Séraphine

Séraphine (2008), BE/FR
Laufzeit 131 Minuten, FSK 6, Drama, Kinostart 17.12.2009

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7.8 Kritiker
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von Martin Provost und Martin Provost, mit Yolande Moreau und Ulrich Tukur

1912 zieht der deutsche Kunstsammler Wilhelm Uhde in das Städtchen Senlis, um sich dem Schreiben zu widmen und sich vom hektischen Leben in Paris zu erholen. Als Haushälterin stellt er die widerborstige und unscheinbare Séraphine ein. Eines Tages entdeckt er bei Nachbarn ein kleines auf Holz gemaltes Bild, das ihn sogleich fasziniert. Zu seiner großen Überraschung stellt sich heraus, dass das Bild von seiner Haushälterin Séraphine gemalt worden ist. Von den unkonventionellen Werken begeistert, beschließt der Kunstkenner Uhde, der als Entdecker von Picasso und Rousseau gilt, die eigenwillige und von ihren Mitmenschen belächelte Séraphine zu fördern.

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Kritiken (3) — Film: Séraphine

Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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7.5Sehenswert

Provost ist ein bemerkenswerter Film gelungen, der den Blick der Malerin in sich aufnimmt, sich zu ihrem Auge macht und zugleich mit einer großen Diskretion auf ihr Leben sieht. Die großartige Yolande Moreau verkörpert sie mit wachen Augen und schwerfälligem Gang als eine von harter Arbeit gezeichnete, dennoch kraftvolle und sensuelle Frau mittleren Alters, die Böden schrubbt, Pflanzen sammelt, inbrünstig singt und selbstvergessen nackt in einem Fluss badet. Es dauert einige Zeit, bevor der Film ihre eigentliche Passion enthüllt. Der Regisseur erfasst dabei den geschärften Blick der Malerin auf alles, was sie umgibt: sei es das Gewebe eines Blattes oder der Verlauf einer Maserung im Holz. Jede Kameraeinstellung ist für sich ein sorgfältig komponiertes Stillleben.

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José Garcia: Textezumfilm

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7.5Sehenswert

In betont langen Einstellungen findet die Kamera ihren eigenen Rhythmus, den die zurückgenommene Filmmusik hervorragend ergänzt. Dadurch kommen die farbenfrohen Bilder Séraphines besonders zur Geltung. Zur unaufdringlichen Inszenierung passt insbesondere auch, dass Uhdes Homosexualität lediglich angedeutet wird. Die Filmbiografie bietet einen aufschlussreichen Einblick in das künstlerischen Schaffen einer fast in Vergessenheit geratenen Malerin. Der Film lebt insbesondere von der Schauspielkunst Yolande Moreaus, die Séraphine als der Wirklichkeit entrückte, zwischen Genie und Wahnsinn changierende Frau darstellt. In diesem Beinahe-Zweipersonenstück bildet Ulrich Tukur einen ebenbürtigen schauspielerischen Kontrapunkt.

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Roger Ebert: Chicago Sun Times Roger Ebert: Chicago Sun Times

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10.0Herausragend

Séraphine ist keine Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Der Regisseur, Martin Provost, der sie mit Marc Abdelnour schrieb, konzentriert sich aufmerksam auf Séraphines Wahnvorstellungen, auf ihren manischen Gemütszustand, der sie übernimmt wegen der Aussicht auf Ruhm und Glück, darüber, wie sie sich tief eingräbt, sodass Uhde sie nicht erreichen kann. Ich habe viele Filme gesehen, in der Hoffnung, die Natur großer Künstler zu verstehen; einer, der dem nahekommt, ist Vincent von Paul Cox. Dieser Film hier ist ein anderer. Er „erklärt“ nichts, aber fühlt alles.

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Kommentare (11) — Film: Séraphine

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8martin

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein leiser Film über eine autodidaktische Malerin, die ihre Impulse von ihrer tiefen Religiosität (sie hört Engelsstimmen!)und aus der Natur bekommt, von wo sie ihre Farben nimmt. Der Gegensatz zu ihrem Alltag, in dem sie als Putzfrau arbeitet, bildet einen künstlerischen Rahmen. Historisch eingebettet in die Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg, mit kleinen Seitenhieben auf das deutsch-französische Verhältnis. Yolande Moreau gibt dieser Figur ihre unnachahmliche Gestalt. Sie schaut mit naiv mürrischem Blick in die Welt, tapst durch die Landschaft und verändert sich auch äußerlich von einer brav-biederen Zugehfrau zu einer vorübergehend wohlhabenden Künstlerin. Dabei lässt die Kamera sie fast nie aus der Linse. Manche Szenen verschwinden optisch in undurchsichtigem Schwarz, was hier allerdings zur Verstärkung der Atmosphäre verwendet wird. Und dann kommt am Ende eine überraschende Wende, die auch akustisch zulegt. Aber eigentlich ist es nur eine von mehreren Optionen, wenn man den religiösen Wahn von Séraphine in letzter Konsequenz zu Ende denkt. Dieser Film hebt sich inhaltlich und stilistisch wohltuend vom Mainstream ab.

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Nerwus

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Eine beeindruckende Leistung von Yolande Moreau. Sehr schöne Landschaften, sehr gute Atmosphäre. Auf jeden Fall ein sehenswerter Film

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Mayo

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Einfach ein toller Film. Die Geschichte um Seraphine, einer alten gebrechlichen Frau die zur Weltbekannten Künstlerinn wird, jedoch am Ruhm und dem Geld zerbricht, ist einfach unglaublich genial insziniert !

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_Milena_

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Bewertung4.5Uninteressant

Ich finde den Film einfach nur schrecklich langweilig. Die Protagonistin ist mir höchst unsympathisch. Das liegt wohl auch daran, dass ich die Schauspielerin nicht sonderlich mag.

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Sonse

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Bewertung7.5Sehenswert

"Séraphine" ist für mich ganz und gar Yolande Moreau. Alle anderen Aspekte des Films treten vollständig hinter ihre Darstellung der eigenwilligen Künstlerin zurück. Ob sie eine Treppe putzt, auf einen Baum klettert, malt, versucht ihrer Vermieterin aus dem Weg zu gehen, durch die schöne Landschaft stromert oder sich die Ingredienzien ihrer Farbe stibitzt, man schaut ihr fasziniert zu. So stark ist Séraphine, dass ich mich geärgert habe, das ihr sympathisch-schrulliger Nonkonformismus *Spoiler* unweigerlich zu einer Einweisung führt. Immer das gleiche mit diesen Künstlerinnenbiografien! Oder wie die weise Maude dem Harold schon sagte: "Everyone has the right to make an ass out of themselves. You just can't let the world judge you too much."

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dbeutner

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Bewertung6.0Ganz gut

Da muss ich mich wohl als Banause outen ;-) Nein, so weit will ich dann doch nicht gehen, sondern dem Film doch einiges vorhalten, was meines Erachtens wirklich kritikwürdig ist. Das fängt damit an, dass der Film ganz leise im Abspann verrät, was man doch im Film spürt, dass es nämlich eine konkrete Buchvorlage gab (La vie rêvée de Séraphine de Senlis). Das ist an und für sich ja nichts Schlimmes, aber wie sonst selten hat der Film sich von Thema zu Thema gehangelt, Hintergründe ausgelassen, Dinge angedeutet, Erklärungen komplett verweigert -- in einer Art, dass ich empfand: Da fehlt etwas; nein, nicht nur etwas, sondern ganz schön viel sogar. "Unrund". Oft geht einem das ja eher so, wenn man die Buchvorlage kennt, und dann einzelne Dinge in einer Verfilmung vermisst. Das ist dann aber ein sehr subjektiv störendes Element. Geht es aber so weit, dass auch Menschen, die das Buch nicht kennen, das Gefühl haben, dass nur Fragmente präsentiert werden, aber der rote Faden, die Hintergründe, fehlen - dann wird es ein Problem des Films, nicht der ZuschauerInnen. Diesen Vorwurf möchte ich unbedingt erheben.

Zum Schnitt bzw. dem langweiligsten ständigen Ausblenden seit der Erfindung des Kinos habe ich mich unten in einer Antwort ja schon geäußert. Hat mich während der Vorführung wirklich kribbelig gemacht. Wie in den schlechtesten Dokus, nur dass dort auf auf der Tonspur doch noch das ganze lecker verkauft wird. Wurde es hier nicht.

Und schauspielerisch: Yolande Moreau spielt sicherlich gut, auch wenn ich die Inszenzierung mitunter als etwas arg platt empfand (der Vorwurf geht aber sicherlich an die Regie, nicht an die Darstellerin; Beispiel: die Baumumarmung). Ulrich Tukur spielt annehmbar, aber das war's auch schon - und dann muss man allerdings immer wieder wieder Anne Bennent als Schwester aushalten - kann mir vorstellen, dass sie sich im Theater gut macht, aber im Film empfand ich sie zumindest in einzelnen Szenen als echte Zumutung.

Alles in allem: Schade. Denn das Thema ist mit Sicherheit total interessant - und hätte mE eine liebevollere, feinere Umsetzung verlangt.

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maslobojew

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Bewertung9.0Herausragend

Sehr interessanter, unaufgeregt inszenierter Film über eine ungewöhnliche Künstlerinnenbiografie.
Der Film lebt sehr von seiner Hauptdarstellerin, aber auch davon, etwas über Entstehung von Kunst zu erzählen, wie man sie sich heute kaum noch vorstellen kann.

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Schlegel

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Bewertung9.0Herausragend

Ich bin in den Film gestolpert ohne etwas von der Handlung zu wissen, und im Grunde war das genau richtig. Anfangs wird nur beobachtet. Fast beiläufig umreißt Martin Provost seine Hauptfiguren und erzählt mit ihren Blicken und den wenigen Worten mehr, als es die meisten Autoren und Regisseure in seitenlangen Dialogen könnten. Die leuchtenden Bilder der Picardie sind ungeheuer sinnlich, aufgeladen noch durch das ausgefeilte Sounddesign (Rauschen des Windes, Knarzen der Dielen, Kirchturmglocken von weit her...). Als Zuschauer verweilt man in purer Schönheit, geführt von einem souveränen Schnitt, der keine Sekunde die Geschichte vergißt. Lange habe ich das nicht mehr im Kino erlebt. Im Grunde war der Film für mich das überfällige Argument, warum ich auf die große Leinwand nicht verzichten kann, und in der ersten halben Stunde saß ich einfach nur mit einem Lächeln da. Yolande Moreau als Séraphine ist eine Wucht, die beste Performance, die ich seit Langem gesehen habe. Das schmälert die Leistung Ulrich Tukurs nicht im Geringsten; er macht wenig, aber das muss man erst mal können, in Deutschland kann es kaum einer. Am Ende ist keiner im Saal aufgestanden bevor der Abspann vorüber war. Der langsame Rhythmus des Films mag nicht jedermanns Sache sein, das Biopic-Genre ist wohl auch eine Geschmackssache, ansonsten aber eine dringende Empfehlung.

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dbeutner

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"geführt von einem souveränen Schnitt"?! Gerade die unglaublich uninspirierten ständigen langsamen Ausblendungen waren etwas, was mir richtig auf die Nerven ging. Das fühlte sich an, als sei das Kino gerade erst erfunden worden...


Schlegel

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Daran erinnere ich mich nicht. Der Film hat ein tolles Timing, finde ich, und der Schnitt hat wesentlich dazu beigetragen: knapp, fast elliptisch und in den richtigen Momenten doch wieder Mut zum langen Atem. War ne gute Arbeit.


lucie

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Bewertung7.5Sehenswert

Eine einfühlsam erzählte Biographie einer Künstlerin, von der ich mir jetzt gerne mehr ansehen möchte. Dem Regisseur ein dickes Lob für die wunderbaren Bilder. Ich habe noch nie so viele harmonische Grüntöne zusammen gesehen. Es ist beruhigender Balsam für die Augen. Durch die langsame Erzählweise und der durch Grün beruhigten Augen hatte leider zur Folge, dass ich fast weggenickt wäre. Doch anders hätte man es sicher nicht erzählen können. Ich hatte einen wunderbaren Kinobesuch.

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zelluloid

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Bewertung9.5Herausragend

Noch so ein Film, den ich sehr mochte....

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MartinDoeringer

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Der Film macht Lust, sich eine Ausstellung der talentierten Künstlerin anzusehen. Unverständnis für den Ausdruck "Naive-Kunst". Vielleicht war Séraphine als Person naiv, aber als Künstlerin hochbegabt. Top-Film!!

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dbeutner

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"Naive Kunst" ist nicht sonderlich abwertend gemeint und ein durchaus etablierter Begriff (http://de.wikipedia.org/wiki/Naive_Kunst).


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