Rocketman bricht ein Tabu, an das sich Bohemian Rhapsody nicht herantraute

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Wir schreiben das Jahr 2019. Man könnte meinen, dass die klare Darstellung von schwulem Sex in Filmen kein Problem darstellt. Doch weit gefehlt. Am gestrigen Mittwoch feierte das Elton John-Biopic Rocketman seine Weltpremiere bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes. Anders als Bohemian Rhapsody um die Band Queen und ihren verstorbenen Frontmann Freddie Mercury wagt der Film den Tabubruch.

Das Filmstudio Paramount widersetzt sich mit Rocketman einem Trend

Laut The Hollywood Reporter ist Rocketman der erste Film eines großen Studios, der offen Sex zwischen homosexuellen Männern zeigt. Hinter der Produktion steht Paramount Pictures. So zeige der Streifen "mehrere Szenen mit offenkundigem Geschlechtsverkehr" sowie "küssende Männer, simulierten Oralsex und eine heiße Schlafzimmer-Szene", in der Hauptdarsteller Taron Egerton als Elton John und Musikmanager sowie Liebhaber John Reid (Richard Madden) unbekleidet zu sehen seien. Zudem sei Johns Sexualität offenes Gesprächsthema.

Der Bericht weist auf Beispiele ähnlich großer Studios aus den 70ern und früheren 80ern hin, in denen Sex zwischen homosexuellen Männern hin und wieder thematisiert wurde. Doch in den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich das Thema zu einem Tabu der großen Produktionsfirmen. Selbst die Darstellung homosexueller Beziehungen ist noch längst keine Selbstverständlichkeit. Paramount-Chef Jim Gianopulos entschied sich, Rocketman von Dexter Fletcher trotz dieses Zustandes grünes Licht zu geben.

Mit Rocketman wagt Paramount einen bemerkenswerten Schritt

Als Gegenbeispiel zu Rocketman sei an dieser Stelle Bohemian Rhapsody erwähnt, für den Rami Malek den Oscar als bester Hauptdarsteller in der Rolle des bisexuellen (vielleicht auch homosexuellen) Freddie Mercury gewann. Der Film zeigt keinen Sex zwischen Männern, wozu er sowie andere Werke natürlich auch nicht verpflicht sind.

Allerdings spiegelt sich anhand der Veröffentlichung im lukrativen Markt China die fragwürdige Behandlung des Themas beispielhaft wider: Im Reich der Mitte erschien eine Fassung von Bohemian Rhapsody, in der jedwede Andeutung eines womöglich homosexuellen Mercury herausgeschnitten wurde. Grundsätzlich wurde dem Film von einigen Kritikern vorgeworfen, die homosexuellen Elemente unter den Teppich kehren zu wollen.

Noch bemerkenswerter ist der Schritt Paramounts vor dem Hintergrund, dass es nur noch wenige große Studios gibt. Neben Paramount sind dies Disney, das Fox gekauft hat, sowie Warner Bros., Universal und Sony.

Gewiss erschienen auch in den vergangenen Jahren immer wieder Filme, die sich vor dem Thema nicht scheuten, darunter Brokeback Mountain (2005) und Call Me by Your Name (2017). Allerdings nahmen sich kleinere Substudios deren Vertieb an, nämlich Focus Features (Universal) und Sony Pictures Classics. Rocketman sei zudem eher noch an ein Massenpublikum gerichtet und kostete mit 41 Millionen US-Dollar deutlich mehr als das Doppelte als die beiden genannten Filme zusammen.

In Deutschland startet Rocketman am 30.05.2019 in den Kinos.

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Moviepilot Team
NeonFox Alexander Börste
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