Sylvester Stallone teast Rambo 6: Die Reihe ist längst tot

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Sylvester Stallone in Rambo: Last Blood
11.07.2020 - 11:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Ist die Rambo-Reihe womöglich doch noch nicht zu Ende? Sylvester Stallone streut Hinweise auf eine weitere Fortsetzung. Diese Chance hat er sich aber eigentlich mit Last Blood verspielt.

Nur wenige Filmemacher sind so eifrig darin, ihre alten Filmreihen zurück ins Rampenlicht zu bringen wie Sylvester Stallone. Als Rocky und Rambo etablierte er sich Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre als gefragter Actionstar. Bis heute hat er sich von den Rollen nicht verabschiedet, auch wenn es mehrmals danach aussah.

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Der Titel des neusten Rambo-Films spricht zum Beispiel vom letzten Blut und schließt damit den Kreis zum ersten Teil. Dennoch ließ Sylvester Stallone kürzlich auf Instagram  durchblicken, dass die Reihe nicht zwangsläufig zu Ende ist. "Er könnte zurückkehren", schreibt der Schauspieler und Filmemacher, um die Fans zu teasen.

Rambo: Last Blood entpuppte sich als vertane Chance

Von einer Ankündigung ist das natürlich weit entfernt. Gerade mit einem Blick auf den jüngsten Teil der Rambo-Reihe stellt sich jedoch die Frage, was Sylvester Stallone hier überhaupt noch erzählen will. Denn Rambo: Last Blood entpuppte sich als extrem unglücklicher Versuch, einen Abgesang auf den alten Helden zu singen.

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Rambo: Last Blood - Trailer (Deutsch) HD
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Die Rocky-Reihe hat da die deutlich spannendere Entwicklung durchgemacht: Nachdem Rocky Balboa den titelgebenden Boxer zurück in den Ring schickte und gekonnt Nostalgie mit Reflexion kombinierte, wurde der Staffelstab inzwischen erfolgreich an die nächste Generation übergeben, konkret Michael B. Jordans Adonis Creed.

Rambo konnte das Creed-Kunststück nicht wiederholen

Was die Creed-Filme geschafft haben, zählt sogar zu den beeindruckendsten Beispielen überhaupt, wie ein Franchise-Vermächtnis heutzutage in Hollywood weitergegeben werden kann, vor allem auch im Hinblick auf die Figuren und deren Geschichte. Reihen wie Terminator sind an diesem Punkt dagegen schon zwei Mal gescheitert.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet gehört Rambo ebenfalls zu den Versagern. Nachdem Sylvester Stallone als Veteran in John Rambo das brutale Kriegstreiben zu neuem Leben erwachen ließ, gestaltet sich der Nachfolger auf den ersten Blick als grimmige Meditation einer gepeinigten Seele, die nicht von ihrer Vergangenheit ablassen kann.

Rambo: Last Blood

Immer tiefer zieht sich dieser Rambo zurück in sein kleines Amerika, das er sich abgeschottet von der Außenwelt errichtet hat, um es schlussendlich in einen weiteren Kriegsschauplatz zu verwandeln. Von seiner Nichte hat er nichts gelernt: Rambo schaufelt sich im wörtlichen wie im übertragenen Sinne sein eigenes Grab.

Von Logan hätte Rambo so viel lernen können

Unterirdische Tunnelanlagen werden gewissermaßen zum Tresor, um das Trauma wegzusperren. Dabei folgt Rambo: Last Blood in seinen Grundzügen einer ähnlichen Dynamik wie James Mangolds endzeitlicher Logan - The Wolverine, dem es bemerkenswert gelingt, seinem gealterten Helden ein würdiges Ende zu setzen.

Auch Hugh Jackmans Superheld, der in einer dystopischen Zukunft vom Weg abgekommen ist, trifft auf ein junges Mädchen, das ihn seine Entscheidungen infrage stellen lässt. Abseits großer Heldentaten entdeckt James Mangold hier eine zerbrechliche, menschliche Seite, von verstörenden Abgründen ganz zu schweigen.

Rambo: Last Blood

Genauso wie Rambo ist Wolverine eine Figur, die von einer Geschichte aus Leid und Gewalt verfolgt wird - und das macht James Mangold auf eindrucksvolle Weise in seinem Logan-Western sichtbar. Die Tragik, die daraus entsteht, ist niederschmetternd wie berührend, zeugt am Ende aber vor allem von einer Entwicklung, die die Figur durchmacht.

Sylvester Stallones Rambo hat nichts mehr zu erzählen

Rambo: Last Blood bleibt dagegen als unreflektierter Rumpf zurück, der sich am Ende nicht einmal dazwischen entscheiden kann, ob er seinen Helden in einem kathartischen Augenblick von all den Qualen erlöst oder ihn für immer in die Hölle verbannt. Stattdessen bestimmen Pathos und Verklärung diesen verkrampft heroischen Niedergang.

Es ist wirklich ärgerlich, dass Rambo: Last Blood einer solch streitbaren Filmfigur so wenig hinzuzufügen hat. Dagegen war der verdorbene Vorgänger wenigstens konsequent in seiner blutrünstigen Abartigkeit. Die Chance, seiner moralisch wie politisch ambivalenten Reihe einen starken Epilog zu liefern, hat Sylvester Stallone definitiv vertan.

Dieser Rambo hat nichts mehr zu erzählen.

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