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Markante Momente

1963 - Die Jagd auf den Rosaroten Panther beginnt

01.04.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Der Rosarote Panther
© MGM
Der Rosarote Panther
Auf eine rosa Katze können sich irgendwie alle Generationen einigen. Der rosarote Panther begeistert in Form einer Filmreihe, als Zeichentrickserie und der Themesong ist sowieso Kult. 1963 begann die Invasion in Pink.

Paulchen, Paulchen, mach doch weiter / Jag‘ das Männchen auf die Leiter / Säg und pinsle bunt die Wände / treibe Scherze ohne Ende / Machst ja manchmal schlimme Sachen / über die wir trotzdem lachen / Denn du bist, wir kennen dich / doch nur Farb- und Pinselstrich. Naja, eigentlich nicht so richtig. Zumindest nicht im Original. Denn ursprünglich war der rosarote, oder um die Original-Alliteration noch einmal richtig auszukosten, der pinke Panther ein Stein, der mit seinem besonderen Äußeren schon eine Menge Turbulenzen ausgelöst hat. Ein rosa schimmernder Diamant mit einem mittig eingeschlossenen Schatten, der an einen springenden Panther erinnert.

Eine Nebenrolle wird zur Kultfigur
Als Blake Edwards Anfang der Sechziger eine Kriminalkomödie um den legendären Edelstein plante, kreierte er dafür die Nebenfigur eines trotteligen Inspektors, die er mit Peter Ustinov besetzen wollte. Der Kaiser Nero-Darsteller aus Quo Vadis wollte nur leider nicht wie der Regisseur, und so bekam der bis dahin weitgehend unbekannte Peter Sellers die Rolle. Niemand schrieb ihm große Strahlkraft zu, aber mit seiner Woody-Allenesken Tollpatschigkeit hatte er die Sympathie des Publikums ganz auf seiner Seite. Wie besessen von der Jagd nach dem Phantom ermittelte er sich 1963 neben anderen Darstellern wie David Niven, Capucine oder Claudia Cardinale durch Der rosarote Panther.

Wer hat an der Uhr gedreht? / Ist es wirklich schon so spät? / Schade, dass es sein muss / Ist für heute wirklich Schluss? Noch nicht wirklich. Mit seiner Popularität sorgte Peter Sellers dafür, dass noch viele Filme auf den Kassenschlager folgen sollten. Das Drehbuch zu Ein Schuß im Dunkeln schrieb Blake Edwards zu einem reinen Clouseau-Film um, und selbst nach dem plötzlichen Tod von Peter Sellers montierte er noch Ausschnitte und Outtakes früherer Streifen zu neuen Panther-Fortsetzungen zusammen.

Der rosarote Panther im Sequel-Wahn
Der Mensch war leider gestorben, seine spezielle Figur lebte aber weiter, und zwar frei nach dem Motto: Heute ist nicht alle Tage / Ich komm‘ wieder, keine Frage. Nun, vielleicht haben diverse Beteiligte diesen Satz einen Tick zu genau genommen. Auf Der rosarote Panther folgten nämlich ehrlich gesagt nicht nur filmische Brillanten. Wenn sich auch der Original-Hauptdarsteller bei den Dreharbeiten ständig so kaputtlachte, dass einige Szenen verstörend oft nachgedreht werden mussten, so nahm doch die Begeisterung beim Publikum stetig ab. Besonders der zusammengeschusterte Der rosarote Panther wird gejagt beförderte 1975 Stimmen an die Öffentlichkeit, die sich nach Sellers Tod ein würdevolleres Ende für die Reihe gewünscht hatten.

Auch das 2006er Remake Der rosarote Panther mit Steve Martin, Jean Reno und Beyoncé Knowles erntete eher durchwachsene Kritiken, und so denken die Panther-Nostalgiker lieber an den originellen Start mit seinem Charme versprühenden Zeichentrickvorspann zur kultigen Saxophonmelodie von Henry Mancini. Der gefiel scheinbar auch einigen amerikanischen Fernsehmenschen, die sich davon sogleich zu einer Serie inspirieren ließen. Sie machte den rosaroten Panther schließlich zu dem, den wir als Paulchen kennen.

Eine Ladung rosarote Farbe für den Fernseher
In einem ersten Cartoon namens Der rosarote Schmierfink färbte der liebevoll von Hawley Pratt handgezeichnete Panther alle Wände pink, die ein weißes Strichmännchen zuvor mühevoll blau bepinselt hatte. Diverse Kurzfilme entstanden während der Sechziger und liefen im Vorprogramm der Kinofilme, manche sogar oscarprämiert. Mit dem Aussterben dieser Vorfilme verlagerte sich Paulchen Panther später aber zunehmend ins Fernsehen. Neue Charaktere wie die blaue Elise, die Kröten Sancho und Pancho und natürlich die Zeichentrickvariante von Inspektor Clouseau gesellten sich zu ihm.

Selbst rund fünfzig Jahre später ist Der Rosarote Panther mit seiner gewitzten Eleganz noch Kult – in der deutschen Fassung stilecht begleitet von gereimten Kommentaren aus dem Off und dem einzigartigen Titelsong. Und deswegen jetzt bitte doch noch einmal alle: Wer hat an der Uhr gedreht? / Ist es wirklich schon so spät? / Soll das heißen – ja, ihr Leut‘: mit dem Paul ist Schluss für heut!

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 1963 bewegte:

Drei Filmleute, die geboren sind
14. Januar 1963 – Steven Soderbergh, Regisseur von Side Effects
27. März 1963 – Quentin Tarantino, Kultregisseur von Django Unchained
09. Juni 1963 – Johnny Depp, exzentrischer Pirat aus Fluch der Karibik

Drei Filmleute, die gestorben sind
02. Januar 1963 – Dick Powell, Lysander aus Ein Sommernachtstraum
17. August 1963 – Richard Barthelmess, der Chinese aus Gebrochene Blüten
29. Oktober 1963 – Adolphe Menjou, der reiche Verehrer von Marlene Dietrich in Marokko – Herzen in Flammen

Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscars – Lawrence von Arabien von David Lean
Goldene Palme – Der Leopard von Luchino Visconti
Goldener Löwe – Hände über der Stadt von Francesco Rosi

Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Cleopatra von Joseph L. Mankiewicz, Darryl F. Zanuck und Rouben Mamoulian
Eine total, total verrückte Welt von Stanley Kramer
Das war der Wilde Westen von John Ford, Henry Hathaway, George Marshall und Richard Thorpe

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
11. Januar 1963 – Die Weiße Revolution beginnt in Iran
26. Juni 1963 – John F. Kennedy hält seine Ich-bin-ein-Berliner-Rede vor dem Schöneberger Rathaus
28. August 1963 – Martin Luther King Jr. hält seine Rede I have a Dream in Washington D.C.

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