Denis Villeneuve - Der beste Thriller-Regisseur Hollywoods

27.09.2015 - 23:00 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
Denis Villeneuve am Set von SicarioBlack Label Media/ Thunder Road Pictures
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Kaum ein Regisseur ist in den letzen Jahren so beständig aufgestiegen wie der Kanadier Denis Villeneuve. Bald darf er sogar Blade Runner 2 drehen. Wir haben uns den Mann, der nächste Woche den Drogenthriller Sicario ins Kino bringt, näher angeschaut.

Wer ist der Mann, der das filmische Himmelfahrtskommando aufs Auge gedrückt bekommt und einen zweiten Teil von Blade Runner drehen soll? Dabei handelt es sich um die Science-Fiction-Bibel schlechthin, die in einer Reihe mit Der Pate und Taxi Driver genannt wird. Wer hat so viel Selbstvertrauen und wem wird derart vertraut, dass er sich an ein Projekt heranwagt, an dem ein Filmemacher, mit Verlaub, auch scheitern kann? Dass ein Scheitern möglich ist, das weiß Denis Villeneuve, Regisseur des Drogen-Thrillers Sicario, selbst am besten. Er ist sich bewusst, dass viele Fans mit einem Baseball-Schläger bewaffnet in die Blade Runner-Vorstellung gehen werden.

It’s gonna be the biggest risk of my life

Die Entscheidung, Denis Villeneuve ein Blade-Runner-Sequel drehen zu lassen - das solltet ihr wissen - ist gefallen, bevor eigenständiges Blockbuster-Kino mit dem wunderbaren Mad Max: Fury Road-Erfolg wieder cool geworden ist. Da sind der Mad Max-Nachfolger und der Blade Runner des 21. Jahrhunderts ja durchaus vergleichbar. Es muss also irgendwas dran sein an diesem Denis Villeneuve. Das Vertrauen, das in den Filmemacher gesetzt wird, ist eng verknüpft mit einem bemerkenswert geradlinigen Werdegang.

Mehr: Wie sich Hollywood dem Drogenkrieg nähert

In der kommenden Woche kommt Denis Villeneuves dritter, heiß erwarteter Thriller binnen kürzester Zeit in die Kinos. Sicario heißt das Werk, das sich an die stets aktuelle, stets brisante Drogenkrieg-Thematik an der amerikanisch-mexikanischen Grenze heranwagt. Emily Blunt spielt die Hauptrolle, neben ihr die knarzigen Lederstiefel Benicio del Toro und Josh Brolin. Die Vorab-Kritiken sind, wie sollte es anders sein, positiv bis begeistert. Auch bei Prisoners und Enemy überzeugte Villeneuve Feuilleton wie Publikum. Denis Villeneuve ist der souveränste Thriller-Regisseur dieses Jahrzehnts, das gerade ziemlich genau zur Hälfte rum ist. Was aber qualifiziert ihn für eine der größtmöglichen Aufgaben? Interessant sind hier besonders seine beiden letzten und der aktuelle Film.

Art is risk, and I have to take risks.

Denis Villeneuve ist kein besonders vielseitiger Regisseur. Dennoch haben seine Filme stets ihre eigenen Stärken und Schwerpunkte. Bei Prisoners ist es diese wahnsinnige Figurennähe, diese aufsaugende Intensität. Bei Enemy mit dem doppelten Jake Gyllenhaal ist es das Existenzielle, diese literarische, Paul Auster-hafte Ausleuchtung des Selbst. Und jetzt, bei Sicario, kommt eine gewisse Rauheit, eine erzählerische und analytische Breite hinzu. Alle drei Filme vereinen Spannung und bis zum äußersten getriebene Schauspieler. Haben wir Hugh Jackman schon mal so aufopfernd spielen sehen wie in Prisoners als der seiner Existenzberechtigung entzogene Vater?

Wirklich origineller Stoff war Enemy. Alles andere ist bewährtes Genre-Kino, in dem Villeneuve keine Verrücktheiten ausprobiert, sondern alles ein bisschen besser, eleganter, selbstverständlicher macht als andere. Der Independent wollte vor ein paar Monaten Denis Villeneuves Aufstieg vom Arthouse zum Blade Runner-Regisseur beobachtet haben. Aber das stimmt ja nicht. Da ist einer natürlich gewachsen in seiner Kunst. Da kennt einer sein Handwerk, seine Grenzen, seine Stärken ganz genau. Villeneuves Filmemacher-Biographie liest sich so geradlinig, dass sie fast langweilig ist. Filmhochschule in Quebec, Lehre beim Dokumentarfilm, dann ein paar Kurzfilme und der erste Langfilm, hier bekannt als Der 32. August auf Erden. Der kam schon nicht schlecht an, lief auf Festivals in Europa.

Richtig dick kam es aber mit Maelström, für den es Preise regnete. Für Die Frau, die singt - Incendies, gab es, logisch, 2010 eine Nominierung für den Auslands-Oscar. Erst nach Enemy klopfte Hollywood an und das Skript zu Prisoners flatterte rein. Für jemanden, der behauptet, keinen Karriereplan zu haben, lief das doch reichlich glatt. Eine Karriere wie gemalt ist das, ein behutsames, gleichzeitiges Wachsen von Aufgaben, Fähigkeiten und Ansprüchen. Mit Sicario nach Prisoners wirkt Blade Runner wie ein kleiner, logischer Schritt, da kann Villeneuve noch so bescheiden tun. Denn schon bei der Produktion von Sicario genoss Villeneuve derart viel Vertrauen, dass die Verantwortlichen ihm eine „Carte Blanche“ gaben, er also alles genauso machen konnte, wie er wollte.

Maybe Blade Runner is a bad Idea.

Es gibt übrigens doch eine Lücke in diesem sterilen Lebenslauf, einen kleinen, höchst menschlichen Knacks. Zwischen Maelstrom und Polytechnique nahm Villeneuve sich neun Jahre Zeit für seine Frau und seine drei Kinder. Nebenbei schrieb er Drehbücher. Die Gelassenheit, eine neunjährige Produktionspause zu nehmen, können sich Filmemacher eigentlich nicht leisten. Aber vielleicht macht sich Denis Villeneuve wirklich nicht so viele Gedanken darüber, was schiefgehen kann, sondern konzentriert sich darauf, was sich im besten Fall aus einer Situation machen lässt. „Ich konnte zu Blade Runner nicht nein sagen. Ich liebe den Film so sehr, dass ich meinte, scheiß drauf, ich mach es und ich werde alles geben und ich werde es großartig machen müssen.“

Mehr: Sicario 2 - Schon jetzt Sequel zum Actionthriller geplant

Kommende Woche könnt ihr euch dann ein weiteres Mal von der herausragenden Qualität dieses Regisseurs überzeugen. Sicario startet am Donnerstag, dem 1. Oktober 2015, deutschlandweit in den Kinos.

Was erwartet ihr von Sicario? Welcher ist der beste Villeneuve-Film?

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