True Detective-Debakel endlich erklärt: Eine der besten Serien aller Zeiten scheiterte an schmerzhaftem Machtkampf

23.09.2021 - 15:30 Uhr
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True Detective - S01 Trailer Atmospheric (English) HD
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True Detective
Nach einer meisterhaften ersten Staffel nahm die Qualität von True Detective merklich ab. Der Regisseur erklärte nun den harten Machtkampf hinter den Kulissen.

Die erste Staffel der Thriller-Serie True Detective zählt zum Besten, was in der Serien-Welt zu finden ist. Matthew McConaugheys und Woody Harrelsons alptraumhafte Jagd nach einem diabolischen Kindermörder ist so brillant inszeniert, atmosphärisch dicht und niederschmetternd düster, dass sie für viele eine der großartigsten Serien-Staffeln überhaupt darstellt.

Umso größer war die Fan-Enttäuschung, als sich in Staffel 2 viele dieser Tugenden verflüchtigt zu haben schienen. Für den Wandel machten manche den Ausstieg von Regisseur Cary Joji Fukunaga verantwortlich, der sich offenbar mit Showrunner Nic Pizzolatto überworfen hatte. Nun gibt Fukunaga zum ersten Mal größere Details zum Debakel hinter den Kulissen preis – und offenbart damit, woran die Serie gescheitert sein könnte.

True Detective-Regisseur enthüllt den Machtkampf um die Serie

Im Interview berichtete der James Bond 007: Keine Zeit zu Sterben-Macher Fukunaga davon, was für eine schmerzhafte Erfahrung die Arbeit mit Pizzolatto für ihn war (via The Hollywood Reporter ):

'Autor und Regisseur sind ein Team', sagte er mir. Aber im Projektverlauf positionierte sich Nic immer wieder so, als sei er mein Boss. Ich sagte: 'Du bist doch nicht mein Vorgesetzter. Wir sind Partner.' Als es dann in die Post-Production ging, bekam er von Leuten wie [Ex-HBO-Chef] Michael Lombardo mehr Macht. Das war unglaublich entmutigend, denn es fühlte sich nicht mehr nach einer echten Zusammenarbeit an.

Nach diesem Erlebnis stieg Fukunaga aus der Serie aus. Als einige Zeit später die zweite Staffel atmosphärisch einen anderen Tonfall anschlug, führten viele Kritiker ihr Missfallen auf Fukunagas Fehlen und Pizzolattos dadurch unkontrollierte künstlerische Selbstverliebtheit zurück. Dem stimmt Cary Joji Fukunaga nun mit deutlichen Worten zu:

[Pizzolatto] ist ein guter Autor, aber ich denke, man muss bei ihm jede Menge kürzen. Er beschäftigt sich zu viel mit dem Text und zu wenig mit der Wucht der Story. Ich musste immer damit kämpfen, diesen langen Dialog-Szenen Leben einzuhauchen.

Staffel 2 von True Detective ist zwar alles andere als eine Katastrophe – Vince Vaughns und Colin Farrells Schauspiel ist großartig, die Story noch immer spannend und gespickt mit fesselnden Themen. Aber sie ist letzten Endes nur ein solides Polizei-Drama, wo ihr Vorgänger einfach ein erbarmungsloser Schlag in die Magengrube war.

Cohle und Hart auf der Spur eines Verdächtigen

Mit Farrell fiebere ich mit. Aber McConaugheys Rust Cohle etwa zerrt mich brutal in seine Welt – auf einen verpesteten, widerlichen Müllklumpen namens Erde, der ziellos und von menschlichen Monstern bevölkert durchs All rast.

Ob der Wandel in der zweiten Staffel nun aber allein das Resultat von Fukunagas Ausstieg ist, sei dahingestellt. Fest steht, dass er und Pizzolatto Staffel 1 zu dem Meisterwerk, gemacht haben, das es ist – was sich einfach zeigen lässt.

Alle lieben Rust Cohle: Pizzolattos Dialoge in True Detective sind sofortige Klassiker

Denn auch wenn Showrunner und Autor Pizzolatto einen Hang zum Wörterexzess hat, gehen doch viele der besten Szenen aus True Detective auf sein Talent zurück. Gerade Fanliebling Rust Cohle wirft dabei oft derart präzise und unbarmherzig mit seiner Menschenverachtung um sich, dass viele der Sprüche es für immer ins Herz aller Fans geschafft haben.

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Fukunagas Regie verleiht True Detective erst richtig Kraft

Ähnliches gilt für Harrelsons brüchigen Familienpatriarchen oder Michelle Monaghans bittere Wut. Was aber diesem Aufeinanderprallen von Weltsichten und Emotionen eine atemlose Spannung und zeitweise brutale Geschwindigkeit verleiht, ist Fukunagas Regie. Berühmt geworden ist dabei etwa seine Umsetzung einer Szene in Folge 4, die Cohles nervenaufreibende Jagd zwischen den Fronten von Nazi-Bikern und Gang-Mitgliedern für mehrere Minuten ohne (sichtbare) Schnitte umsetzt.

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Egal, was man nun von Staffel 2 und 3 der Serie halten mag: Am besten war True Detective, als Autor und Regisseur miteinander rangen und dabei eine Möglichkeit fanden, beide ihre Talente auf den Bildschirm zu bekommen. Das sollten sich die Verantwortlichen für eine mögliche vierte Staffel zu Herzen nehmen.

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