the gaffer blickt voraus

Warum der Harry Potter-Spin-off ein Geniestreich ist

21.09.2013 - 14:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Vorsicht, Harry! Photoshop!
© Warner
Vorsicht, Harry! Photoshop!
Das erfolgreichste Filmfranchise aller Zeiten erhält einen Ableger. J.K. Rowling schreibt das Drehbuch für den neuen Harry Potter-Spin-off, der viel über die Strategie von Warner verrät. Ein zweites Der Hobbit erscheint hier am Horizont.

Nach seinem vorläufigen Rückzug aus dem Filmgeschäft hinterließ Harry Potter 2011 ein Schlachtfeld, in dessen Peripherie zwei Jahre später noch immer Scharmützel ausbrechen und wieder verschwinden. Im Young Adult-Bereich trug Twilight mit leicht verschobener Zielgruppe die Fackel weiter, doch bis auf Die Tribute von Panem hat bisher keine Jugendbuch-Adaption Zauberer und Vampire dauerhaft beerbt. Allein dieses Jahr wurden Beautiful Creatures – Eine unsterbliche Liebe, Seelen, Chroniken der Unterwelt – City of Bones und Percy Jackson 2: Im Bann des Zyklopen vors Standgericht der Kinokassen gezerrt, wo ihnen kurz und schmerzvoll der Prozess gemacht wurde. Vor einer Woche nun wurde bekannt, dass das verrentete Zauberer-Franchise nach einer Verjüngungskur wieder in den Kampf geschickt wird. Packen wir also unsere Schachtel Spekulatius aus und grübeln wir darüber, was die Entscheidung für Warner, Rowling und das Franchise für Folgen haben könnte. Der Konjunktiv ist Programm.

Warner bindet Rowling
Über die Franchisierung der Studiofilme müssen wir eigentlich kein Wort verlieren, tischen uns die News tagtäglich die selbe trübe Reboot-Suppe auf. Warner unterscheidet sich insoweit von anderen Studios, als ihnen der Ruf nacheilt, Beziehungen mit Talenten gezielt aufzupeppeln und langfristig deren Box Office-Früchte einzusammeln. So wechselte beispielsweise Christopher Nolan Warners Batman-Filme mit originären, ebenfalls beim Studio beheimateten Projekten ab, deren Budget wie im Falle des gewagten Inception durch die Franchise-Verpflichtung aufgewogen wurde. Mit dem Ende der Dark Knight-Trilogie und dem Drehstart von Interstellar bricht die Partnerschaft nicht ab. Auch bevor Zack Snyder für Man of Steel verpflichtet wurde, drehte er ab 300 all seine Filme für das Studio.

Die Einigung zwischen Warner und J.K. Rowling fügt sich nahtlos ein in dieses strategische Bild. In den vergangenen Jahren hat Rowling die Kontrolle über ihre Marke nicht gelockert, was das Personal und die inhaltliche Ausrichtung der Filme ebenso betrifft wie das Merchandise. Selbst die E-Book-Rechte liegen bei ihr und nicht etwa einem Verlag. Dass Warner einen Harry Potter-Spin-off umsetzt und sich Rowling allein mit einem saftigen Scheck zufriedengibt, war von vornherein unwahrscheinlich. Dies unterstreicht die Pressemitteilung, in der Rowling mehr oder weniger offen zugibt, dass niemand anderes als sie selbst gänzlich neue Geschichten innerhalb des Potterverse erfinden darf. Das ist für die Adaption des kleinen Sachbuchs Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind notwendig. Als Drehbuchautorin des ersten Spin-offs schlägt Rowling zwei Billywigs mit einer Klappe. Sie erweitert die 15 Milliarden Dollar schwere Marke (via Business Insider), was die Popularität der ursprünglichen Buchreihe und damit das von ihr angetriebene Popkulturphänomen befeuert. Gleichzeitig lässt die Beschränkung auf Drehbücher Raum, ihr schriftstellerisches Profil zu erweitern, wie sie es mit Ein plötzlicher Todesfall und Der Ruf des Kuckucks getan hat.

Warner wiederum weicht der offenbar unerträglichen Herausforderung, eine neue Fantasy-Reihe am Markt zu etablieren, gekonnt aus. Wie bei Peter Jacksons Der Hobbit-Reihe belebt das Studio eines seiner erfolgreichsten Zugpferde in Form einer Vorgeschichte mit Hilfe von Talenten des Originals neu, um Wiedererkennung und Akzeptanz zu stärken. Wer unter den Fans will schon über eine seelenlose Cash Cow lamentieren, wenn Rowling selbst dem Potterverse neue Geschichten hinzufügt. Mit diesem Win-Win-Geschäft, welches sich auf die Eintrittskarten von The Wizarding World of Harry Potter positiv auswirken dürfte, bringt Warner sein drittes Milliarden-Franchise unter den denkbar besten Voraussetzungen in Position: Mittelerde, DC und Harry Potter als Bollwerk gegen Disneys Marvel und Star Wars.

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