X-Men 2: Das MCU kann noch viel von der Fortsetzung mit Hugh Jackman lernen

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© 20th Century Studios
X-Men 2
10.02.2020 - 18:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Auf 10 Filme hat es die X-Men-Saga bereits gebracht. Eindrucksvoller als in X-Men 2 konnte das Mutanten-Franchise seine Qualitäten jedoch nie wieder zum Ausdruck bringen.

Mit X-Men - Der Film war Regisseur Bryan Singer Anfang der Jahrhundertwende maßgeblich dafür verantwortlich, den bis heute anhaltenden und im letzten Jahr in Avengers 4: Endgame kulminierten Superhelden-Boom auf der Leinwand einzuleiten. Dass Fortsetzungen dem Original indes nicht zwangsläufig unterlegen sein müssen, hat X-Men 2 drei Jahre später glorreich unter Beweis gestellt.

Man darf sogar so weit gehen und sagen, dass X-Men 2 zusammen mit Spider-Man 2 die wohl beste Comic-Verfilmung der Halbdekade sowie den stärksten Teil der gesamten X-Men-Reihe darstellt. Wie auch im zweiten Abenteuer von Sam Raimis Wandkrabbler, gelingt es Bryan Singer mit Bravour, stimmungsvolle Set Pieces mit zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Themen in Kombination zu bringen.

Die Mutantenproblematik wächst: Darum geht es in X-Men 2

Nachdem US-Präsident McKenna (Cotter Smith) nur knapp einem Attentat des Mutanten Nightcrawler (Alan Cumming) entgehen konnte, erhält der für seine barbarischen Methoden bekannte Militärwissenschaftler William Stryker (Brian Cox) die Erlaubnis, seinen langen geplanten Feldzug gegen die Mutanten endlich in die Tat umzusetzen.

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Professor Xavier (Patrick Stewart), Wolverine (Hugh Jackman), Jean (Famke Janssen) und die anderen X-Men haben nur eine Chance, um den Mann zu besiegen, der alle ihre Schwächen kennt: Sie müssen sich mit Magneto (Ian McKellen) und Mystique (Rebecca Romijn) verbünden, um so einen Krieg zu verhindern, der nicht nur die Existenz der Mutanten aufs Spiel setzen würde.

Der Schlüssel zum Erfolg: X-Men 2 interessiert sich für seine Charaktere

Während X-Men noch mit den obligatorischen Problemen eines ersten Teils zu ringen hatte und viel Zeit seines eher gemächlichen Tempos darauf verwendete, Figuren fast schon im Stil einer Seifenoper einzuführen, kann X-Men 2 von Beginn an in die Vollen gehen. Bereits das sensationell montierte Opening, in dem der Teleporter Nightcrawler im Zuge einer dynamischen Action-Sequenz eingeführt wird, ist beeindruckender als jede einzelne Minute des Vorgängers.

  • Zum Weiterlesen: Die X-Men sind viel zu gut fürs Marvel Cinematic Universe

Daraufhin legt sich ein fast schon bleierner Schleier der Bedrücktheit über den Film, denn die Ereignisse auf Liberty Island wenige Monate zuvor haben eindeutig ihre Spuren bei unseren Helden hinterlassen. Dass die Charaktere bereits in Stellung gebracht wurden, ermöglicht es Bryan Singer, erzählerisch ungemein geschlossen und konzentriert zu arbeiten. Das Hauptaugenmerk liegt dabei durchweg auf den Befindlichkeiten der Figuren.

X-Men 2

Obgleich X-Men 2 dank seines weitaus üppigeren Budgets (35 Millionen US-Dollar mehr im Gegensatz zu Teil 1) auf einen deutlich spektakulären Einsatz von wohltemperierten CGI-Effekten setzen kann, besticht das Sequel durch ein geradezu aufrichtiges Interesse am Innenleben der durchweg charismatisch gecasteten X-Men. Ihre Hintergründe werden ausgebaut, ihre Emotionen greifbar gemacht und Comic-Panels auf erstaunliche Art und Weise zum Leben erweckt.

X-Men 2 denkt nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch gesellschaftspolitisch

Während Wolverine beispielsweise auf seinen Schöpfer treffen darf und sich mehr und mehr dem bisher nebelverhangenen Schmerz seiner Vergangenheit konfrontiert, werden die Alpträume von Jean zusehends schlimmer und belasten nicht nur ihre Beziehung zu Cyclops (James Marsden). Sie münden in einer düsteren Vorahnung, die sich schließlich in X-Men: Der letzte Widerstand aus dem Jahre 2006 bewahrheiten wird.

Weitaus grundierter geht X-Men 2 auch mit seiner übergeordneten Rassismus- und Außenseiterthematik um, die der Geschichte eine parabolische Tragik einräumt. Furcht, Misstrauen und Hass wachsen zusehends in der Gesellschaft seit dem Bekanntwerden der Mutanten-Existenz. Nicht nur der Mensch erliegt dem Zwang, zerstören zu wollen, was er nicht assimilieren kann. Auch Magneto umtreiben faschistoide Motivationen.

X-Men 2

Er sieht die Mutanten als nächsten Glied in der Kette der Evolution und glaubt, nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen in einem Konzentrationslager während des Zweiten Weltkrieges, dass eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Mutanten unmöglich ist. Als ungemein packend erweist sich dabei der Umstand, wie der Film es vollbringt, das Übermenschliche mit dem Menschlichen in Relation zu bringen, um das komplexe Konfliktpotenzial der Geschichte auf einer sehr klaren, empathischen Basis zu erden.

Heutige Comic-Blockbuster können viel von X-Men 2 lernen

Das heutige, vollkommen überstrapazierte Comic-Blockbusterkino kann indes viel von X-Men 2 lernen: CGI-Bombast beispielsweise muss nicht nur um des Schauwertes willen in das Geschehen integriert werden, wie wir es zum Beispiel im MCU viel zu oft erleben. Tatsächlich können Spezialeffekt die eigentliche Geschichte unterstützen, wie man nicht nur in diesem Fall sieht, sondern auch in Sam Raimis grandioser Spider-Man-Trilogie.

Vor allem aber ist es die Sensibilität und Umsicht, mit der Bryan Singer das Comic-Genre ausbaut und seine Helden aus einer existenziellen, sehr nahbaren Perspektive betrachtet werden. Selbst ein hassenswertes Scheusal wie William Stryker bekommt mehrwertige Facetten zugesprochen, die Brain Cox' Performance nicht zur durchtriebenen Militär-Karikatur des Bösen verkommen lassen. Fest steht: X-Men 2 ist ein großartiger Film, damals wie heute.

X-Men 2 läuft heute Abend um 20:15 Uhr auf Kabel eins.

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