Tribute von Panem: Die neue Story verspricht eine umwerfende Fortsetzung

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Hunger Games-Prequel: Die Tribute von Panem-Vorgeschichte gehört ins Kino
27.05.2020 - 08:40 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Die Welt der Tribute von Panem wurden gerade mit einer Hunger Games-Vorgeschichte wiederbelebt. Wir haben den Roman auf sein filmisches Potenzial abgeklopft.

Vor fünf Jahren fanden Die Tribute von Panem ihren vorläufigen Abschluss. Doch ganz abgeschlossen haben wir mit dieser Welt offenbar noch nicht. Denn vor einer Woche, am 19. Mai 2020, erschien das Hunger Games-Prequel in Buchform: Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange.

65 Jahre vor dem Beginn von Katniss Everdeens Geschichte knüpft Autorin Suzanne Collins darin erneut an ihre Panem-Welt an und präsentiert erneut die Hungerspiele, diesmal durch die Augen einer neuen und doch bekannten Hauptfigur: In den Mittelpunkt rückt der junge Coriolanus Snow, Panems späterer Präsident.

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Nach der Lektüre der 607 Seiten der deutschen Romanausgabe nehmen wir die Hunger Games-Vorgeschichte nun im Hinblick auf ihre Filmtauglichkeit ins Visier, denn die Verfilmung wurde bereits angekündigt. (Achtung, es folgen minimale Spoiler zum Buch Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange.)

Das Tribute von Panem-Prequel: Ein Bösewicht als Held - geht das?

Die Handlung des neuen Panem-Buchs ist dabei schnell erzählt: Im Kapitol werden die 10. Hungerspiele vorbereitet. Erstmals soll ein Abschlussjahrgang an Schülern die Veranstaltung als Mentoren für die 24 Tribute aus den Distrikten begleiten. Zu ihnen gehört auch Coriolanus Snow, der ausgerechnet das seltsame Mädchen aus dem ärmlichen Distrikt 12 zugeteilt bekommt: Lucy Gray Bairns. Doch er beschließt, das Beste daraus zu machen und so seinen sozialen Aufstieg zu einzuleiten.

Dass mit Coriolanus Snow ausgerechnet einer der größten Gegenspieler von Katniss Everdeen in Tribute von Panem-Neustart zum Protagonisten auserkoren wird, mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen. Doch diese Entscheidung eröffnet zwei spannende Ansätze für Fans der Hunger Games-Reihe.

Was bisher geschah: Der Hunger Games-Trailer

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Zum einen funktioniert der ins Zentrum gerückte Snow als Anker: Der Sprung von 64 Jahren zurück in die Nachkriegszeit von Panem ist ein großer Schritt. Damals sah die Welt in vielen Belangen noch anders aus. Zehn Jahre nach dem Ende des Kriegs zwischen Kapitol und den 13 (nun nur noch 12) Distrikten müssen die Leser diese Zeitreise im Kopf erst einmal bewältigen und so dient er als Orientierungspunkt des Bekannten.

Zugleich wissen wir aber auch, wo Snows Weg ihn in der Hunger Games-Reihe hinführen wird. Die Spannung liegt also nicht so sehr darin, wo er einst landen wird, sondern wie er dorthin kommt. Wir können in ihm für den angekündigten Film The Ballad of Songbirds and Snakes gewissermaßen einen Anakin Skywalker der Tribute von Panem sehen.

Das neue Tribute von Panem-Personal diktiert die Hungerspiele

Autorin Suzanne Collins hält Snow dabei als ambivalenten und damit interessanten Charakter gekonnt in der Schwebe: Er besitzt mit seinen 18 Jahren durchaus Moral und ein Gewissen, ja, darf sich sogar verlieben. Doch diese Werte kollidieren immer wieder mit seinem Karriere-Denken, wenn er aus der verheimlichten Armut heraus nach Wohlstand, Ruhm und Macht strebt.

Hunger Games-Vorgeschichte: Snow als Identifikationsfigur?

Vollständig fängt Snow die nach einem Fixpunkt tastenden Sympathien im Panem-Prequel nie ein. Doch das ist gut so. Ihn nachträglich zur uneingeschränkten Identifikationsfigur umzuschreiben, wäre gefährlich. Aber wenn wir uns an Katniss Everdeen erinnern, war auch sie eigentlich nie die selbstlose Rebellenführerin, zu der andere sie stilisiert haben.

Zwiegespaltene Charaktere, die moralische Grenzen überschreiten, erfreuen sich in Filmen und Serien nicht umsonst wegen ihrer Tiefe einer großen Beliebtheit (denken wir nur Snape in Harry Potter oder Berlin in Haus des Geldes). Doch die Frage bleibt: Kann eine lediglich eingeschränkt einnehmende Hauptfigur unser Interesse halten? Hier kommen zum Glück die Nebenfiguren ins Spiel.

Die Tribute von Panem: Nebenfiguren

Die Neuzugänge helfen der neuen Tribute von Panem-Geschichte, das charakterliche Spektrum voll auszuloten. Denn wenn Lehrerin Dr. Gaul mit ihrem Kapitols-Einfluss und ihren Tier-Mutationen ihren Schüler an Grausamkeit weit überflügelt, wissen wir, dass Snow noch tiefer sinken könnte, während Coriolanus' Tribut Lucy Gray, seine Cousine Tigris (die 2. unerwartete Rückkehrerin) sowie sein von Zweifeln gequälter Mitschüler Sejanus Plinth ihn in moralischen Fragen meistens überstrahlen.

Die Hunger Games und die Balance zwischen Wiederholung und Neubeginn

Während uns schon die ersten zwei Panem-Teile, Hunger Games und Catching Fire, mit Katniss in die Hungerspiele warfen, steht Das Lied von Vogel und Schlange nun vor der Aufgabe, an Bekanntes anzuknüpfen und dieses dennoch zu verändern, damit keine reine Kopie entsteht.

Die Tribute von Panem: Spielmacher & Mentor

Dieses Dilemma löst die Tribute von Panem-Vorgeschichte zunächst durch den Perspektivwechsel: Statt einen von vielen Tributen begleiten wir mit Snow nun einen von vielen Mentoren. Eine Abschluss-Klasse des Kapitols soll bei den 10. Hungerspielen die 24 Tribute aus den Distrikten betreuen.

Das hat zur Folge, dass die Story neue Einblicke und größere Übersicht gewährt, schließlich nehmen wir mit den Mentoren eine (fast) allwissende Beobachterposition ein. Dass ein solcher Überblick für einen Film wichtig ist, bewiesen bereits die ersten Hunger Games-Adaptionen, denn sie schauten anders als ihre Buchvorlagen hin und wieder im Kontrollzentrum der Spielemacher vorbei. Der mitfühlenden Sorge um die Tribute schadet diese Distanzierung im neuen Roman zum Glück nicht.

Die Tribute von Panem: Das Kapitol

Zugleich sind die Hunger Games in ihrer 10. Ausführung aber noch lange nicht dort angekommen, wo sie in ihrer 74. Wiederholung sind. Die Arena befindet sich beispielsweise im Kapitol und ist ein jedes Jahr aufs Neue genutztes (Football-?)Stadium. Durch fehlende Technik, die örtliche Eingrenzung und weniger Gadgets zeigt das Prequel uns deutlich andere Hungerspiele.

Auch Elemente wie Sponsoren-Geschenke, Wetten und von außen eingeschleuste Mutationen sind hier noch Neuland. So werden wir nicht nur Zeuge von Snows langsamem Wandel, sondern auch vom Wandel der Show, die hier noch längst kein Massenereignis geworden sind.

Die Tribute von Panem X dingt in aufregende neue Ecken von Panems Geschichte vor

Dass sich Panem dabei nicht mehr wie Panem anfühlt, muss keiner befürchten, denn Die Tribute von Panem X lässt für Hunger Games-Fans immer wieder augenzwinkernde Anspielungen an die zuvor veröffentlichten Geschichten fallen, die von Katniss (der Pflanze) über bekannte Lieder bis zum Spotttölpel (Mockingjay) reichen.

Die Tribute von Panem: Kapitols-Bewohner - Effie mit Peeta

Doch auch, wenn sich diese Referenzen und Anspielungen zuweilen fast zu sehr häufen, weiß das Panem-Prequel, wann eine Differenzierung wichtig ist: Denn auch wenn Snow ausgerechnet das Mädchen aus Distrikt 12 als Tribut zugeteilt bekommt, ist diese Lucy Gray Bairns zum Glück keine Katniss 2.0.

Farbenfroh gekleidet, besitzt die gern öffentlich singende Musikerin keinerlei Kampferfahrung, kann dafür aber auf ihre Andersartigkeit und ihren Charme zurückgreifen. Dadurch wird sie für die an fehlendem Zuschauer-Interesse krankenden 10. Hungerspiele zum Paradiesvogel und Unterhaltungswert, den Snow zu nutzen weiß.

Die Tribute von Panem: Interviews

Besonders spannend ist außerdem eine tiefere Erforschung des Standes der Friedenswächter, die als weiße Handlanger bisher eher gesichtslose Ordnungshüter blieben. Darüber hinaus ergibt der Titel der Hungerspiele in der Vorgeschichte noch mehr Sinn als zu Katniss' Zeiten.

Die Tribute von Panem sind bereit für ihren nächsten großen Kino-Auftritt

Um all das herum entfaltet sich eine Geschichte von Liebe, Leid und Verrat, die in einen Film gegossen ohne Probleme der nächsten Hunger-Games-Adaption zu einem Blockbuster-Status verhelfen sollten.

Dabei schafft die neue Tribute von Panem-Geschichte es nebenbei sogar, politisch-philosophische Theorien (von Hobbes, Locke und Rousseau) zu Gesellschaft, Kontrolle und Herrschaft einzustreuen. Bildung im Gewand eines Spektakels - bleiben da noch Wünsche offen?

Die Tribute von Panem: Gesetz und Ordnung mit Friedenswächtern

Gestorben wird zudem längst nicht nur auf Seiten der Tribute und die zahlreichen Gefahren der hakenschlagenden Story lauern nicht nur in der Arena. Dass für alle Beteiligten viel auf dem Spiel steht, kann auch die Verfilmung zu nutzen wissen.

Stoff für einen atemlosen Film bietet Die Tribute von Panem X also reichlich - sogar so viel, dass die Umsetzung (diesmal berechtigtermaßen) zwei Filme in Erwägung ziehen sollte. Denn nach dem Ende der Hungerspielen ist das Buch noch längst nicht zu Ende. Nach zwei Dritteln stürzt es sich in einen völlig neuen Handlungsstrang, der im Prinzip als eigenständige Geschichte funktioniert.

Doch was auch immer die Zukunft bringt, am Ende bleibt die Überzeugung: Es kann gar nicht schnell genug gehen, bis Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange ins Kino kommt. Denn auch wenn wir keine neue Katniss Everdeen erhalten, schlummert hier das Potenzial für einen umwerfenden Kino-Neustart des Franchises.

Habt ihr das neue Hunger Games-Buch Die Tribute von Panem X gelesen oder habt es noch vor?

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