Science-Fiction bei Netflix: Lohnt sich die Snowpiercer-Serie?

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© TNT/Netflix
Snowpiercer
26.05.2020 - 09:12 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Die Science-Fiction-Serie Snowpiercer läuft bei Netflix. Hier erfahrt ihr, was euch in der Serie mit Daveed Diggs und Jennifer Connelly erwartet - und wie sie sich im Vergleich zum Film schlägt.

Snowpiercer erzählte als Film von einer actionreichen Revolution in einer dystopischen Zukunft. Die gleichnamige Serie, die ab heute immer montags bei Netflix erscheint, kämpft mit einem unübersehbaren Hindernis: Wie soll man diese Dynamik aufrechterhalten, wenn Hunderte Minuten Fernsehen gefüllt werden müssen? Wie Homer Simpsons sagen würde: Man sollte es niemals versuchen.

Auch in Snowpiercer zieht der futuristische Zug mit 1001 Abteilen über eine zugefrorene Erde und auch in dieser Serie planen die hinteren Waggons den Aufstand. Doch die Macher scheinen allem, was das Kinovorbild so mitreißend gemacht hatte, von vornherein eine Absage zu erteilen. Die Science-Fiction-Serie bei Netflix entwickelt sich so zum konventionellen, aber kurzweiligen Thriller, der vor allem von Jennifer Connelly und der originell gestalteten Welt zehrt, in die sich die letzten Menschen vor der Kälte gerettet haben.

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3 Dinge, die ihr über Snowpiercer bei Netflix wissen solltet:

  • Snowpiercer ist kein echtes Netflix-Original, sondern eine Serie des US-Senders TNT.
  • Die Produktion der 10 Folgen langen 1. Staffel war turbulent. Der erste Showrunner wurde entlassen. Regisseur Scott Derrickson (Dr. Strange) nahm daraufhin seinen Hut. Die Pilotfolge wurde neu gedreht.
  • Neben aktuellen Science-Fiction-Serien wirkt Snowpiercer altbacken. Im Vergleich zu jüngeren Netflix-Serien bietet der Zug-Thriller aber mehr Aufwand, eine atmosphärische Inszenierung und Jennifer Connelly in einer faszinierenden Rolle.

Aus der Action wird ein Krimi: So wird Snowpiercer zur Serie

Snowpiercer setzt den Kinofilm von Oscarpreisträger Bong Joon-ho (Parasite) nicht fort, ist aber auch keine werkgetreue Adaption des französischen Comics Le Transperceneige, dem wir den Endzeit-Zug verdanken. Stattdessen erzählen die Autoren die Geschichte neu. Sieben Jahre nachdem eine menschengemachte Klimakatastrophe die Welt unbewohnbar gemacht hat, tuckert der von Technik-Genie Mr. Wilford geschaffene Snowpiercer über das vereiste Erdenrund.

Hört rein: Der Streamgestöber-Check über Snowpiercer bei Netflix

In den hinteren Abteilen leben die Tailies, Menschen, die sich ohne Ticket in den Hightech-Zug gerettet hatten. Sie sind arm, hungern und werden mit brachialen Mitteln von den vorderen Waggons ferngehalten. Dort leben die Glücklichen mit Ticket, doch auch aus sie sind unterteilt in Klassen. Gäste der 1. Klasse dinieren wie Könige, in der Dritten sehen Nahrung und Waggons wesentlich trister aus.

Als eine brutal zugerichtete Leiche gefunden wird, ist die Zugführung plötzlich auf einen Tailie angewiesen. Der ehemalige Cop Andre Layton (Daveed Diggs) wird nach vorne geholt, um zu ermitteln. So entsteht eine fragile Allianz zwischen Layton und der Stimme des Zuges, Melanie Cavill (Jennifer Connelly), die den mörderischen Skandal im Keim ersticken will.

Sci-Fi bei Netflix: Jennifer Connelly ist ein Highlight der Netflix-Serie

Während der Film sich den Blick auf jedes neue Abteil mit der actionreichen Revolution erarbeitete, nutzt die Serie einen Krimiplot für die Entdeckungsreise. Und was es zu entdecken gibt! Kein Zweifel, der Krimi, der die ersten fünf Folgen von Snowpiercer vorantreibt, interessiert nicht die Bohne. Hier haben wir es mit einem halbherzigen Mord im Wilford-Express zu tun. Die Innereien des Zuges sind das Highlight von Snowpiercer.

Snowpiercer

Was im Kinofilm nur angedeutet wurde, können die Autoren detailliert herausarbeiten. Wie funktioniert die Vier-Klassen-Gesellschaft? Wie wird die Macht über andere ausgeübt? Womit wird gehandelt? Wie können sich niedere Zuggäste Gefallen in den höheren Waggons verschaffen? Diese Details reichern die nicht sonderlich packende Story der Serie an. Sie geben ihr eine Existenzberechtigung.

Im Fokus des Machtgefüges steht Melanie Cavill. Mit einer selbst in der Eiswelt einschüchternden Kälte reißt Jennifer Connelly die Science-Fiction-Serie an sich. Melanie ist das Gesicht der repressiven Spitze des Zuges und doch gelingt es Connelly, einer schematischen Bösewichtin zu entgehen.

Melanie balanciert zwischen Sympathie, Undurchschaubarkeit und Abscheu. Während Train Detective Andre einseitig und dröge geschrieben ist, entwickelt sich Melanie zum Eiskristall, der im Licht unterschiedlicher Situationen andere Facetten offenbart. Wenn die Autoren mit Melanie das komplexe Machtgefüge des Zuges lenken, offenbart sich das Potenzial einer größeren, aufregenderen Sci-Fi-Serie innerhalb von Snowpiercer, bevor die Abteiltür vor unserer Nase zugeschoben wird.

Schaut euch den Trailer für die Snowpiercer-Serie an:

Snowpiercer - S01 Trailer (Deutsche UT) HD
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Der nicht besonders spannende Plot trägt die Schuld. Er rast voran, obwohl die ruhige Beobachtung die Serie vom Sci-Fi-Durchschnitt abheben könnte. Weder Trash noch Must-See-Qualitäts-Fernsehen, bietet Snowpiercer einen austauschbaren Zeitvertreib, der wenig Argumente dagegen aufbringt, beim nächsten Halt umzusteigen.

Die Ironie am sich entfaltenden Klassenkrieg von Snowpiercer findet sich indes in der Tatsache, dass die dekadente 1. Klasse um ein Vielfaches interessanter wirkt als die unterdrückten Tailies. Da kann man nur hoffen, dass die Revolution noch auf sich warten lässt.

Als Grundlage für diesen Serien-Check dienten die ersten fünf Folgen von Snowpiercer. Aktuell stehen zwei der zehn Folgen bei Netflix bereit. Jeden Montag kommt eine neue dazu.

Werdet ihr euch Snowpiercer bei Netflix anschauen?

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