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Wie Blau ist eine warme Farbe & Co. Sex inszenieren

Blau ist eine warme Farbe
© Wild Bunch
Blau ist eine warme Farbe

Die Kontroverse ist abgeklungen. Der Ruhm bleibt. Blau ist eine warme Farbe hat nicht nur seinem Regisseur Abdellatif Kechiche und den beiden Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos dieses Jahr die Goldene Palme in Cannes eingebracht, auch rückte eine amüsante und fragwürdige Streiterei zwischen den drei Preisträgern, sowie äußerst explizite lesbische Sexszenen den französischen Film ins begehrte Scheinwerferlicht der Weltbühne. Blau ist eine warme Farbe startet diese Woche am 19.12.2013 in unseren Kinos, ist aber nicht der einzige sexlastige Film mit äußerst positiven Kritiken dieses Jahr.

Allen voran liefen neben dem leidenschaftlichen Liebesdrama Blau ist eine warme Farbe 2013 bereits der französische Thriller Der Fremde am See von Alain Guiraudie, welcher es in die Top 10 von Cahiers du Cinema und Sight & Sound geschafft hat. Etwas abgeschlagen auf den Bestenlisten findet sich auch die Sexsucht-Komödie Don Jon von und mit Joseph Gordon-Levitt. Dass diese drei Werke jedoch sehr wenig gemeinsam haben und wie unterschiedlich sie mit dem Thema Sex umgehen, ist zugleich faszinierend und einer näheren Betrachtung würdig.

Sag mir deinen Namen und ich sag dir…
Diese drei Filme, welche uns per Kamera, Schnitt und Geräuschkulisse ein sehr unterschiedliches Bild vom Sex ihrer Hauptcharaktere bieten, haben jedoch eines gemeinsam – der Titel lässt sehr klar darauf schließen, was uns erwartet. Der Originaltitel von Blau ist eine warme Farbe lautet La vie d’Adèle, also Das Leben von Adèle, und weicht damit im Gegensatz zum deutschen Filmtitel von der Comicvorlage ab. Der Film will noch näher an seiner Hauptdarstellerin sein, die ihre Sexualität entdeckt und ihre erste lesbische Liebe findet. Wie eine perfekt geformte Statue filmt der Regisseur seine Protagonistin im sanften Licht, als wolle er seinen Zusehern eine idealisierte, lesbische Liebesszene bieten. Don Jon hingegen triumphiert zumindest zu Beginn mit einem selbstüberzeugten Macho und Frauenhelden der ersten Stunde und Der Fremde am See mutet abseits der Suspense-gefüllten Mörder-Story an wie eine distanzierte Dokumentation über das Sexualverhalten von uns Fremden an einem See.

Kontrovers
Als kontrovers dürfen alle drei Filme bezeichnet werden, da sie sich alle in eingängiger Art und Weise mit Sex beschäftigen und sich in diesem Fall stets starke Gegenstimmen finden lassen, denen die expliziten Szenen zu ausführlich, zu schön, zu schmutzig oder zu lang sind. Für den Telegraph schreibt Kate Bussmann, dass die erste Sexszene in Blau ist eine warme Farbe so ausführlich und lang sei, dass sie erstmals bei solch einer Darstellung auf die Uhr geblickt hat.

Doch ob Tabuthema oder die schönste Sache der Welt, Der Fremde am See, welcher beim New York Film Festival und zahlreichen anderen wichtigen Festivals dieses Jahr zu sehen war, wurde aufgrund seiner expliziten und ausführlichen Schwulensex-Szenen aus den libanesischen Kinos verbannt und stieß bei Kinogehern mit homophoben Tendenzen auf starke Überforderung. Bei Don Jon machten sich Stimmen gegen den scheinbaren Sexismus bemerkbar, der jedoch bei näherem Hinsehen im Verlauf des Films ausgehebelt wird. Seine moralische Lehre, dass sich die Hauptperson beim Sex auf ihr Gegenüber einlassen muss, fehlt Blau ist eine warme Farbe und Der Fremde am See vollkommen.

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moviepilot Team
sciencefiction Andrea Wöger
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