Für Schwarzwasser setzte Game of Thrones alles auf eine Karte - und schrieb Geschichte

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Game of Thrones mit Peter Dinklage
04.10.2020 - 10:00 UhrVor 6 Monaten aktualisiert
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Game of Thrones ist bekannt für seine mächtigen Schlachten-Episoden. Mit der ersten, Schwarzwasser, gingen die Macher fast heftig baden. Das Wagnis definierte Game of  Thrones.

Um euch vor einer nahenden Flut zu retten, entscheidet ihr euch, ein Boot zu bauen. Aber ihr habt das noch nie gemacht und außerdem fehlt euch das passende Material und die Sachkenntnis. Als euch das Wasser schon bis zum Hals steht, verschwindet zudem der einzige Mensch, der irgendwie Ahnung mitbringt von der Konstruktion. So oder so ähnlich war die Situation der Game of Thrones-Macher vor der legendären Schlacht von Schwarzwasser.

Game of Thrones stand kurz vor einem desaströsen Fiasko

Schwarzwasser ist die erste richtig große Schlacht, an die sich die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss heranwagten. Wobei "heranwagen" das Risiko, das mit der Inszenierung der 9. Folge aus Staffel 2 verbunden war, nicht im Ansatz widerspiegelt. Für diese Schlacht setzte die Crew alles auf eine Karte und veränderte das Fernsehen für immer. Doch zum kompletten wirtschaftlichen und kreativen Fiasko fehlte wohl nicht viel.

Der Entertainment Weekly-Redakteur James Hibberd veröffentlicht schon bald sein Game of Thrones-Buch Fire Cannot Kill a Dragon (Hier vorbestellen *), das die teilweise arg chaotische Entstehungsgeschichte der populärsten Serie des letzten Jahrzehnts nachverfolgt. In einem weiteren Auszug  widmet er sich der Spitz-auf-Knopf-Situation vor Blackwater, als die Macher sich so weit aus dem Fenster lehnten, dass sich fast hinausstürzten.

In aller Kürze - darum geht es in der Episode: In der Schlacht von Schwarzwasser greift Stannis Baratheon, um seinen Anspruch auf den Eisernen Thron geltend zu machen, Königsmund mit Joffrey Barathon und Cersei Lennister an. Tyrion soll die Stadt verteidigen.

Was wir letztlich sehen, ist, wie Produzent Christopher Newman erklärt, die "10-fach verkleinerte Version der ohnehin im Vergleich zum Buch verkleinerten Drehbuchversion". Und es ist trotzdem die bis dahin gewaltigste, je fürs Fernsehen gedrehte Schlacht.

Der Trailer zur 2. Staffel Game of Thrones

Game of Thrones - S08 E02 Trailer (English) HD
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Warum wir zunächst keine Schlachten in Game of Thrones sehen

Das bekommen wir während der ersten zwei Staffeln gar nicht so mit: Die Game of Thrones-Vorlagen von George R.R. Martin sind gespickt mit großen Schlachten. Die Showrunner hatten ihrem Sender HBO jedoch versprochen, dass die Serie gut ohne große, aufwendige Sequenzen zurechtkommt und deshalb nur ein schmales Budget zur Verfügung.

Viele Schlachten, so sagt Benioff, funktionieren auch abseits des Hauptgeschehens, lassen sich also etwa über Erzählungen der Figuren in die Handlung einfügen. Aber "in Staffel 2 ging es so sehr um ein Land im Kriegszustand, dass wir das Gefühl hatten, wenn wir diese Schlacht nicht zeigen, bemogeln wir die Zuschauer."

Explosion des Seefeuers

Gegen alle Widerstände: Die GoT-Macher nehmen die Schlacht in Angriff

Normalerweise, so schreibt Hibberd, dauert der Dreh einer Episode etwa zwei Wochen. Für Schwarzwasser benötigte das Team jedoch mindestens drei. Außerdem forderten die Showrunner bei ihrem Sender zusätzliches Budget an - für Spezialeffekte, Komparsen, die Action eben. "Wir beugten das Knie", erzählt Benioff, und HBO bewilligte den 2-Millionenzuschuss und eine zusätzliche Drehwoche. Doch es reichte immer noch nicht.

George R.R. Martin persönlich schrieb die Episode und dampfte seine eigene gewaltige Vision von Schwarzwasser zu einem Häufchen ein. Aus einem Feuerwerk sollte ein Knallfrosch werden.

Eine Katastrophe bahnt sich an: Der Regisseur springt ab

Der Regisseur, der mit diesen Kürzungen seine Episode plante, musste den Job kurz vorher absagen wegen eines Notfalls in der Familie. Der ganze Plan drohte, in sich zusammenzustürzen. So kam Neil Marshall zu seinem ersten Regie-Job bei Game of Thrones. "Neil hatte Centurion und Dog Soldiers gedreht, Filme, in denen er viel und wirklich beeindruckende Action mit einem schmalen Budget auf die Beine stellte", erinnert sich Benioff.

Tyrion in der Schwarzwasser-Schlacht

Marshall rechnete damit, den Job in einigen Monaten anzutreten. GoT-Produzentin Bernadette Caulfield verriet ihm die grausame Wahrheit: "Es ist am Montagmorgen und du hast eine Woche für die Planung.Wo der alte Regisseur reduzierte, sah Marshall nun trotzdem Möglichkeiten, die Sequenzen im Rahmen des Machbaren abzubilden. "Er war der Held der Episode", meint George R.R. Martin.

Mit diesen Tricks sollte Schwarzwasser doch funktionieren

  • Die gesamte Seeschlacht wurde auf nur einem einzigen Boot gefilmt.
  • Die Schlacht wurde in der Nacht gedreht, um aufwendige Hintergrundeffekte einzusparen.
  • Um Massenszenen zu vermeiden, nehmen wir die Schlacht häufig aus der Subjektive eines Soldaten wahr.
  • Fragmente sollen den Zuschauer auf das große Ganze schließen lassen.
  • Gedreht wurde so lange wie möglich. Darsteller wie Peter Dinklage standen stundenlang in eiskaltem Regen.

Game of Thrones: Scheitern auf der Ziellinie?

Nach dem erfolgreichen Dreh wurde es erst so richtig spannend. Die Macher hatten den ohnehin ausgeweiteten Zeitplan derart überstrapaziert, dass ihnen kaum noch Zeit blieb, die visuellen Effekte einzufügen. Das passierte erst eine Woche, bevor die Folge ausgestrahlt wurde. 20 Minuten vor dem Abgabetermin ging das fertige Material bei der Qualitätskontrolle von HBO ein.

Das Game of Thrones-Team hatte damit die Grenzen des Machbaren für sich ausgedehnt mit einem atemlosen Tanz auf der Rasierklinge. Erst durch diese Episode erarbeitete sich das Team das Selbstverständnis, das spätere Blockbuster-Episoden wie Hartheim, die Schlacht der Bastarde, Kriegsbeute, Die lange Nacht und Die Glocken ermöglichte.

Welche ist eure Lieblingsschlacht in Game of Thrones?

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