Zug um Zug in den Wahnsinn

Bobby Fischer Against the World (2011),
Laufzeit 90 Minuten, Dokumentarfilm, Drama

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- Kritiker
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Bobby Fischer Against the World
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von Liz Garbus, mit Dick Cavett

Der wohl begnadetste Schachspieler des 20. Jahrhunderts war der Amerikaner Robert James “Bobby” Fischer, der sich Zug um Zug in den Wahnsinn spielte. Seit seiner Erfindung im sechsten Jahrhundert gilt Schach als Spiel der Könige, als klassisches Kriegsspiel und ultimative Herausforderung an den menschlichen Geist. Im 20. Jahrhundert überragte ein Spieler alle anderen: Der Amerikaner Robert James “Bobby” Fischer wurde von Beobachtern als Schachgenie und unberechenbarer Exzentriker beschrieben. Mit 15 Jahren war Fischer bereits Schachmeister der USA, sein größtes Ziel war es, Weltmeister zu werden und es auch für ungefähr 20 Jahre zu bleiben. 1972 war es soweit: Im isländischen Reykjavík trat der 29-Jährige im “Match des Jahrhunderts” gegen den amtierenden Schachweltmeister an, den Russen Boris Spasski. Seit Jahrzehnten dominierten sowjetische Spieler die Schachweltspitze. Doch in 18 Monaten Vorbereitungszeit auf die Begegnung hatte Fischer in einer beispiellosen Gewinnstrecke von 20 Spielen eine Reihe der besten sowjetischen Spieler besiegt. Aber in Zeiten des Kalten Krieges war das Match um den Weltmeistertitel nicht nur für die Schachwelt bedeutend. Es war gleichzeitig ein Kampf der Ideologien. Fischer und Spasski wurden in der Öffentlichkeit als Feinde wahrgenommen, die einen Stellvertreterkrieg am Schachbrett führten. Henry Kissinger, der spätere US-Außenminister, hielt es für “gut für Amerika – und die Demokratie -, einen Amerikaner als Gewinner zu haben.” Und den bekam die Welt. Fischer besiegte Spasski in einem nervenaufreibenden Match und wurde Weltmeister. Schach ist ein Spiel wie kein anderes – bereits nach zwei Zügen können über 70.000 verschiedene Figurenkonstellationen entstehen. Manche besessene Spitzenspieler leben in einer abstrakten Welt aus Figuren, Feldern, unvorstellbar vielen möglichen Zügen und Stellungen. Einige finden aus dieser Welt nicht mehr zurück ins normale Leben. In ihrem Dokumentarfilm rekonstruiert Filmemacherin Liz Garbus aus Originalmaterial und Aussagen zahlreicher Zeitzeugen die Ereignisse um das “Match des Jahrhunderts”. Gleichzeitig entwickelt sie das Psychogramm eines genialen Schachspielers.


Cast & Crew


Kommentar — Film: Zug um Zug in den Wahnsinn

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Tachitalili

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Eine Dokumentation über die Leistungen, das Leben und die Person des berühmten amerikanischen Schachspielers (Weltmeister `72 -`75) Bobby Fischer.

*Nachfolgende Text spoilert*
Und obwohl die Dokumentation sich mehr oder weniger um die Objektivität bemüht,
kann sie nicht verbergen, um was für eine unangenehme Persönlichkeit es sich hierbei handelte.

Ich möchte hierbei betonen, dass dieser Eindruck bei mir allein schon durch Äußerungen und Originalaufnahmen von Bobby Fischer entstanden ist. Die arroganten Äußerungen eines noch jungen Fischers, sein Verhalten als Super- Diva bei den Meisterschaften, wo man ihm buchstäblich den A**** hinterhergetragen hat, (steht übrigens im krassen Kontrast zum Verhalten seines russischen Gegners, der sich vielleicht als schlechterer Schachspieler, aber als ein Gentleman und ein Sportsmann zeigte), seine offen präsentierte Paranoia, Narzismus und Größenwahn, sein beleidigendes Verhalten (Spucken vor den Kameras auf offizielle Dokumente als Zeichen des Protestes), seine antisemitischen Äußerungen (dabei selbst jüdischer Abstammung) und seine lobende Äußerungen über die Terroristen des 11 September- das alles hat dazu beigetragen, kein besonders gutes Bild von diesem Menschen zu bekommen. Ich kann nicht beurteilen, ob es Anzeichen einer Geisteskrankheit sind oder/(und?) einfach das Verhalten eines A-lochs, sorry, eines Unsympathen.

Als Fischer verfolgt wurde und Island, ein Land, das wirklich viel mit ihm zu leiden hatte, ihm ein "Asyl" anbot, gab es eine katastrophale Konferenz, in der er, anstatt sich bei dem Land zu bedanken, einen Anwesenden angreift, dessen Vater er eine "jüdische Schlange" nennt, weil derjenige ihn irgendwann mal als Geisteskranken bezeichnete.
Der Angegriffene versucht zunächst, zu beschwichtigen, was nicht gelingt, sein abschließender Satz sinngemäß "Ehrlich gesagt, haben Sie hier heute nicht viel dafür getan, diese Aussage zu widerlegen..." Dieser Augenblick war der emotionalste der Doku für mich.
Die Doku stellt ihn als Genie dar. Das ist jedenfalls für mich nicht richtig nachvollziehbar. Er war ein paar Jahre Weltmeister, das ist eine große Leistung, doch das erhebt ihn in meinen Augen nicht zum universellen Genie.
Letztendlich ist Bobby Fischer verstorben, und, wie man so schön sagt, über Tote nur Gutes oder gar nichts- das ist mir hier leider nicht so gelungen, ich versuche mich zu bessern. Zweifellos: er war ein verdammt guter Schachspieler.
******

Abschließend lässt sich sagen: Die Dokumentation ist spannend gemacht, was Schachpartien angeht und versucht, das Verhalten eines zumindest ungewöhnlichen Menschen zu erklären. Für mich war sie emotional und sehr interessant.

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doctorgonzo

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Siehst Du. Und ich finde, dass man die Bezeichnung "Genie" auch (oder vielleicht sogar manchmal gerade) von dem entkoppeln sollte, was man gemeinhin als gesunden Menschenverstand bezeichnet.
Danke, dass Du mir dieses Recht zugestehst.


Tachitalili

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Ich habe einfach höhere Ansprüche an die Definition eines Genies ;-)


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