Deshalb ist das Ende von Supernatural so schwer zu verkraften

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30.03.2019 - 11:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Sam und Dean mit 70 noch auf Monsterjagd? Das lag für uns alle näher als das tatsächliche Ende der Serie Supernatural. Doch nach der 15. Staffel ist Schluss. Es folgt Trauerarbeit.

Achtung, Spoiler für Supernatural bis Staffel 13: Supernatural heilt alle Wunden, denn hier bleibt kein Mensch für immer fort, egal wie oft er gestorben ist. Wir reden hier schließlich von einer Serie, die den Tod tötet - wortwörtlich. Doch bald ist endgültig Schluss. Die 15. Staffel von Supernatural wird die letzte sein und ab Mai 2020 wird es nie mehr neue Supernatural-Folgen geben. Es fühlt sich an, als würden ohne Vorwarnung nach 14 Jahren Ehe die Scheidungspapiere auf dem Tisch liegen.

Warum Supernatural die perfekte ewige Serie wäre, überhaupt so erfolgreich war und das Ende nach 15 Jahren immer noch viel zu früh kommt, erfahrt ihr bei mir. Mit einer Extraprise große Gefühle und Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit. Wir haben so viel voneinander gelernt. (Die Stars sprechen über die Gründe für das Ende)

Unglaublich: Supernatural vor 14 Jahren

Wir alle wollten Sam und Dean mit Gehstock und Rollator sehen

Jeder Fan wird verstehen, dass sich Sam und Dean, oder wie bedeutend weniger Leute sie nennen, Jared Padalecki und Jensen Ackles, nach 15 Jahren etwas Abwechslung im Berufsleben wünschen. Zwar wurde bisher keine Erklärung für das Serien-Ende gegeben, doch ich vermute aus mehrerlei Gründen, dass es die beiden sind, die sich neu orientieren bzw. mehr Zeit mit ihren Familien verbringen wollen.

Beide haben jeweils drei Kinder, von denen die und der Älteste nun ins Grundschulalter kommen. Gedreht wird die Serie jedoch im kanadischen Vancouver, während sowohl Padalecki als auch Ackles ihren Hauptwohnsitz und ihre Familien im über 3000 Kilometer entfernten Austin haben. Am letzten Drehtag von Staffel 14 bekam Padalecki Besuch von seinem "baby girl", wie er auf Instagram  teilt:

Jared Padalecki mit seiner jüngsten Tochter am Set

Dennoch ließen wiederholte Bestätigungen des Senderchefs vermuten, dass Supernatural noch viele, viele Jahre laufen würde. Warum sollte irgendjemand dieses Winning Team wechseln wollen?

Ich hab sie doch schon mit einem Impala-Rollator Dämonen jagen gesehen,

schreibt Twitter-User Rübli . Wie kann etwas enden, das Unendlichkeit und Unzertrennlichkeit als Kernthema hat?

Eine Serie, in der nichts endgültig endet, wird niemals am Ende ankommen

Supernatural baut auf der Prämisse zweier unzertrennlicher Brüder auf, von denen selbst Gott und der Teufel noch etwas lernen können. Die Geschichte in der Serie reicht weiter zurück als die Schöpfung der Erde. Es ist eine Realität, in der alles möglich ist und weder Zeit und Raum noch Tod eine große Rolle spielen. Schon lange kümmern wir uns nicht mehr um so banale Fragen wie "Wo kriegen die ihr Geld her?" oder "Wo bewahren sie die stets unzerknitterten FBI-Anzüge auf?" Es geht um etwas Größeres.

Zum Weiterlesen: Supernatural enthüllt großen Plan zur Rettung des Universums

Supernatural hat sich über zweieinhalb Dekaden den Luxus erarbeitet, immer und immer wieder die enorme angesammelte Seriengeschichte aufzugraben, all die schmerzlichen Tode umzuwälzen und dafür geliebt zu werden. Sam und Dean hatten in den letzten vierzehn Jahren in etwa so viele schmerzliche Beerdigungen miterlebt wie ich - und so naiv es klingt, es ist auch für mich ein Trost, dass in der Welt von Sam und Dean die Verstorbenen irgendwann wieder zurückkommen für die nötige Versöhnung mit dem Schicksal.

Das schmerzhafteste Supernatural-Begräbnis: Charlie

Die Supernatural-Schreiber haben es sich mit den stetigen Wiederbelebung sicher oft zu einfach gemacht, aber so ist das mit Familie - man lässt ihr mehr durchgehen, als man sich je zugetraut hätte. Weil sie ein vertrautes und geborgenes Nest bieten kann, und genau das ist Supernatural für viele Fans, die nach der Absetzung vor allem immense Dankbarkeit zeigen für die Erschaffung der #SPNFamily.

Supernatural ist Ersatzfamilie, Heilung und Unterhaltung in einem

Es finden sich unzählige Kommentare und Artikel in den virtuellen Untiefen, die davon berichten, dass Supernatural jemandem über eine schwere Zeit hinweg geholfen hat. Ein Grund für die Zugänglichkeit der Serie ist sicherlich, dass Jared Padalecki selbst vor einigen Jahren mit seinen psychischen Herausforderungen an die Öffentlichkeit trat und zahlreiche Charity-Aktionen zum Thema ins Leben rief.

Die Tagline von Supernatural lautet "Saving People, Hunting Things" (Menschen retten, "Dinge" jagen). Es kann auch als Metapher auf das gemeinsame Bekämpfen von Krankheiten gelesen werden. Curt Oglesbee beschreibt es bei Fansided  mit "Supernatural ist ein Unternehmen, das Menschen rettet" und wird persönlich:

Wie Dean wurde auch mir beim Aufwachsen die Hölle bewusst, durch die meine Familie und ich gehen mussten. Aber die schiere Existenz meiner Geschwister ließ mich niemals aufgeben. Vielleicht brauchte ich sie mehr als sie mich brauchten.

Es ist kein Zufall, dass sich so viele junge Menschen, die mit ihren Lebenssituationen zu kämpfen haben, zu Supernatural hingezogen fühlen.

Supernatural-Hugs sind die besten Hugs

Supernatural ist seine eigene Fan Fiction und verdammt gut darin

Der familiäre Rückhalt und die Wechselwirkung zwischen Serie, Fans und Stars ist einzigartig. Spätestens als sich Supernatural bereits in der 4. Staffel der Meta-Ebene öffnete und innerhalb der Serie die Geschichten von Sam und Dean zur begehrten Buchreihe namens Supernatural wurden, waren die Fans fester Bestandteil.

Das mündete letztlich in einem unvergleichlichen Liebesbrief an die Fans, der die Essenz der Serie in 45 Minuten goss: In der 200. Folge, Fan Fiction, bringen Teenager die Abenteuer von Sam und Dean auf eine Theaterbühne. Die beiden stolpern in das Stück hinein, das ihren Zusammenhalt in den schwerstmöglichen Zeiten auf ein Podest stellt.

Supernatural hat aber über die Jahre hinweg ein Miteinander mit den Fans kreiert, das uns zum Teil des Schaffensprozesses macht. Als in Staffel 13 das von Fans seit Jahren geforderte Spin-off Wayward Sisters tatsächlich geplant wurde, war es der ultimative Ritterschlag - es scheiterte letztlich am Sender, nicht an den Serien-Verantwortlichen.

Supernatural: Wayard Sisters

#SPNFamily

Supernatural hat uns eingeladen, über 14 Jahre hinweg Teil von sich selbst zu werden, hat uns durch Krankheiten begleitet und das Ringen mit der eigenen Psyche greifbarer gemacht. Charity-Arbeit wurde gefördert, die Kreativität der Fans gefordert und eine Plattform für isolierte Jugendliche und Außenseiter geschaffen. Und vergesst nicht die Brauerei, die Jensen Ackles letztes Jahr eröffnete, die in Anlehnung an Supernatural "Familien-Business" getauft wurde.

Supernatural wäre die perfekte ewige Serie, weil es nicht darum geht, sich neu zu erfinden, sondern Altbekanntes neu zu arrangieren, jegliche Regeln auszuhebeln und sich seine eigene Geschichte zu schreiben - egal wie abseitig oder kitschig. Sam und Dean sind öfter gestorben und auferstanden, als es Staffeln gibt, und auch wenn die Serie bald am Ende ist, die Fans sind es noch lange nicht. Danke für alles.

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