Game of Thrones - 6. Staffel, 6. Folge im Recap

Game of Thrones
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Game of Thrones
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Für eine Episode, in der wir eine der wichtigsten Szenen der Geschichte von Westeros sehen, schmiegt sich Blood of My Blood (DT: Blut von meinem Blut) im Vergleich zu den letzten Game of Thrones-Folgen überraschend schnell dem Vergessen an. Ich meine damit natürlich nicht die gefühlt 13¾ste Szene, in der Daenerys (Emilia Clarke) ihre Gefolgschaft für einen Eroberungszug motiviert, der mittlerweile gänzlich von der Forstverwaltung der Iron Islands abzuhängen scheint. Oder die durchaus gelungene Rückkehr von Benjen Stark (Joseph Mawle), dessen Auftritt im Nachhinein künstlich verschleppt wirkt, hätte er Hodor doch als Türstopper unterstützen können. Selbst Sam Tarly (John Bradley), der wenigstens hinter dem Rücken seines Vaters gegen diesen aufbegehrt, muss sich vorher durch ein erniedrigendes Dinner bei Papa quälen, dessen Verlauf keinen Raum für charakterliche Feinheiten lässt. Autor Bryan Cogman füllt die Abwesenheit von Jon, Tyrion, Brienne und Sansa mit mehreren Wendepunkten, welche dieser Game of Thrones-Episode primär in der Theorie dramaturgische Potenz verschaffen.

Arya (Maisie Williams) stellt sich in der neuen Folge von Game of Thrones gegen die Autorität der Faceless Men und verweigert die Ausführung eines Auftrags. Ihr Erbarmen (bzw. "Mercy") ausgerechnet für die Schauspielerin, die Cersei im Stück-in-der-Serie spielt, markiert einen spannenden Punkt in ihrer Entwicklung. Denn dieses Schwanken zwischen Rache und Gnade bestimmt ihren Weg seit der mantraartigen Wiederholung von Zu-Töten-Listen, der Erlösung des verletzten Fremden am Wegesrand und schließlich jenem Moment, als sie den Hound mit seinen Wunden zurücklässt. Die Menschlichkeit soll im Verbund mit ihrer Persönlichkeit in der Ausbildung der Faceless Men ausradiert werden. Ein durchaus nachvollziehbarer, wenn auch radikaler Wunsch, wenn wir bedenken, welches Trauma Arya hinter sich hat. Keine Individualität, keine Trauer, kein Schmerz. Umso befreiender wirkt es, wenn die Theater-Piratin vor der Bühne lächelt - ganz Arya, die im Spektakel der nachgespielten Purple Wedding versunken ist. Dieses Lächeln hebt sie von den erlöschten Gesichtern im House of Black and White ab. Indem sie Lady Crane (Essie Davis) verschont, begibt sich Arya auf Kollisionskurs mit den Faceless Men und mit Needle schmuggelt sie vorsichtshalber ein starkes Erinnerungsstück in ihre Kammer.

Dass der Theater-Plot so viel Leben bzw. Beinahe-Tod in diesen Handlungsstrang bringt, liegt allerdings nicht nur an dem herrlichen Overacting von Richard E. Grant und seinen Schauspieler spielenden Schauspielkollegen. Vielmehr ist jeder Abstecher in die Altstadt von Braavos einer weiteren Trainings-Session vorzuziehen, in der Arya von der im Deutschen als Heimatlose, im Englischen als The Waif geführten Killer-Kommilitonin (Faye Marsay) verkloppt wird. Aryas mögliche Anerkennung ihrer eigenen Identität und damit ihrer Trauer bereichert in der Theorie ihre Entwicklung. In der Praxis tritt ihr Handlungsstrang ähnlich wie jener der Mother of Dragons seit mehreren Folgen auf der Stelle, ohne dass sich die Ausbildung der Faceless Men fundamental auf ihr Verhalten ausgewirkt hat. Insofern würde ich selbst einen ereignislosen Handlungsstrang über ihre Azubi-Zeit als Theater-Dramaturgin lieber verfolgen, als eine weitere Konfrontation mit der allzu durchsichtig fiesen Sparring-Partnerin im House of Black and White. Außer natürlich Jaqen (Tom Wlaschiha) spielt ein doppeltes (dreifaches?) Spiel mit den beiden...

Vielleicht ist man als Serien-Fan aber auch schief gewickelt, verlangt man von seinen Helden nach fünfeinhalb Staffeln zwanghaft eine fundamentale Weiterentwicklung. Wie Gilly (Hannah Murray) im prächtigen Schloss der Familie Tarly anmerkt, hat Sam gegen White Walker gekämpft und seine kleine Familie heldenhaft beschützt. Sitzt er im grünen Süden seinem Vater Randyll (James Faulkner, der als Bruder von Charles Dance durchgehen würde) beim Abendessen gegenüber, scheint er trotzdem wieder ein eingeschüchterter Junge zu sein. Die Frauen am Tisch zeigen sich verständnisvoll, der wie erwartet grässliche Vater erinnert uns hingegen daran, dass die Familie in Game of Thrones für mehr Pein sorgen kann als irgendein blauäugiges Frost-Monster. Den eigenen Vätern können in der Serie die wenigsten Paroli bieten und wenn einem nicht gerade eine Armbrust in die Hände fällt, dann bleibt nur die nächtliche Flucht samt Diebstahl eines Schwertes aus valyrischem Stahl. Schön auch, wie Regisseur Jack Bender den Meinungswechsel gleichzeitig unspektakulär und auf Sams Art irgendwie triumphal hinauszögert.


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