Maleficent 2 lässt auf eine bessere Disney-Zukunft im Kino hoffen

Maleficent 2
© Disney
Maleficent 2
Moviepilot Team
StrawStar Esther Stroh
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Seit fast einem Jahrzehnt gehört es zu Disneys Strategie, die beliebten Zeichentrickklassiker der Mäusemarke als Realfilme neu aufzulegen. Das sind die sogenannten Live-Action-Remakes von Disney.

Ich bin von Kindesbeinen an ein Fan vieler Animationsfilme, die das Studio hervorgebracht hat. Aber wenn ich mir Disneys neue Realfilm-Remakes im Ranking so ansehe, stelle ich fest, dass sie über den Status als allenfalls ganz nette Spielerei nicht hinauskommen. Soll heißen: Noch keine Neuauflage hat mich wirklich aus den Socken gehauen und langsam ermüden mich diese Kopien des Altbekannten.

Auch Maleficent 2: Mächte der Finsternis ist kein perfekter Film. Dennoch rechne ich es ihm hoch an, dass er für Disney einen Schritt in die (wie ich hoffe) richtige Richtung tut, denn:

  • Durch die ständig neuen Selbst-Kopien beraubt sich das durchaus zur Kreativität fähige Studio der eigenen Entfaltungsmöglichkeit.
  • Mit Fortsetzungen zu den eigenen Remakes dürfen Filme wie Disneys Maleficent 2 einen Mittelweg zwischen Alten und Neuem einschlagen.
  • Das wiederum könnte den Weg wieder für mehr originäre Stoffe ebnen.

Disney und das Problem einfallsloser Remakes

Mir ist klar, dass Disneys Remakes viele Anhänger haben. In nichts badet es sich schließlich besser, als in der eigenen Nostalgie. Auch ich fiebere immer wieder auf den nächsten Kinostart der nächsten Neuauflage hin. Dennoch rast hier Disney in eine kreative Sackgasse.

Dabei müsste mir eigentlich inzwischen klar sein: Ein Disney-Remake kann mich überhaupt nicht zufriedenstellen. Wenn die geliebte Zeichentrickvorlage zu sklavisch zitiert wird, sehe ich im Remake nur einen Abklatsch des besseren Originals. Wenn die Neuauflage sich hingegen zu viele Freiheiten herausnimmt, kann leicht das Gefühl aufkommen, sie würde die Vorlage nicht respektieren. So entsteht eine Pattsituation der Unzufriedenheit.

Die Lösung ist denkbar simpel: Disney könnte wieder mehr originäre Stoffe auf den Weg bringen. Hakuna Matata: Kein Vergleich, keine Sorgen. Doch leider scheint die Rechnung des kreativen Ausverkaufs an den Kinokassen aufzugehen: Das König der Löwen-Remake überschritt die 1-Milliarden-Dollar-Marke und wurde zum erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten.

Disney wird so schnell also nicht von der finanziell einträglichen Strategie der Ausschlachtung der eigenen Klassiker ablassen. Entsprechend voll ist Disneys Mega-Kinoplan mit Live-Action-Remakes. Muss ich als nach Neuem dürstender Zuschauer also wirklich abwarten, bis alle 46 Disney-Zeichentrickfilme einen Realfilm-Neuaufguss erhalten haben? Nicht unbedingt. Maleficent 2 weckt Hoffnungen.

Maleficent 2: Das Disney-Sequel als kreativer Kompromiss

Nach Alice im Wunderland 2 ist in der Remake-Phase Maleficent 2 erst das zweite Sequel, das Disney in die Kinos bringt. Die Fortsetzung ist weit davon entfernt, ein außergewöhnlicher Film zu sein. Aber einiges läuft hier dennoch richtig:

  • Maleficent 2 verschiebt den Fokus (wie schon Teil 1) von der klassischen Prinzessinnen-Story zur "Bösewichtin". Die drei Hauptfiguren Maleficent, Aurora und Königin Ingrith erhalten so eigene Motivationen und Storys.
  • Maleficent 2 traut sich, neue und damit überraschende Elemente (Stichwort: Feen-Verwandtschaft, Magie-Bomben) in eine alte Märchen-/Disney-Geschichte einzubringen.
  • Maleficent kann als Fortsetzung die eigene Mythologie ausbauen und so tiefer in eine Welt eintauchen, deren Grundstein schon in Teil 1 gelegt wurde.
  • Maleficent 2 nimmt sich ernster und entwickelt eine reifere Eigenständigkeit (z.B. heißen den Fabelwesen im englischen nun nicht länger "Fairy" (Fee, wie die gute Fee im Kindermärchen), sondern tragen die ehrwürdigere/erwachsenere Bezeichnung "Fae").

Der Kompromiss, der daraus entsteht, ist folgender: Als Sequel liefert Maleficent 2 die alten Figuren sowie Anspielungen an die Zeichentrickvorlage, mit denen auch ein Remake Nostalgie-willige Zuschauer lockt. Als Sequel ist der Film zugleich aber glücklicherweise darauf eingewiesen, sich von der Vorlage zu entfernen und eine neue Geschichte zu erfinden.

Der 1. Film, Maleficent - Die dunkle Fee, wird dadurch für Maleficent 2 das, was das Grimmsche Märchen für den abweichenden Zeichentrickfilm Dornröschen war: Eine Vorlage lediglich als Ideengeber, die mutig selbst in die Hand genommen und erweitert werden darf.

Wie sollte Disneys Remake- und Sequel-Zukunft aussehen?

Die Fortsetzungen können also Disney-Werte (Zutaten wie Happy End, Familientauglichkeit etc.) bewahren und den Figuren trotzdem mehr Freiheiten einräumen. Nachdem sich Cinderella, Die Schöne und das Biest, Jungle Book und Aladdin sehr an die Vorlage klammerten, wählte der diesjährige Dumbo-Film bereits den Mittelweg: Er war Remake und Sequel in einem.

Klar, neue Filme sind immer ein Risiko: Der Nussknacker und die vier Reiche war letztes Jahr mit 170 Millionen Dollar Einspielergebnis bei 120 Millionen Produktionsbudget für Disney sicherlich ein Schuss in den Ofen. Artemis Fowl wurde so oft verschoben, dass das Vertrauen in den Film schon vor Kinostart getrübt zu sein scheint.

Doch Disney kann kreativ Neues schaffen. Insbesondere Animationsfilme wie Die Eiskönigin oder Vaiana haben das bewiesen. Diese Kreativität muss nur ihren Weg zurück in die Realfilme finden. Dann kann sich auch niemand beim nächsten Realfilm-Remake beschweren, wenn Mulan ohne Mushu auskommen muss.

Vielleicht werden bereits angekündigte Sequels wie Aladdin 2 und The Jungle Book 2 die Brücke zwischen Alt und Neu schlagen. Zu Aladdin 2 ist bereits bekannt, dass er nicht die Zeichentrickfortsetzung Dschafars Rückkehr kopieren wird. Das stimmt mich hoffnungsvoll.

Die am 17. Oktober 2019 gestartete Fortsetzung Maleficent 2 mag dabei einer von Disneys ersten vorsichtig-tastenden Schritten zur Kreativitätssuche auf sicherem Boden sein. Aber immerhin: Es ist ein erster Schritt.

Habt ihr Maleficent 2 gesehen oder interessieren euch nur die reinen Disney-Remakes?

Moviepilot Team
StrawStar Esther Stroh
folgen
du folgst
entfolgen
Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.
Deine Meinung zum Artikel Maleficent 2 lässt auf eine bessere Disney-Zukunft im Kino hoffen
047a9a714f2c4dc3b0453f20647917ca