Captain America-Star ärgert sich über schwule Fanfictions – und offenbart eins der größten Marvel-Probleme

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The Falcon and the Winter Soldier
21.06.2021 - 13:45 UhrVor 25 Tagen aktualisiert
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Schauspieler Anthony Mackie kritisiert in einem Interview Fans, die sich eine schwule Beziehung in The Falcon and the Winter Soldier wünschen. Das Problem sind aber nicht Fanfictions, sondern das MCU.

Anthony Mackie hat eigentlich allen Grund, zu feiern. In der Disney+ Serie The Falcon and The Winter Soldier wird sein Sam Wilson zum ersten schwarzen Captain America im Marvel Cinematic Universe. Ein großer und wichtiger Schritt – nicht nur für den Schauspieler, sondern auch für alle Fans, die schon seit Jahren auf mehr Diversität im MCU warten.

Mit genau jenen hat es sich der Marvel-Star aber direkt wieder verscherzt. In einem Interview kritisierte Mackie nämlich die Personen, die auf eine schwule Liebesgeschichte zwischen seinem Captain America (ehemals Falcon) und Bucky Barnes aka Winter Soldier hoffen. Bewiesen hat er damit vor allem, dass er keine Ahnung hat, wie Fankultur funktioniert. Der Fall zeigt aber auch ein Problem auf, das viele seit Jahren mit Marvel haben.

Anthony Mackie hat keine Lust auf queere Fanfictions

In einem Interview mit Variety  sprach Anthony Mackie darüber, wie es sich für ihn anfühlt, einen der ikonischsten Charaktere im MCU verkörpern zu dürfen. Als er darauf angesprochen wird, ob aus der Bromance zwischen Sam Wilson und Bucky Barnes mehr werden könnte, schien der Star allerdings nicht mehr ganz so euphorisch und bezeichnete die Fantheorien über eine mögliche schwule Romanze zwischen den beiden Marvel-Helden als "verdreht" und "verworren".

Im Video ranken wir alle Folgen von The Falcon and the Winter Soldier:

Von Müll bis Meisterwerk - Wir ranken alle THE FALCON AND THE WINTER SOLDIER Episoden| Ranking
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"Die Idee, dass zwei Typen im Jahr 2021 Freunde sind und sich lieben, ist problematisch, weil damit Homosexualität instrumentalisiert wird. Früher konnte man einfach befreundet sein, miteinander rumhängen und alles war cool", sagte Anthony Mackie. "Heute kannst du das nicht mehr machen, weil etwas, das so pur und wunderschön ist wie Homosexualität von Menschen ausgenutzt wird, die einfach nur Recht haben wollen."

Bucky und Sam seien zwei Charaktere, deren Beziehung zueinander auf Akzeptanz, gegenseitiger Wertschätzung und Zuneigung zueinander basieren würde. "Du nennst das eine Bromance, aber es sind eigentlich nur zwei Typen, die sich aufeinander verlassen können", so der Marvel-Star.

Fans kritisieren Äußerungen des Marvel Stars – und zwar zurecht

Nachdem Variety den Artikel mit Mackies Aussagen auf Twitter postete, regnete es heftige Kritik. Für viele klang es, als würde der neue Captain America alles dafür tun wollen, um auf gar keinen Fall einen Charakter spielen zu müssen, der einen anderen Mann nicht nur platonisch liebt. Und sei es auch noch so verworren.

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Während manche offen die Frage stellten, ob der Schauspieler homophob sei, verteidigten ihn andere. Ihre Interpretation: Anthony Mackie habe nur klarmachen wollen, dass auch heterosexuelle Männer emotional sein und enge Beziehungen zu anderen Männern haben könnten.

Anthony Mackie spielte im Netflix-Hit Black Mirror bereits einen Mann, der sich in seinen besten Freund verliebt. Es ist also durchaus möglich, dass er nicht bewusst die LGBTQ+ Community vor den Kopf stoßen wollte. Nur: Hätte er das mit tiefen emotionalen Bindungen zwischen heterosexuellen Männern nicht auch sagen können, ohne queeren Fans dabei zu suggerieren, sie würden das alles nur machen, um sich selbst relevanter vorzukommen?

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Ein Twitter-Account teilte einen Screenshot, dessen Aussage die Frustration vieler Fans recht gut zusammenfasst: "Schwulen Männern zu sagen, dass es ihnen erlaubt ist, sich frei, offen und leidenschaftlich zu lieben, wird immer wichtiger sein, als unsicheren Hetero-Männern die Gewissheit zu geben, dass sie ihren besten Freund umarmen können, ohne direkt schwul zu sein."

Fanfictions schreiben die Geschichten, vor denen Marvel zu viel Angst hat

Fanfictions sind seit jeher eine Möglichkeit, beliebte Geschichten und Charaktere weiterzudenken und neu zu interpretieren. Für queere Fans, die sich selbst viel zu selten in Mainstream-Franchises wiederfinden, kann diese Umschreibung bestehender Storys regelrecht heilsam sein. Natürlich sieht das MCU aktuell schon deutlich diverser aus als noch vor ein paar Jahren, aber: Der oder die durchschnittliche Marvel-Held:in ist immer noch heterosexuell.

Kein Wunder, dass sich insbesondere die Fans, die diesem Abziehbild nicht entsprechen, an alles klammern, was ihre Lieblings-Marvel-Serien und -Filme ein bisschen nahbarer macht. Insbesondere Bucky Barnes (gespielt von Sebastian Stan) gilt in Fankreisen als klar queer gecodeter Charakter. Was bedeutet: Es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass der Winter Soldier nicht heterosexuell ist.

Schaut hier auch unser Video zum Schurken-Problem in The Falcon and the Winter Soldier:

Das Marvel Schurken Problem in Falcon and The Winter Soldier: Karli, John Walker, Zemo & Sharon
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Eine Szene in The Falcon and The Winter Soldier lässt Bucky Barnes darüber philosophieren, wie nervig die ganzen Tiger-Selfies bei Online-Dating-Plattformen seien – die Art von Angeber-Foto, zu der sich auf Tinder seit jeher eher Männer hinreißen lassen. Für viele Fans war seither klar: Der Winter Soldier datet nicht nur Frauen, sondern auch Männer.

Aber auch Marvel selbst spielt immer wieder damit und lässt Wilson und Barnes unter anderem eine Paartherapie durchlaufen. Ein weiterer Fall innerhalb des MCU, in der augenzwinkernd mit queeren Inhalten kokettiert wird, ohne Zuschauer:innen zu verschrecken, die Probleme nicht-heterosexuellen Beziehungen zu haben.

Wenn Marvel nicht zur angeblichen Querness oder zumindest queeren Untertönen seiner Figuren stehen möchte, ist das eine Sache. Aber: Wem genau tut es weh, wenn Fans das anders sehen?

Captain America gehört nicht nur Marvel

Das Schöne an Popkultur ist, dass sie uns allen gehört. Wir sind vielleicht nicht die, die Storylines für die nächsten Marvel-Hits entwickeln oder die Charaktere auf der Leinwand zum Leben erwecken. Aber ohne Fans, die den Hype ankurbeln, ins Kino gehen oder vor dem heimischen Bildschirm sitzen, die sich begeistert über ihre Heldinnen und Helden austauschen und vielleicht zum ersten Mal in ihnen wiederfinden können, wäre das MCU gar nichts.

Anthony Mackie sollte sich darüber freuen, dass es da draußen Menschen gibt, die gegenüber seinem Captain America so starke Gefühle haben, dass sie den Charakter weiterdenken – und Geschichten entwickeln, die The Falcon and the Winter Soldier nicht zeigt.

In einem der Antwort-Tweets auf Mackies Interview ist ein älterer Auftritt von Mark Hamill aka Luke Skywalker zu sehen, der sich ebenfalls zu queeren Fantheorien positioniert.

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"Fans erzählen: 'Ich werde in der Schule gemobbt. Ich habe Angst davor, mich zu outen, weil meine Eltern sehr religiös sind und mich dann hassen werden'. Das bricht mir das Herz", sagt der Star Wars-Schauspieler. "Sie fragen mich: 'Könnte Luke schwul sein?'" Die Antwort von Hamill an Fans ist klar: "Die Interpretation liegt bei dir." Und genau darin liegt die Stärke von Popkultur – egal ob im MCU oder anderswo.

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Matthias, Max und Patrick haben sich die 17 (!) Marvel-Serien näher angeschaut, die uns demnächst bei Disney+ erwarten. Im Podcast erfahrt ihr alles zu den neuen Serien, welche wirklich Highlight-Potenzial haben und welche unser Interesse kaum wecken können.

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Wie steht ihr zu queeren Fanfictions und der Aufregung um Anthony Mackies Aussagen?

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