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Zum 65. Geburtstag

Neil Jordan - Ein Regisseur, der lieber Romane schreibt

25.02.2015 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Neil Jordan am Set von OndineAbspielen
© Concorde
Neil Jordan am Set von Ondine
Er drehte Interview mit einem Vampir, Michael Collins und bekam einen Oscar für The Crying Game. Doch mittlerweile würde der irische Regisseur, der heute seinen 65. Geburtstag feiert, eigentlich am liebsten nur noch Romane schreiben.

Neil Jordan legt in Interviews immer wieder Wert darauf, dass er sich vor allem als Schriftsteller und weniger als Filmemacher versteht. Dennoch kann er seine Leistungen als Regisseur nicht so leicht von der Hand weisen. Immerhin hat der Ire inzwischen bei 20 Filmen Regie geführt und für viele davon auch die Drehbücher verfasst. Er drehte den Thriller The Crying Game - Die Frau des Soldaten, für dessen Skript er 1992 einen Oscar gewann, den Vampir-Kultfilm Interview mit einem Vampir mit Brad Pitt und Tom Cruise und die Star-besetzte Papst-Historienserie Die Borgias - Sex. Macht. Mord. Amen. Dazu kommen bislang sechs Bücher. Heute wird der Regisseur und Autor 65 Jahre alt. Und er hat weiterhin viel vor.

Ein neuer Roman ist in Arbeit und soll 2016 erscheinen. Auch einen Film, der erneut in Irland spielen soll, plane der Regisseur laut Berichten. Und eine weitere Serie reize ihn ebenfalls. Hauptsächlich will er sich aber auf das Bücherschreiben konzentrieren. Denn dabei redet ihm keiner rein. „Bei Filmen wollen viele Leute das Produkt beeinflussen. Wenn ich ein Buch schreibe, dann ist das meines. Dann bin ich mein eigener König“, sagt er in einem Interview . Allerdings sei er sowohl im Ausland als auch in seiner irischen Heimat seit Jahrzehnten viel bekannter als Filmemacher. „Es ist wie ein Fluch. Eigentlich bin ich doch Autor." Da geben wir Jordon ganz Recht. Doch seine Biographie beweist, dass er mindestens genauso sehr auch Filmemacher ist. Und ein begnadeter Filmemacher noch dazu.

Ein Schöpfer politisch brisanter Filme

Am 25. Februar 1950 in Sligo, Irland, geboren und aufgewachsen, studierte Neil Jordan Anglistik und Geschichte in Dublin und begann seine Karriere als Schriftsteller. Bereits seine Debüt-Erzählungen Nights in Tunesia und Verführung wurden 1979 mit dem Belletristik-Preis der britischen Tageszeitung The Guardian ausgezeichnet. Auch beim Film startete er als Schreiberling. Für den britischen Regisseur John Boorman arbeitete Jordan 1981 mit an dem Drehbuch zu dem aufwendig produzierten Fantasy-Abenteuerfilm Excalibur, der die Legende von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde in opulenten Bildern schildert.

Jordans Themen sind stark verhaftet in der Geschichte seines Heimatlandes und so ist die blutige Chronik Irlands und Nordirlands ein immer wiederkehrendes Thema in seinen Werken. In Filmen wie seinem Regiedebüt Angel - Straße ohne Ende, seinem großen Hollywood-Durchbruch The Crying Game und dem Biopic Michael Collins thematisiert er den Nordirlandkonflikt zwischen Protestanten und Katholiken. In seinen Büchern, die bereits diverse Preise gewonnen haben, ist die politische Geschichte (Nord-)Irlands ebenfalls immer wieder Thema. Dabei geriet er selbst in der Vergangenheit immer wieder in Bedrohung durch Terroristen und stand zeitweilig unter Personenschutz.

Rückkehr zum Vampirfilm

Zuletzt kehrte Jordan mit dem Fantasy-Drama Byzantium nach fast 20 Jahren zurück zum Genre des Vampirfilms. Obwohl er für seinen zweiten Ausflug ins Vampirgenre solch talentierte Stars wie Saoirse Ronan, Gemma Arterton und Sam Riley gewinnen konnte, war Jordans Film an den Kinokassen kein Erfolg beschieden. Selbiges lässt sich leider auch von seinen anderen Regiewerken der letzten Jahre sagen, die trotz spannender Themen (Breakfast on Pluto) und Star-Besetzung (Ondine - Das Mädchen aus dem Meer) nur wenig Interesse bei den Kinozuschauern erweckten. Allerdings muss auch gesagt sein, dass seine neueren Filme hinsichtlich ihrer narrativen Qualitäten und politischen Brisanz auch nicht an seine früheren Werke der 80er und 90er reichen. Wir sind also gespannt, ob sich das in naher Zukunft hoffentlich ändern wird.

Über die Dualität seines Daseins zwischen Schriftsteller und Filmemacher sagte Neil Jordan einmal: "Romane schreiben ist wirklich hart. Es ist so selbstbezogen. Ich brauche sehr lange, um ein Buch zu schreiben, wogegen das Filmemachen relativ schnell geht." Wollen wir hoffen, dass diese Einschätzung den schreibwütigen Autor und Regisseur künftig dazu anregen wird, wieder mehr Filme zu drehen. Wir haben Jordan als talentierten Filmemacher mit Vision nie abgeschrieben.

Was für Filme von Neil Jordan habt ihr schon gesehen und welcher davon ist euer Favorit?

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