The North Remembers

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 2, Folge 1

Melisandre mischt das Geschehen in Westeros auf
© HBO
Melisandre mischt das Geschehen in Westeros auf

Lang mussten wir warten auf Staffel 2 von Game of Thrones, doch am Sonntag war es soweit. HBO strahlt wöchentlich die neuen Episoden der Fantasy-Serie von David Benioff und D.B. Weiss aus. All jene unter euch, die die Serie schon bei der Erstausstrahlung verfolgen, können hier jeden Dienstag meine Gedanken zu den Folgen nachlesen, Anstoß nehmen und mitdiskutieren. Die Spoiler in den Texten beziehen sich alle auf die jeweils besprochene Folge. Ich habe die Vorlage A Clash of Kings von George R.R. Martin gelesen, aber dieses Wissen dient nur dem Vergleich zur Adaption. In den Kommentaren sollte ähnlich verfahren, Spoiler zu kommenden Handlungswendungen markiert werden.

The North Remembers
Von King’s Landing springen wir im Season-Auftakt nach Winterfell, zu Daenerys in die Wüste, jenseits der Mauer, nach Dragonstone, in Robbs Lager und schließlich wieder nach King’s Landing. Das sind nur die ersten 40 Minuten von The North Remembers, einer Folge, die uns mit dem Status Quo in Westeros und Umgebung vertraut macht. In King’s Landing herrscht Joffrey mit tyrannischer Grausamkeit und es liegt an seinem Onkel Tyrion, dem blonden Bengel Einhalt zu gebieten (“We looked for you on the battlefield, and you were nowhere to be found.” “I’ve been here, ruling the kingdoms!” “And what a fine job you’ve done.”). In Winterfell träumt der gelähmte Bran von Wölfen. Daenerys quält sich mit ihren Untertanen durch die Wüste. Wären nicht die Drachen (Womit werden die eigentlich gefüttert?), erschiene ihre Odyssee vollends trostlos. Mit der Night’s Watch kehrt Jon Snow derweil beim Wildling Craster ein und wir lernen, dass nicht nur in King’s Landing und Casterly Rock dem Inzest gefrönt wird.

Einen neuen Ort, der sogleich in den Vorspann aufgenommen wurde, besuchen wir in der schaurigsten Sequenz der Folge. Auf Dragonstone huldigt Stannis Barratheon, Bruder des toten Königs Robert, dem Lord of Light, buchstäblich angefeuert durch die Priesterin Melisandre. Mit ihren verräterisch weichen Zügen reißt Carice van Houten die dankbare Rolle sogleich an sich. Dagegen verblassen Stannis und dessen treuer Ratgeber Davos Seaworth ein wenig. Zum Verständnis: Auf Westeros ist der Glaube der Sieben und jener an die alten Götter verbreitet. Das Befremden des Maesters hat also auch etwas mit dem religiösen Einfluss Melisandres auf Stannis zu tun. Als böten die martialischen Verbrennungen am Strand nicht Grund genug zur Sorge. Ein bisschen fühlte ich mich an The Wicker Man erinnert.

Power is Power
Um der allzu episodischen Erzählweise zu entgehen, die die erste Staffel von Game of Thrones teils lahmlegte, haben sich David Benioff und D.B. Weiss clevere Straffungen ausgedacht. Der Dragonstone-Prolog aus dem Buch wird in die Mitte verschoben, damit Tyrions Auftritt schon in den ersten Minuten den Wiedererkennungsfaktor steigert. Bei so weit auseinander ragenden Handlungssträngen lohnt außerdem ein visuelles Motiv als Verbindung. Der Komet am Himmel über Westeros und dem östlichen Kontinent übernimmt diese Funktion. Als drohendes Unheil schwebt er über den einen, als hoffnungsvolles Zeichen über den anderen. Wildling Osha erläutert uns freundlicherweise die Deutungen. Sie selbst glaubt nur an eine: Drachen!

Es wäre zu begrüßen, wenn die kommenden Folgen eine ähnliche visuelle wie inhaltliche Einigkeit suchen. Obwohl in The North Remembers wenig passiert und viel geruhsam vorbereitet wird, bietet die Folge einen erstklassigen Einstieg in eine neue Staffel. Sie überzeugt mit dem Vertrauten und lockt mit neuen, unbekannten Variablen. Was ist von Stannis zu halten, der anscheinend nur den Thron beansprucht, weil es sein Rechtsempfinden gebietet? Welche Agenda verfolgt Melisandre (For the night is long and full of terrors!)? Was geschieht mit Crasters Söhnen? Wird Dany in der Wüste verenden, damit sich Game of Thrones endlich den wichtigen Dingen widmen kann: den Bordellen von Littlefinger?

Zum Ende hin steht einmal mehr fest, dass diese Serie unter dem Erfolg nicht verweichlichen wird. Da stürmen Mitglieder der Königsgarde durch King’s Landing und töten die unehelichen Kinder von Robert Barratheon. Macht muss erhalten werden. Mit allen Mitteln. Nur der junge Schmied Gendry entkommt unwissentlich auf der King’s Road gen Norden. Mit ihm reist Arya, meine, das sei hier zugegeben, Lieblingsfigur, über deren Verbleib zuvor gerätselt wurde, die wir aber erst jetzt zu Gesicht bekommen. Und dann ist sie schon wieder weg. Die Gefahr droht, nur weiß sie nichts davon und ich will unbedingt sehen, wie es nächsten Sonntag in The Night Lands weitergeht.

Zitat der Folge: “Must be hard for you to be the diappointing child.”, sprach Peter Dinklage als Tyrion Lannister, frisch gebackener Vertreter der Hand des Königs und neuer Herrscher über den Game of Thrones-Vorspann.

Wie hat euch die erste Folge der zweiten Staffel von Game of Thrones gefallen?

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."
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