PalimPalim - Kommentare

Alle Kommentare von PalimPalim

  • Nnnnooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    1
    • Mir fallen da noch Shadow of the Vampire (Das Nosferatu Making-Off :) ), Day of the Locust (Behandelt das Hollywood-Studiosystem) und Muxmäuschenstill (Dokumentarfilmparodie) ein. Und auch die Animes von Satoshi Kon. Vor allem Millenium Actress und auch Paprika.

      • 7 .5

        Chronicle erscheint innerhalb der Superhelden- Filmwelle der letzten Jahre innovativ, vor allem Aufgrund seines Found-Footage Looks und der subtilen Prämisse, die keine epischen, weltvernichtenden Schlachten vorsieht, sondern das Eindringen von Superkräften in den Alltag dreier Teenager beschreibt. Dabei wird insbesondere der verantwortungsvolle Umgang mit Macht thematisiert. Aus harmlosen Späßen wird tödlicher Ernst.
        Das Entdecken von Superkräften als Allegorie auf das Erwachsenwerden zu verstehen. Der kindliche Möglichkeitshorizont wird erweitert, jedoch besitzt nun jedigliches Handeln unabwendbare Konsequenzen. Die Protagonisten entdecken, mit kindlicher Spielfreude, immer mehr ihrer Fähigkeiten und halten sie auf Video fest. Der Found Footage Look, der bekannte Youtube- Filmstile imitiert (Freunde filmen ihre Albernheiten) trägt stark zur Atmosphäre des Films bei, auch wenn er teils, wie in der den Gegenschuss filmenden Kamera von Matts Freundin, aufgesetzt wirkt. Insgesamt ist der Film stilistisch gelungen und weist mit Seattle ein unverbrauchtes Setting auf. Die visuellen Schauwerte erstaunen insbesondere in Anbetracht des geringen Budgets.
        Jedoch hat der Film zum Ende hin einige Storyschwächen aufzuweisen. Etwas unmotiviert wird ein Protagonist zum marodierenden Psychopathen und klischeebeladene Superhelden- Genreversatzstücke bestimmen fortan den zuvor noch recht ambivalenten Plot. Hier hätte dem Film weniger Schwarz-Weiß Zeichnung gut getan. Gerade die Ambivalenz zwischen Allmacht und Moral wurde zuvor schon in anderen Filmen, wie Brian de Palmas THE FURY, besser, und auch konsequenter, verarbeitet.
        Dennoch ist Chronicle innerhalb der momentanen endlosen Flut an Superheldenfilmen ein kleiner Lichtblick.

        • 5 .5

          Die Prämisse des Films verspricht einen aberwitzigen, sozialkritischen Spaß mit drei unbeschreiblich bösartigen Bossen. Während einige Gags, insbesondere bei Kevin Spacey und Colin Farell, zünden, wirken die Übrigen oft wie aus dem Standardinventar der Rated-R Komödien-Mottenkiste entnommen: irrtümlicher Drogenkonsum, abstruse Sexualpraktiken und die üblichen Verwechslungen. Nahezu die gesamte Handlung besteht aus bekannten Genrezutaten und wirkt dabei viel zu generisch. Charaktere und Dialoge ließen sich in jede x-beliebige Komödie verfrachten. Zudem werden Szenen komödientypisch nur auf die Pointe hin aufgebaut und, besonders wenn es durch weitere Überspitzung interessant werden würde, fallen gelassen.
          Nie hat der Film, entgegen seiner Prämisse, den Mut tatsächlich aus seinem konventionellen Korsett auszubrechen und sozialkritische oder irgendwie geartete subversive Töne anzuschlagen. Was bleibt ist eine harmlose, glattgebügelte Schmunzelkomödie.
          Allgemein lässt sich feststellen, das R-Rating Komödien momentan zwar eine Renaissance erleben, sich jedoch formell meist nur durch ihren F-Wort Gebrauch von ihren Familienkomödien-Vettern unterscheiden. Leider produziert das Hollywood System in dieser Hinsicht auch nur beliebige, bisslose Konfektionsware.

          3
          • 8

            The Intruder ist nicht nur der Beste Film des B-Movie Königs Roger Corman, sondern auch sein einziger Film, der keinen Profit erwirtschaften konnte. Nach einer Reihe schnell heruntergekurbelten und billigst produzierten, kommerziell erfolgreichen B-Movies mit hohem Trash Faktor wagte sich Corman als einer der Ersten an das Thema Rassenhass und Segregation.
            Herausgekommen ist ein Film, in dem William Shattner, der spätere James T. Kirk, einen schmierigen, rhetorisch gewandten Rassisten spielt, der in einer amerikanischen Kleinstadt die Bevölkerung dazu aufhetzt, gegen die Abschaffung der Segregation an der örtlichen Schule vorzugehen.
            Das Anschauen des Films lohnt sich allein schon deshalb, um Shattner bei seinem Spiel zuzusehen. Er ist kein stupider Raufbold, sondern ein gewandter Verführer, ein schlangenartig agierender Politiker, der die Bevölkerung des Ortes mit seiner rhetorischen Gewandheit, seinem Charme und gutem Aussehen zu manipulieren versteht.
            Sein Charakter ist ein Strippenzieher, der in der Lage ist die Menschen so zu manipulieren, das sie ihm blind folgen. Es zeigt die Eigendynamik des Faschismus, der sich nur allzu leicht in die Köpfe der Menschen einschleicht.
            Dennoch hat der Film auch einige kleine Schwächen. Zum einen ist er, mit Ausnahme des Shattner Charakters, etwas zu polemisch und "In your Face" inszeniert, zum anderen ist er auch manchmal in Skript und Regie etwas holprig und unbeholfen. Zudem folgt Corman erneut seiner Regel alle 10 Minuten entweder Sex oder Gewalt zu zeigen, was in einem politischen Drama zuweilen etwas deplatziert wirkt.
            Insgesamt ist er, vor allem durch Shattners faszinierend ambivalenten Charakter, der den Protagonisten als Bösewicht zeigt, mehr als sehenswert und verdient filmhistorische Anerkennung.

            1
            • 8

              Less than Zero ist wie ein Konglomerat der 80er. Wie kaum ein anderer Film bringt er sämtliche Entwicklungen des Jahrzehnts zusammen: Filmtechnik, Design, Lebensgefühl. Hervorragend gefilmt führt der Film alle Stilmittel zum Höhepunkt, die in den 80er Jahren Popularität erlangten. Seine Videoclipästhetik nutzt präzise kalkulierte Kamerafahrten, extravagante Bildkonzepte und schreckt auch nicht davor zurück Schwarz Weiss für Rückblenden einzusetzen. Die Szenen sind mit neonfarbigen, den artifiziellen Eindruck verstärkenden Licht ausgeleuchtet: allgemein treibt der Film den in den 80ern populären Einsatz von farbigen Lichtquellen ans ästhetische Limit. Jetzt könnte man eindeutig schreien: Style over Substance!
              Aber das würde dem Film unrecht tun. Die beiden Ebenen, Inhalt und Ästhetik, finden hier perfekt zueinander. Die Protagonisten bewegen und verlieren sich in einer aufregenden, aber kalten Kunstwelt, die nur dazu dient den eigenen Hedonismus zu feiern. Ebenso hedonistisch agiert die Kamera, die ihre optischen Kabinettstücke selbstverliebt vorführt, aber sich dennoch nah genug an den Protagonisten befindet, um Empathie zu erzeugen.
              Das kalkulierte, präzise und kalte Element der Kamera ist das emotionale Äquivalent zur neonfarbenen Lebenswelt der Clubs und der im Film beschriebenen hedonistischen Generation der 80er. Die gelackte 80s Filmoberfläche passt hervorragend zur Handlung.

              Musikalisch wird überraschenderweise auf den zu erwartenden Syntie-Soundtrack verzichtet. Sogar Jimmy Hendrix ist zu hören. Der sphärische Soundtrack von Thomas Newman, der die emotionalsten Szenen begleitet, ist sowieso eine Klasse für sich.
              Etwas sauer stößt dann doch das moralinsaure Ende auf. Kevin McCarthys Charakter wirkt manchmal wie ein lebender Anachronismus: Ein moralisch integrer Jugendlicher aus der 50er McCarthy Ära, der die verkommene 80s Generation in das goldene Zeitalter fester moralischer Konventionen zurückführen will. Sein Kleidungsstil und seine 50er Corvette untermauern diesen Eindruck. Die moralische Keule der konservativen Regan Ära bleibt leider spürbar, ist aber zugleich auch ehrlicher Ausdruck des Zeitgeistes. Die wohl extreme Entschärfung der Vorlage von Bret Easton Ellis stößt bei Kennern sauer auf, aber wenn man dies ausser acht lässt ist Unter Null immer noch ein starker Film mit großartigen Darstellern. Ein Film der kaum mehr 80s sein könnte.

              3
              • 4 .5

                Schönes Trashfest. Ein bärtiger Held im ABBA Glitzerkostüm, unterirdisch dämlicher Humor, ein ganz und gar nicht böser Antagonist, kinderfreundliche Action... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Dieses grandios gescheiterte, hoch budgetierte Actionvehikel von Ex Stuntman und Burt Reynolds Stammregisseur Hal Nedham weiß selbst nicht so ganz was es sein will. Die Actionszenen und das Design können optisch oft überzeugen, ändern aber nichts am konfusen Script, den miesen Schauspielern und der schlechten Regie. Andererseits ist Megaforce ein wirklich unterhaltsames Trasherlebnis mit vielen "magischen" Momenten (wie das Finale)! Es wird ersichtlich warum dieser Film die South Park Macher zu "Team America - World Police" inspirierte.

                2
                • 8

                  Black Swan ist ein gelungener und intensiver Film. Im Gegensatz zu Aronofskys Komplementärfilm The Wrestler ist die Protagonistin ein fragiles, psychisch wie physisch zerbrechliches Wesen, die sich in vollkommen anderer Weise zu ihrer Umwelt positioniert als Mickey Rourkes Charakter. Sie ist geleitet von Leistungsdruck und Versagensängsten, die Angst am Scheitern treibt sie zur Perfektion. Die psychisch verstörte Protagonistin, die durch ihre, von ihrer Umwelt geförderten Paranoia an ihrem Verstand zweifelt, erinnert stark an die Protagonistin in Polanskis Ekel. Zugleich bildet Natalie Portmans Weg zur Darstellerin des Black Swan die Coming of Age Geschichte einer nur scheinbar erwachsenen Frau. Die Kameraarbeit ist sehr gelungen: virtuose Tanzszenen und Plansequenzen vermitteln eine faszinierende und zugleich beunruhigende Athmosphäre. Die häufigen Reflexionen der Protagonisten in den allgegenwärtigen Spiegeln sind Ausdruck der perfekten Scheinwelt, die jedoch äußerst zerbrechlich ist.
                  Der Film bietet auch Schattenseiten. In übertriebender Weise setzt Aronofsky auf Schockmomente, die eins zu eins aus dem Horrorgenre abgekupfert sind und somit häufig platt und effekthascherisch erscheinen. Zudem gesteht der Film dem Zuschauer nie die Möglichkeit ein, selbst zu entscheiden, ob das gerade Gesehene real oder nur dem Kopf der Protagonistin entsprungen ist. Spätestens nach wenigen Minuten erfolgt, einer Quizsendung gleich, die Auflösung. Gerade dieser Mangel an Ambiguität fehlt nahezu sämtlichen neueren Filmen und lässt den Zuschauer leider oft zum passiven Konsumenten verkommen.
                  Black Swan ist gut und packend, aber nicht Aronofskys stärkster Film.

                  1
                  • 8 .5
                    über Lenny

                    Lenny ist die Biopic des kontroversen, in den 1960ern populären US Komikers Lenny Bruce.
                    In ein Reporterinterview eingebettet das als Rahmenhandlung dient, wird in Rückblenden vom Aufstieg Lennys erzählt, von seiner problemgeladenen Beziehung, seinen Konflikten mit den Autoritäten, und den daraus resultierenden nervenzerrenden Prozessen.

                    Lenny Bruce ist eine typischer Antiheld des Kinos des New Hollywood: Ein Rebell gegen das Establishment, der am System gegen das er kämpft zerbricht. Der Film setzt diese Thematik sehr geschickt und eigenständig um.
                    Fließend wechseln die Reporterinterviews mit Sequenzen aus Lennys Leben. Die Stand Up Comedy Sequenzen offenbaren die Innenwelt des Protagonisten und treiben die Handlung voran. In ihnen verarbeitet Lenny, unter dem Gewand des Humors, das was ihn zutiefst bewegt.
                    In Comedy Sequenzen aus verschiedenen Jahren, die in Szenen seiner Hintergrundgeschichte eingestreut werden, reflektiert Lenny überspitzt gewisse Plotereignisse. So werden die thematischen Stränge (Wie seine Ehe- oder Justizprobleme) aus Bildern verschiedener Zeitebenen gebildet.

                    Formal bietet der Film überragend gefilmte, stark kontrastierende schwarz weiss Bilder, die die Atmosphäre in den Clubs und Bars sehr gut einfangen. Zudem brilliert Dustin Hoffmann mit seiner Darstellung: Sein Charakter pendelt gleichzeitig zwischen Zynismus, Kälte und Liebenswürdigkeit. Auch die Nebenfiguren bilden überzeugende Charaktere. Der Film selbst ist empathisch, rotzig und zynisch und ist damit das Equivalent zu seinem Protagonisten.

                    1
                    • 8

                      Dust Devil erzählt die Geschichte eines mythischen Gestaltenwandlers, der in Gestalt eines Anhalters mordend durch die Wüste zieht. Leider wurde der Film vor seinem Erscheinen durch Miramax stark geschnitten, so dass ganze Handlungssequenzen fehlten. Glücklicherweise konnte Regisseur Richard Stanley im Directors Cut die ursprünglich intendierte Version wiederherstellen.
                      Der Film wird durch seine Erzählweise und seine gelungene Bildsprache zu einem Horrorfilm mit Arthausanleihen. Erfrischend ist das namibianische Setting ( inklusive Culture Clash) sowie die ungewöhnliche Mischung aus Mythologie, Serienkillerfilm und Road Movie. Der den Luftaufnahmen unterlegte Voice Over eines Schamanen reflektiert nicht nur die Legende des Dust Devils, sondern verbindet diese auch mit den Protagonisten. Diese und weitere ungewöhnliche Stilelemente wie Traum- und traumartige Sequenzen, Hitzeflimmern, Negativbelichtungen etc. erzeugen eine intensive, unheilvolle Stimmung. Der mythisch okkulte Subplot wirkt nicht wie so oft aufgesetzt, sondern integriert sich harmonisch ins Ganze, die Leistungen der Schauspieler sind zwar nicht überragend, aber stimmig. Dust Devil bietet eine gelungene Abwechslung von ausgetretenen Horrorpfaden und überzeugt Aufgrund der gelungenen, geradlinigen Inszenierung und der aussergewöhnlichen Bildwelten.

                      2
                      • 9
                        über Zardoz

                        "I present now my story, full of mystery and intrigue - rich in irony, and most satirical. [...] I am the puppet master. I manipulate many of the characters and events you will see. But I am invented, too, for your entertainment, and amusement. And you, poor creatures, who conjured you out of the clay? Is God in show business too?"
                        Arthur Frayn

                        Der Prolog weist die Richtung, für das irritiernde, alberne, und doch faszinierende Schauspiel, dass Zardoz dem Zuschauer bietet. Der Film ist nicht unfreiwillig komisch, er setzt seinen Humor und seine stilistischen Verfehlungen, wie den irrwitzigen roten Badeanzug von Sean Connery, bewusst ein. Zardoz ist als ein Parodie mit komödiantischen und dramatischen Elementen im Stile Shakespeares zu verstehen, worauf schon der Typus des Erzählers Arthur Frayn verweist. Der gesamte Plot ist von shakespearesken Momenten durchzogen: Die philosophischen Reflexionen der Figuren auf ihre Umwelt, das dramatisierte, konfliktträchtige Setting und teils auch die Sprachwahl der Dialoge. Der bizarre fliegende Steinkopf entstammt klassischen Masken der griechischen Tragödie.

                        Zardoz Stärke liegt besonders in der bewussten Aushebelung der bekannten Genrenormen. Er bricht mit nahezu allem, was das zeitgenössische Science Fiction Kino hervor gebracht hat und besinnt sich auf die Wurzeln dessen, was Science Fiction auszudrücken vermag. Er eröffnet eine Plattform für die Reflexion über das Wesen des Menschen, über den Konflikt zwischen Triebhaftigkeit und Kontrolle der menschlichen Natur.

                        Das Setting ist ungewöhnlich naturalistisch. Den natürlichen Sets in Irland wurde mit nur marginalen Veränderungen ein futuristischer Look verpasst. Trotz des geringen Budgets von 1 Mio. Dollar gelang den Set Designern eine aussergewöhnliche Ausstattung. Mit einfachen Mitteln wie Projektionen entstehen einzigartige psychedelische Bilderwelten.

                        Szenen wie die Verbannung einens Mitglieds der Eternals sind genauso irrwitzig komisch wie unterschwellig bedrohlich. Andere Szenen sind so überzogen, das man darüber Lachen möchte, doch kurz darauf folgt ein Erstaunen über die hohe Reflexivität des Gesagten. Selten hat es ein Film geschafft, sich so zielsicher zwischen vollkommener Lächerlichkeit und philosophischen Ernst zu bewegen.

                        Zardoz wurde als Egotrip John Boormans bezeichnet und erhielt überwiegend schlechte Kritiken in denen der Plot und die Lächerlichkeit des Dargestellten kritisiert wurden. Jedoch ist der Film ernsthafter und wahrhaftiger als ein Großteil der millionenschweren Science Fiction Kost heutiger Tage, die großartige optische Fiktionen bieten, aber verlernt haben, Fragen zu stellen. Zardoz ist, verpackt in das Kleid eines abstrusen komödiantischen Schauspiels, eine Bühne für philosophische Ideen, von denen im positiven Sinne mehr aufgeworfen als beantwortet werden. Ein sehr eigenwilliges und bizarres Werk, das auf den zweiten Blick mehr Tiefe offenbart, als es zunächst den Anschein hat.

                        16
                        • 9

                          Posession ist vor allem eines: unheimlich Intensiv. Anfangs sind es nur Szenen einer zerrütteten Ehe. Ein Paar hat sich während des Auslandsaufenthalts des Mannes auseinandergelebt. Die Frau hat einen Liebhaber. Schon in den ersten Szenen wird die unüberbrückbare Distanz zwischen den Charakteren spürbar. Adjanis Charakter wirkt verstört und abwesend, Sam Neils Figur besitzergreifend und voller Wut. Konfrontationen zwischen den Charakteren werden vollkommen physisch, es ist kein Raum für subtile Momente, es wird sich angeschrien und körperlich verletzt. Die Kränkung Neills ist so vehement, das sie in physischen Starre und Sprachunfähigkeit mündet, aus der er erst zurückfinden muss, um sich um seinen kleinen Sohn zu kümmern. Dennoch ist er besessen von seiner Frau, er will sie zurückhaben, auch mit Gewalt, seine Figur steht unter wahnsinnigem Strom, ist jederzeit bereit zu explodieren. Es stellt sich die Frage: Wer von den beiden ist der Wahnsinnige? Ist Adjanis Entrücktheit nur eine Flucht vor Neils Besessenheit nach ihr? Die Kamera wagt es, vollkommen leere Räume zu präsentieren, wie die Sequenz der Besprechung mit den Auftraggebern Neills. In weiten Kreisen rotiert sie um den Protagonisten, kommt nie zur Ruhe. Die flexible, unruhigende Handkamera ist das exakte bildliche Äquivalent zum Innenleben der Protagonisten, ebenso wie die desolaten Bilder Westberlins, die sich sehr oft an Grenzzonen entlang bewegen.
                          Posession will laut sein. Die Nebencharaktere sind extrem und schrill überzeichnet, passen jedoch perfekt in das filmische Universum. Plötzlich erschient die Einführung einer übernatürlichen Komponente. Ohne sie wäre er der Film auch fantastisch gewesen, mit ihr schlägt er eine andere, exaltiertere Tonart an. Der Wahnsinn potenziert sich fortwährend und beide Darsteller gehen über darstellerische Grenzen, die das, was man unter Schauspiel versteht übersteigen. Es bietet sich ein ungebändigtes, unkontrolliertes Chaos in einer aus den Angeln geworfenen Welt, die keinen Regeln mehr folgt. Somit ist Zulawskis Posession ein Film der auch lange nach dem Sehen noch nachhallt.

                          1
                          • 6 .5

                            Ridley Scott liefert sein neues Historienepos ab, das im Vorfeld durch die konfliktreichen Dreharbeiten von sich reden machte. Letztendlich sind diese Konflikte im Film nicht zu erkennen, innerhalb des Scottschen Filmuniversums bildet Robin Hood eine geschlossene visuelle und narrative Einheit. Dennoch wird es dem Anspruch, authentischer Historienfilm zu sein, nicht gerecht. Das Filmuniversum konstituiert eine Welt, die in visuellen Details Akuratesse betont und diese auch beeindruckend erschafft, jedoch geschichtliche Ereignisse neu konstruiert oder erfindet (z.B. die französische Seeinvasion). Die Darsteller, sind, trotz ihrer historisierenden Sprache moderne, aufgeklärte Figuren in historischen Kostümen. Marianne vertritt ein emanzipatorisches, neuzeitliches Frauenbild, wie es inzwischen historienfilmtypisch geworden ist, Robin Hood wirkt mit seiner Weitsicht wie ein Kind unserer Zeit, das die Geschichte rückblickend auf einer historischen Zeittafel zu werten versteht. Mark Strong erhält eine stereotypische Antagonistenrolle. Schon schnell wird klar das das Drehbuch sich klassischster Dramaturgie bedient und kein Interesse zeigt, die Figuren glaubhaft in ihrer Zeit zu verorten. Filmisch weckt der Film mehr Erinnerungen an Braveheart als an Gladiator. Visuelle Referenzen an Historienepen finden sich überall: von Klassischen wie Alexander und Braveheart (Ansprache an die Soldaten/Fürsten) bis zu modernen wie Saving Private Ryan (die Landungsszene der Franzosen ähnelt dieser im Schnitt, der Form der Landungsboote und den Unterwasser von Pfeilen getroffenen Soldaten frapierend). Zudem wird dem vormals regionalen Epos Robin Hoods nun eine Rolle zuteil, die ihm zum Volkshelden in ganz Britannien macht. Die exaltierte Vorgeschichte lässt Robins späteres Wirken als marginale Provinzposse erscheinen. Dennoch überzeugt Robin Hood als klassischer Hollywoodepos mit großen Schauwerten: ein angenehmer Gegenpol zu den heutigen Spielzeugverfilmungen im Stile eines Transformers. Scott liefert ein eigenes, seinen Vorstellungen entsprechendes Filmuniversum mit einer klassischen visuellen Kraft ab. Dies macht ihn, auch wenn seine Filme inhaltlich teils straucheln, zu einem außergewöhnlichen Filmemacher mit einem originären Stil, der der Filmlandschaft, sollte er irgendwann keine Filme mehr machen, fehlen würde.

                            • 5 .5

                              Der Film beginnt klischeehaft und konventionell, wirkt dabei aber recht vielversprechend. Jedoch ändert sich dies schlagartig mit der Entführung der Filmtochter Liam Neesons. Der Filmpapa, der die Bedrohung der Tochter im finsteren Moloch Paris bereits vorhersah, sieht ab diesem Moment an rot und schießt sich nun munter durch die nahezu bemitleidenswerte Pariser Unterwelt. Neeson scheint dabei als in Rage geratener Papa mehr damit beschäftigt zu sein, wahllos Informanten und Kleinkriminelle (laut Filmlogik nur Albaner) zu Tode zu hetzen, zu erschießen oder zu foltern, als ihnen brauchbare Informationen zu entlocken. Damit wird dieser Parforceritt häufig zur unfreiwillig komischen Actionparade. Die übermächtige Dampfwalze Neeson stampft stur und ohne Logik von einer Actionsequenz in die Nächste, während seine Gegner nur überrascht und etwas irritiert in den Lauf seiner Waffe schauen.
                              Neesons Charakter hat scheinbar mehr Spass daran, die Actionszenen seiner Lieblingsfilme nachzuspielen als die Entführer seiner Tochter zu finden: jeder zufällige Zaungast wird unabhängig von seiner Beteidigung am Geschehen über den Haufen geknallt.
                              Seltsam phlegmatisch wirkt auch die Pariser Polizei, die Neeson seinen Bodycout präsentiert, aber nie ins Handlungsgeschehen eingreift. Die Botschaft: Ein heiles Familienleben mit Frau und Kind ist soviel Wert wie ein Bodycount im Maßstab einer Kleinstadt. Gerade das konsequenzlose und süßliche Ende stößt sauer auf, da es die reaktionäre und unreflektierte Weltsicht des Films nocheinmal zementiert.
                              Die rassistisch diffamierende Haltung gegenüber Albanern erschreckt, wird aber durch andere Feinbilder, die später im Verlauf des Films erscheinen noch etwas gebrochen. Der Film bedient gnadenlos amerikanische Muster, trotz seiner französischen Produktion. Die wohl kalkulierte Adressierung an den amerikanischen Markt sorgte für einen großen Box Office Erfolg, aber auch zu einer massiven Verwendung altbackener Genremuster und -klischees, die vom europäischen Kino reformiert werden könnten. Man denke nur an das innovative amerikanische Actionkino eines Paul Verhoeven. Taken kann dem Vigilante Genre, abgesehen von seiner Komik, keine neuen Seiten abgewinnen.

                              1
                              • 6 .5
                                über Control

                                Ich muss zugeben, dass ich eine hohe Erwartungshaltung an den Film hatte die sich nicht erfüllt hat. Die Schwarz Weiss Bilder die Anton Corbjin und sein Kameramann hier generieren sind herausragend in Komposition und Tonung, doch ich wurde das Gefühl nicht los, das sie auf einem CD Booklet besser aufgehoben wären. Die Stilisierung der Bilder verhindert das Eindringen in die fragile Innenwelt des Frontmanns Ian Curtis. Die Bilder werden Aufgrund ihrer fotografischen Wirkung gewählt und kommen damit dem Protagonisten selten nahe. Sam Riley gibt eine phantastische Performance, die musikvideoartigen Konzertszenen sind überzeugend gespielt. Dennoch ist es gerade die Handlung die von Corbjins mangelnde Regieerfahrung zeugt. Er schafft es nicht, die inneren Konflikte Curtis filmisch zu verpacken, emotionale Momente wie (fiktive?) Tagebucheinträge oder sein Wunsch nicht mehr aufzutreten, werden nur kurz angerissen und erscheinen eher als abzuarbeitende Plotpoints zum traurigen Finale.
                                Negativ ist außerdem zu bewerten dass der Film auf dem Buch von Ian Curtis Frau basiert, die vermutlich darauf bedacht war, sich selbst und alle Beteiligten stets ins rechte Licht zu rücken. Curtis innere Zerrissenheit wird zwar dargestellt, ist aufgrund seiner handzahmen Umgebung für den Zuschauer nie richtig nachvollziehbar. Alexandra Maria Lara, als Französin mit deutschem Akzent, schafft es nur, Rehäugig in die Kamera zu schauen, leistet zum Film aber keinen ernstzunehmenden Beitrag. Spaßig und gut gespielt ist hingegen der kurze Cameo von Herbert Grönemeyer. Ich mag die Musik von Joy Division sehr, aber ich habe das Gefühl, dass dieser Film eine Menge Potenzial verschenkt hat.