Beste Regisseure aller Zeiten - Platz 8: Sergio Leone

Beste Regisseure aller Zeiten - Platz 8: Sergio Leone
© Paramount Pictures
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moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei moviepilot.de, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.

"Das ist der Mann ohne Namen! Auf seine Art ist er, vielleicht, der gefährlichste Mann der Welt!" Wer schmeißt bei solch einer Tagline auf dem Poster nicht sofort sein Geld in die Kinokasse? Die Zuschauer konnten sich dem vom amerikanischen TV-Darsteller Clint Eastwood gespielten Namenlosen nicht entziehen. Für eine Handvoll Dollar wurde 1964 zum Hit. Ein anderer Werbespruch kündigte an: "Dies ist der erste Film seiner Art. Und es wird nicht der letzte bleiben." Italowestern gab es schon ein paar bei Kinostart, doch Regisseur Sergio Leone sollte in diesem und kommenden Filmen die Elemente festschreiben, die heute mit dem Genre assoziiert werden. Bei nur sieben Filmen wird Leone als Regisseur geführt, unter den Filmemachern seiner Zeit ist er aber einer der beliebtesten in der moviepilot-Community.

Eine Handvoll Dollar brachte Sergio Leone Bekanntheit über die Landesgrenzen Italiens hinaus. Sein erster Film war ein anderer. Bevor er 1961 bei Der Koloss von Rhodos erstmals als alleiniger Regisseur geführt wurde, hatte Sergio Leone sich durch die italienische Filmindustrie gearbeitet. Er sammelte Erfahrung als Statist und fünfter Assistent beim neorealistischen Klassiker Fahrraddiebe von 1948, arbeitete als Drehbuchautor und Regieassistent. Beim Studio Cinecittà in Rom verdingte sich Leone im Umfeld von kommerziellen Großproduktionen, einige davon aus Hollywood. Das Kino umgab Leone schon von Kindesbeinen an. Vater Vincenzo Leone inszenierte und spielte in Stummfilmen, seine Mutter Edvige Valcarenghi war Schauspielerin, gab ihre Karriere aber nach der Hochzeit auf. Der Vater hatte zunächst etwas dagegen, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt, Sergio jedoch brach sein Jurastudium ab und trat seine Laufbahn im Kino an. Mit knapp 30 Jahren kam er dann Ende der 1950er als Regisseur zum Zuge. Als Mario Bonnard, der Regisseur des Monumentalfilms Die letzten Tage von Pompeji, im frühen Stadium der Produktion gesundheitsbedingt ausfiel, musste sein Assistent Sergio Leone den Film fertigstellen. Bonnard behielt seinen Regie-Credit, für Leone war nun ein entscheidender Schritt in seiner Regiekarriere getan.

Ansätze von dem, was wir heute als Markenzeichen eines Sergio-Leone-Films verstehen, gab es schon in Leones wahrem Erstling, Der Koloss von Rhodos. Christoph Huber beschreibt die mit "sichtlichem Genuss ausgespielten Szenen" der Gewalt in dem Sandalenfilm, die "den ersten Schritt in Leones Behandlung von Brutalität" markieren. Zur Entfaltung fanden sie im Western, dessen Duelle sich als ideale Form für die hinausgezögerten Gewaltmomente anboten, deren Wartezeit bei Leone selbst einer Folter gleicht. Entscheidend in der weiteren Entwicklung des Regisseurs war zudem die erste Zusammenarbeit mit dem Komponisten Ennio Morricone. Mangels Budget setzte Morricone auf eine unkonventionelle "Orchestrierung" aus elektrischen Gitarren, Pfeifen, Peitschenschlägen, Pistolenschüssen, Trompeten und Chören. Morricones Score ist schon in Für eine Handvoll Dollar eng verwoben mit Leones charakteristischen Großaufnahmen schweißbenetzter Gesichter, der staubigen Weite des gesetzlosen Westens und dessen schweigsamen, ob der Umstände ironisch gestimmten Antihelden. Schon am Set konnte Leone nämlich auf die Kompositionen Morricones zurückgreifen, um den Schauspielern einen Eindruck von der Atmosphäre zu geben. Ihre Kollaboration kann für die kurze Filmografie von Sergio Leone gar nicht überschätzt werden und das wird jeder nachvollziehen können, dem die opernhaften Gesänge aus Spiel mir das Lied vom Tod in Mark und Bein gehen.

Die Dollar-Trilogie mit Clint Eastwood bildet wohl den idealen Einstieg ins Werk von Leone. Der erste Film, dessen Story sich kräftig bei Yojimbo, der Leibwächter von Akira Kurosawa bedient, ist vergleichsweise klein angelegt. Eine Stadt, zwei verfeindete Banden, ein Eastwood. Für ein paar Hände voll Dollar spielt der Fremde die beiden Seiten gegeneinander aus. In Für ein paar Dollar mehr von 1965 gibt Eastwood einen Kopfgeldjäger, der mit einem Kollegen (Lee Van Cleef) gemeinsame Sache macht, um einen psychopathisch kichernden Verbrecher (Gian Maria Volonté, auch der Schurke im Vorgänger) zur Strecke zu bringen. Schon größer angelegt als der erste Film, wird Für ein paar Dollar mehr noch einmal getoppt von Zwei glorreiche Halunken, auch was die Laufzeit angeht, die mittlerweile 178 Minuten beträgt. Sind die von Gewalt beherrschten Dörfer und Ruinen in den ersten Filmen isoliert vom Rest der zivilisierten Welt, bricht sich deren Krieg in Il buono, il brutto, il cattivo (so das italienische Original) Bahn. Zu Zeiten des Amerikanischen Bürgerkriegs jagen der Gute (Clint Eastwood), der Hässliche (Eli Wallach) und der Schlechte (Lee van Cleef) einer Regimentskasse der Konföderierten hinterher. Erneut steht ein Trio im Mittelpunkt, nur diesmal mit einer für einen Italowestern barock verzierten Geschichte innerhalb der Weltgeschichte. Insofern bildet Zwei glorreiche Halunken mit seinen langen, wortlosen Sequenzen äußerster Spannung und dem legendären Showdown im Finale den logischen künstlerischen Endpunkt von Leones Entwicklung in der Dollar-Trilogie. Der Übergang zu den amerikanischen Epen des Regisseurs wird hier schon angedeutet.

Leones Meisterschaft in der Nutzung seiner Western-Stilmittel wird in der Auftaktsequenz von Spiel mir das Lied vom Tod vorgeführt, die im Grunde einen ganzen Dollar-Trilogie-Film in einen Vorspann presst. Drei Banditen warten da an einer Bahnstation auf einen Zug und jede müde schwirrende Fliege auf der Nase bildet einen Handlungsstrang für sich, bevor Mundharmonika (Charles Bronson) schließlich doch noch auf dem klapprigen Bahnsteig erscheint. Die sich hinziehende Ankunft des Zuges gibt zudem das Motiv des Westerns vor, der die Zähmung des ehemaligen Grenzlandes und damit das Ende des Wilden Westens durch die voranschreitende Zivilisation aufgreift. Verkörpert durch Claudia Cardinale, die eine der wenigen tragenden Frauenfiguren in den Filmen Leones spielt. Auch sie wird auf tragische Weise ins Verbrechen um den kaltblütigen Frank (Henry Fonda) hineingezogen, im Gegensatz zu den Männern wartet auf sie jedoch eine Zukunft.

Spiel mir das Lied vom Tod ist in vielerlei Hinsicht das perfekte Gefäß aller Elemente, die Sergio Leone ausmachen. Auch weil der Film dem Schicksal von Leones letztem Epos entging. Der Gangsterfilm Es war einmal in Amerika mit Robert De Niro, James Woods und Elizabeth McGovern erzählt von jüdischen Einwanderersöhne in New York, die zu Zeiten der Prohibition in den 1920ern im organisierten Verbrechen aufsteigen. Er durchlief eine an Leones Gesundheit zehrende Drehzeit. Es folgten Querelen um die finale Kinofassung. Auf Druck der Produzenten kürzte Leone seine zwischen 250 und 265 Minuten lange ideale Fassung des Films auf 229 Minuten. Aus dieser wurden für den US-Markt weitere 84 Minuten entfernt und Zeitsprünge in der Handlung eingeebnet. Die europäische Schnittfassung von 229 Minuten ist die weithin zugänglichste und wird vielfach in einer Reihe mit Der Pate oder GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia als einer der besten Gangsterfilme überhaupt genannt. Mittlerweile ist zudem ein 251-minütiger Extended Director's Cut erhältlich, der Leones originaler Vision näher kommt. 1984 lief Es war einmal in Amerika im Kino und es wurde ein treffender Schlusspunkt für den Regisseur, der sich zwanzig Jahre zuvor in der spanischen Steppe dem Mythos Amerika angenommen hatte.

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