Brutale Sci-Fi bei Netflix: Altered Carbon kämpft in Staffel 2 mit Problemen

Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm
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Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm
27.02.2020 - 16:00 UhrVor 9 Monaten aktualisiert
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Seit heute ist die quälend lang erwartete 2. Staffel von Altered Carbon auf Netflix verfügbar. Ob diese nach so langer Zeit alle Erwartungen erfüllen kann, lest ihr hier.

Das ewige Warten für uns Sci-Fi-Fans hat endlich ein Ende: Altered Carbon - Das Unsterblichkeitsprogramm ist zurück, mit seiner 2. Staffel, neuen Darstellern, vertrauten Fanlieblingen und obendrein einem neuen Schauplatz. Die Produktion zog sich, die Trailer wirkten vielversprechend, und die Erwartungen konnten sich in zwei Jahren in ungesunde Höhen hochschrauben.

Nach drei von acht Episoden entstand als Qualitätskontrolle nun dieser Seriencheck. Die wichtigsten Erkenntnisse gleich kurz im Überblick:

  • Neuzugang Anthony Mackie muss mit seiner Hauptrolle noch warm werden.
  • Die 2. Staffel offenbart ein paar Schönheitsmakel.
  • Aber: Poe ist immer noch der Beste.
  • Takeshi Kovacs ist immer noch ein Drecksack (dem wir nicht böse sein können).
  • Die brutale Cyberpunk-Welt und ihre Problematik ist immer noch hochspannend.

Die 2. Staffel von Altered Carbon fühlt sich an wie eine Heimkehr

Wir betreten eine düstere, dreckig-futuristische Bar mit Live-Sängerin, die in tiefer, rauer Stimme die Atmosphäre herbeisingt. Es folgt eine zünftige Barschießerei, komplett mit Kopfgeldjägerin (Simone Missick), einem verwirrten Poe (Chris Conner) und Takeshi Kovacs in unerwartetem Körper-Sleeve. Der Tonfall passt.

Kurz darauf erwacht Kovacs in seinem schicken Anthony Mackie-Sleeve mit gesplicter Wolfs-DNA als Bonus. Nach dem Überwinden des dadurch hervorgerufenen Jupiter Ascending-Flashbacks folgen wir Mackie-Kovacs auf einen neuen Planeten: Harlan's World.

Anthony Mackie als Takeshi Kovacs.

Wie bereits in Staffel eins werden wir dabei in ein verworrenes Gespinst aus Intrigen, Verwechslungen und Mord geworfen. Kovacs wird engagiert, um einen Superreichen Meth zu beschützen, im Austausch soll er den Aufenthaltsort seiner geliebten Quell erfahren. Bei Kovacs' Erwachen ist sein Auftraggeber aber tot.

Es folgen:

  • Kovacs' Flucht.
  • Eine mörderische Dame, die so spricht und aussieht wie Quell, es aber wohl nicht ist.
  • Die Friedensverhandlungen zwischen Protektorat und Rebellen von Harlan's World.
  • Der Kleinkrieg des militanten Colonels Carrera und der Gouverneurin Harlan.
  • Poes Kampf mit seiner Cyber-Demenz.

Und vieles mehr. Alle noch dabei? Gut. Denn wie in Staffel 1 werden wir von einem Szenario ins nächste katapultiert, springen zwischen Handlungssträngen und zwischendurch gibt es ordentlich blutige Action. Es ist, als wären wir nie weg gewesen.

Große Erleichterung: Altered Carbon bleibt seinen Themen treu

Wie bereits in Staffel 1 beschäftigt sich Altered Carbon mit den großen Dilemmata einer Welt, in der Körper ein austauschbares Gut sind und der Tod zur Modekrankheit degradiert wurde. Wo liegt die Grenze zwischen menschlichem und künstlichem Bewusstsein? Wo die zwischen Bewusstsein und Seele? Es geht um die ewigen Gegensätze von Natürlichkeit und Künstlichkeit, von Menschlichkeit und maschineller Logik.

Besonders Poe scheint dabei wieder zum Spiegel Kovacs' zu werden: Letzterer klammert sich mit zunehmender Besessenheit an seine Vergangenheit und Quell fest. Zugleich wirft er Poe Rückständigkeit vor, weil dieser sich aus Angst um seine emotionalen Erinnerungen nicht rebooten will. Die Ironie ist bittersüß.

Poe und seine neue Freundin Dig 301.

Auch das Spiel mit sexueller und Gender-Identität und ethnischer Diversität bleibt zentrales Thema, was mit Kovacs' erstem Sleeve beginnt und mit Trepps Lebensgefährtin noch nicht aufhört.

Newcomer in Altered Carbon: herrlich hassbar und aufregend ambig

Altered Carbon wartet in Staffel 2 mit einer ganzen Riege neuer Charaktere auf. Diese rangieren von vielschichtig bis herrlich trashig-widerlich. Denn auch wenn nach zwei Jahren ein rosaroter Nostalgieschleier über Staffel 1 liegt: Die Serie konnte auch früher schon in Sachen Oneliner und Pathos gelegentlich etwas abgeschmackt daherkommen.

Repräsentant dessen ist das neueste Hassobjekt der Serie, Colonel Ivan Carrera (Torben Liebrecht). Doch seine ätzend-bösartige Schurkerei tut seiner Unterhaltsamkeit keinen Abbruch. Wandelbarer sind da schon die stoische Gouverneurin Danica Harlan (Lela Loren), die Frieden propagiert, aber auf Blut und Spiele steht, und Poes neue K.I.-Freundin Dig 301 (Dina Shihabi).

Lela Loren als Danica Harlan.

Technisches und Schauspielerisches: Die Schönheitsmakel von Altered Carbon 2

Im Großen und Ganzen bleiben wir also auf vertrautem Terrain und Niveau, nur mit neuen Verstrickungen. Ganz ohne Sünde ist die 2. Staffel aber nicht. So ziehen die unnötigen Voiceover-Monologe Kovacs' die delikaten moralischen Fragen in die gefährlichen Tiefen des plakativen Pathos hinab. Bleibt zu hoffen, dass die Sleeve-Prämisse nicht zum Gimmick verkommt.

Auch wird das Festhalten an der vertrauten Atmosphäre zur Stolperfalle, wenn Mankos der Vorgängerstaffel zugunsten der Heimeligkeit übernommen werden: Harlan's World unterscheidet sich kaum vom schwarz-neonfarben-melierten Setting der ersten Staffel. Das Potential für abgefahrene neue Schauplätze wurde kaum ausgeschöpft. Was zudem zur Folge hat, dass einige Kämpfe wie in Staffel 1 schlecht ausgeleuchtet sind. Die eigentlich spektakulären Choreographien verschwimmen in schwarz-düsterer Schwammigkeit.

Die Welt von Altered Carbon ist hübsch, aber dunkel.

Zu guter Letzt ist ausgerechnet Anthony Mackie ein zweifelhafter Zuwachs für die ansonsten solide Besetzung: Wo Joel Kinnaman elegant auf dem schmalen Grat zwischen getriebenem Mistkerl und liebenswertem Raubein tänzelte, tut sich der sonst grundsympathische Mackie sichtlich schwer. So überschreitet er einmal zu oft die Grenze zum gefühlskalten Unsymapthling. Allerdings scheint er über die ersten drei Folgen hinweg ein wenig in den Rhythmus der Figur hineinzufinden.

Bislang wirkt die 2. Staffel von Altered Carbon vielversprechend, zeigt aber die beunruhigende Tendenz, sich auf den Lorbeeren der 1. Staffel auszuruhen. Bleibt abzuwarten, was die nächsten fünf Episoden bringen.

Die 2. Staffel von Altered Carbon umfasst 8 Episoden, die seit dem 27. Februar 2020 auf Netflix zum Streamen bereitstehen. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten die ersten 3 Episoden.

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Supernatural, Grey's Anatomy und The Walking Dead laufen insgesamt schon 40 Jahre. Müssen wir in Zeiten des anhaltenden Peak-TVs vielleicht viel schneller einen Schlussstrich unter geliebte Serien ziehen? Oder sollten wir bis zum bitteren Ende dranbleiben?

Freut ihr euch auf die 2. Staffel von Altered Carbon?

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