Schaut lieber Die Goldfische statt Til Schweigers Remake Head Full of Honey

Im Kino: Die Goldfische & Head Full of Honey
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Im Kino: Die Goldfische & Head Full of Honey
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Redakteurin bei Moviepilot. Potterhead, Buchvorlagen-Verschlingerin und Abspann-Sitzenbleiberin. Durchs Aufwachsen ohne TV früh zur Kinogängerin erzogen.

Das Kinoprogramm dieser Woche hat zahlreiche deutsche Filme in petto. Die zwei größten Produktionen sind dabei Die Goldfische und Head Full of Honey. Ist die Wahl dabei eine Qual? Für mich nicht. Die Komödie mit Tom Schilling und Jella Haase ist gegenüber Til Schweigers Remake definitiv die bessere Entscheidung, um dem Lichtspielhaus mal wieder einen Besuch abzustatten.

Darum ist Head Full of Honey die uninteressantere Wahl für einen Kinobesuch

Head Full of Honey ist eines von zahlreichen Remakes 2019. Schauspieler und Regisseur Til Schweiger legt damit seinen eigenen Film Honig im Kopf aus 2014 neu auf, diesmal allerdings als Remake im Original in englischer Sprache und mit amerikanischen Schauspielern. Für das Honig im Kopf-Remake wurde die Geschichte über einen Alzheimer-kranken Großvater, der sich mit seiner Enkeltochter auf Reisen begibt, hier für den englischsprachigen Markt neugedreht wurde. Doch warum sollte ich mir, die das Original natürlich schon kennt, überhaupt das Remake ansehen?

Wenn Til Schweiger seine ursprüngliche Erzählung massiv verändert hätte, wäre Head Full of Honey möglicherweise ein spannendes Experiment geworden, doch die Gegenüberstellung von Original und Remake zeigt eine reine Kopie. Zu starke Ähnlichkeiten bestehen zwischen dem neuen Film und der Vorlage. Kaum etwas spricht also für einen Kinobesuch, wenn ich mir alternativ einfach Honig im Kopf als Stream oder auf DVD (noch einmal) ansehen könnte. Wenn ich das denn wollen würde.

Die schlechten Kritiken und Til Schweigers Reaktionen darauf sind ebenfalls kein Pro-Argument. Warum sollte ich mir weinend etwas uninspiriert Wiedergekäutes zu Gemüte führen, wenn ich stattdessen lachend etwas erfrischend Neues schauen kann?

Die Goldfische: Schreiend komischer deutscher Humor - er existiert

Alireza Golafshans Die Goldfische sind eine WG von Menschen mit Behinderung, die von einem querschnittsgelähmten Investmentbanker (Tom Schilling) zu einer Kamel-Therapie in die Schweiz gebracht werden, damit er selbst dort heimlich sein Schwarzgeld vor der Steuerprüfung retten kann. Das klingt nach einer skurrilen Geschichte. Und das ist es auch. Dennoch geht die 2019er Komödien-Rechnung hier auf.

Normalerweise tue ich mich schwer mit reinen Komödien, insbesondere mit solchen aus Deutschland. Zu aufgesetzt, platt und erzwungen sind häufig die aneinandergereihten Witze. Doch Die Goldfische ließen mich mit punktgenauem Humor im Kino so viel lachen wie schon lange nicht mehr.

Der Film ist furchtlos im Auftreten mit seiner Thematik, Behinderungen, die sonst im Alltag eher mit Vorsicht behandelt wird. Das mag nicht immer politisch korrekt sein, geschieht aber trotz schwarzem Humor gutmütig und läuft nicht auf Kosten der Figuren. Das macht am Ende den entscheidenden Unterschied: Wir lachen nicht über sondern mit den Protagonisten, die uns zunehmend ans Herz wachsen.

Die Goldfische lebt von seinen sympatischen Figuren

Damit ist es vor allem der grandiose Cast, der Die Goldfische trägt. Angefangen bei Tom Schilling, der mit seinen 37 Jahren weiterhin so jung sie noch vor 20 Jahren wirkt, und auch in der anfangs bewusst unausstehlichen Rolle des Bankers nie alle Sympathie-Punkte einbüßt.

Zu diesem überzeugenden Hauptdarsteller, gesellt sich Jella Haase als gutes Gegengewicht: Als idealistische Betreuerin der Behinderten-WG gelingt es der einstigen Fack ju Göhte-Darstellerin, sich trotz Komödien-Rolle weiter in eine ernsthaftere Richtung zu entwickeln und ihren Status als neuer deutscher Star zu zementieren.

Die Figuren sind überhaupt allesamt wunderbar sympatisch-eigenwillige Charaktere. Das ist beim Komödien-Genre, das häufig von überspitztem, klischeehaften Personal lebt, nicht selbstverständlich. Doch ob nun Axel Stein zum "Rainman" wird, Birgit Minichmayr blind Auto fährt, Jan Henrik Stahlberg seine stille Präsenz zelebriert, Kida Khodr Ramadan als Pfleger in finanzielle Versuchung geführt wird und Luisa Wöllisch zeigt, dass Glamour und Down-Syndrom sich nicht ausschließen - sie alle erschaffen bis in die Nebenrollen hinein ein harmonisches Gesamtbild.

Obwohl der Cast sich aus größtenteils bekannten deutschen Darstellern zusammensetzt, wirken diese hier als Schauspieler unverbraucht, vielleicht auch deshalb, weil sie eben (noch) nicht auf einer Star-Stufe mit Matthias Schweighöfer, Til Schweiger und Co. stehen.

Wenn ihr 2010 Florian David Fitz' Vincent will meer - mit ähnlicher Thematik und ähnlichem Humor - mochtet, wird euch Die Goldfische ganz bestimmt gefallen. Und dabei habe ich noch gar nichts von dem amüsanten Zitat-Potenzial erzählt, dass der Film in sich trägt. Also ab ins Kino. "Machen wir so? Ha'm wir kein' Stress."

Habt ihr Lust, euch Die Goldfische im Kino anzusehen? Oder interessiert euch Head Full of Honey mehr?

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