Nah am Weltgeschehen

Jack Ryan als filmischer Spiegel seiner Zeit

Chris Pine als vierter Jack Ryan
© Paramount
Chris Pine als vierter Jack Ryan

Jack Ryan beendete bereits die brutalen Machenschaften von irischen Terroristen, deckte eine amerikanische Verschwörung in Kolumbien auf, verhalf der Besatzung eines russischen U-Boots zur Übersiedlung in die USA und brachte die Terroristen zur Strecke, die ein Football-Stadium in Baltimore in die Luft jagen. Im neusten Abenteuer, Jack Ryan: Shadow Recruit, muss der Agent den Zusammenbruch der US-Wirtschaft verhindern, den ein russischer Oligarch forciert. Betrachten wir die Themen der Filme zusammen mit ihrem Erscheinungsdatum, dürfte eines ins Auge fallen: Die Filme über den CIA-Analysten, -Agenten und späteren -Präsidenten sind Spiegel ihrer Zeit, behandeln sie doch Themen, die bezeichnend für die jeweilige Epoche waren.

Diese Aussage soll hier wohlgemerkt nur in Verbindung mit den Filmen untersucht werden, da die literarischen Vorlagen oftmals eine andere Chronologie und andere Aspekte aufweisen. Zudem hat sich Autor Tom Clancy von einigen Filmen distanziert, da ihm die Drehbuchänderungen zu groß erschienen. Die Filmreihe zeigt wunderbar, dass selbst Hollywoods Spielfilme nicht nur der reinen Unterhaltung dienen, sondern auch wichtige Themen an den Zuschauer herantragen. Auf welche Weise und zu welchem Zweck dies dient, darf sich jeder selbst ausmalen, denn daran scheiden sich die Geister.

Guter Russe, böser Russe – Das Ende des Kalten Krieges
Die Jack Ryan-Filme begann 1990 mit Jagd auf Roter Oktober. Der Name war Programm: Die sowjetische Flotte rückt im Jahr 1984 aus, um ihr eigenes U-Boot Roter Oktober zu versenken. Auch die USA tut es ihnen gleich, da sie einen irren Kapitän vermuten, der die Vereinigten Staaten alleine angreifen will. Den wahren Grund entdeckt dagegen nur der CIA-Analyst Jack Ryan, hier gespielt von Alec Baldwin. Kapitän Ramius (Sean Connery) will überlaufen, um einen sowjetischen Erstschlag zu verhindern. Er erhofft sich eine friedliche Revolution in seinem Heimatland und das Ende der Sowjetunion, in welcher Gerechtigkeit nicht existiert. Die Verbindung ist leicht zu ziehen – das Ende des Kalten Krieges und die Auflösung der UdSSR. Zur Entstehungszeit des Films geschah nämlich genau dies und bestimmte das Weltgeschehen. Deutschland wurde wiedervereinigt, der Krisenherd zwischen den beiden Supermächten kühlte ab, die Sowjetunion zerfiel. Der Wink mit dem Zaunpfahl erfolgt in Form der Figur von Sean Connery: Der angesehene und respektierte Russe läuft über. In den USA bekommt er Gerechtigkeit und kann seinen Lebensabend in Ruhe verbringen. Im barbarischen Film-Russland wäre dies natürlich nicht möglich gewesen.

Fokus Europa – Der Nordirlandkonflikt
In Die Stunde der Patrioten kehrte zwar Alec Baldwin nicht zurück, dafür aber Jack Ryan. Dieser ist nun Professor an einer US Naval Academy und unterrichtet heranwachsende Patrioten. Dass er seinen Kampfgeist nicht verloren hat, beweist er, als er zwischen die Machenschaften einer terroristischen Splitter-Gruppe der IRA gerät. Als er ein Attentat auf den britischen Nordirland-Minister vereitelt und einen Terroristen zur Strecke bringt, zieht er den Zorn von dessen Bruder (Sean Bean) auf sich, der fortan Ryan und dessen Familie nach dem Leben trachtet. Ryan schließt sich wieder der CIA an und bekämpft die irischen Aufständischen mit allen Mitteln. Der Film erschien pünktlich 1992, zu einer Zeit, in der sich der Nordirlandkonflikt zwischen den Protestanten (loyalen Anhängern des Königreichs) und den Katholiken (den irischen Nationalisten) noch einmal verschärfte. In Die Stunde der Patrioten übt die USA ihre selbstauferlegte Rolle als Weltpolizei wieder einmal beispielhaft aus. Unmissverständlich wird uns klar gemacht, dass die USA terroristische Unruhen nicht duldet und Vereinigungen solcher Art schnell und leicht zerschlägt.

Nächste Seite
Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Jack Ryan als filmischer Spiegel seiner Zeit