wer einem Zombie so untätig gegenübersteht, hat es auch nicht anders verdient.

Lieblingszitat
Glenn: Du wolltest doch nur wegen deinem Hut nach Atlanta zurück.
Rick: Verrat es aber keinem.

Trauerspiel für Splatter-Fans?
Zahlreiche, explizit dargestellte Kopfschüsse und Zombie-Festmahle gab es in dieser Folge. Insbesondere erstere und in geringerem Maße letztere wurden bei uns herausgeschnitten.

Weitere Recaps zu The Walking Dead
Folge 6 – TS-19
Folge 5 – Tag 194
Folge 4 – Vatos
Folge 3 – Tag der Frösche
Folge 2 – Gefangene der Toten
Folge 1 – Gute alte Zeit

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