Die Stimme Gottes

Zum 65. Geburtstag von Alan Rickman

Alan Rickman als Judge Turpin in Sweeney Todd
© Dreamworks
Alan Rickman als Judge Turpin in Sweeney Todd

Wenn es eines gibt, das Alan Rickman von allen anderen Schauspielern unterscheidet, dann ist es seine Stimme. Wer Alan Rickman nur in der Synchronisation kennt, kennt ihn gar nicht. Tief und nasal dröhnt es, wenn Severus Snape, Hans Gruber und Grigori Rasputin die kleinste Kleinigkeit von sich geben. Das ist eine Tonlage, die sich für den stets deprimierten Roboter Marvin aus Per Anhalter durch die Galaxis perfekt eignet. Vielleicht war es unausweichlich, dass Kevin Smith auf der Suche nach dem richtigen Metatron für Dogma, der Stimme Gottes also, bei Alan Rickman landen musste. Heute feiert der Inhaber dieser göttlichen Stimme seinen 65. Geburtstag.

Alan Sidney Patrick Rickman, ein gelernter Grafikdesigner, stellte sich nach ein paar Jahren im Beruf vor die Wahl: Jetzt oder nie. Entweder es nochmal versuchen mit der Schauspielerei oder es ganz lassen. Also sprach der aus einfachem Hause stammende Alan Rickman bei der prestigeträchtigen Royal Academy of Dramatic Art (RADA) vor und wurde angenommen. Was für ein Glücksfall, nicht nur für Fans von John McClane und Harry Potter! Die Karriere von Alan Rickman läuft seitdem zweigleisig, hin und her zwischen Theater und Film, Film und Theater. In der originalen Bühnenadaption von “Gefährliche Liebschaften” wurde Alan Rickman bekannt, doch die Rolle in der Kinoadaption bekam John Malkovich. Der in London geborene Schauspieler hab sein Kinodebüt trotzdem 1988. Ein Actionfilm war das, in dem er neben einem vor allem aus TV-Serien bekannten Darsteller einen geschniegelten deutschen Top-Verbrecher spielte. Er hieß Stirb langsam.

Die Rolle des Hans Gruber erwies sich als Fluch und Segen zugleich für Alan Rickman. Einen der besten Bösewichte der Filmgeschichte gleich beim ersten Auftritt im Kino abzuliefern, sorgt für zweierlei Dinge. Erstens: die Aufmerksamkeit. Zweitens: die Festlegung. So ähnlich wie Christoph Waltz muss es damals dem Briten ergangen sein. Mit einem einzigen Film den großen Durchbruch zu schaffen, ist eine Sache. Der Gefahr des Typecastings, der Festlegung auf diese eine ikonische Rolle zu entgehen, ist eine andere. Alan Rickman gelang dies nicht immer, aber dafür verdanken wir ihm tolle Bösewichte und andere düstere Gestalten. Mal ist er campy und total übertrieben, wie als abstoßender Sheriff of Nottingham in Robin Hood – König der Diebe (“Locksley. I’ll cut your heart out with a spoon.”), mal eisig, wie in seiner zweiten ikonischen Rolle, als Severus Snape in den Filmen der Harry Potter-Reihe (“I may vomit.”).

Snape ist eine der beliebtesten und undurchsichtigsten Figuren der Bücher von J.K. Rowling und wie kaum einen anderen Schauspieler im Fanchise ist es Alan Rickman gelungen, eine so gut wie perfekte Inkarnation für die Adaption abzuliefern. Über Michael Gambon und selbst Daniel Radcliffe wird unter den Fans seit jeher diskutiert. Wenn es um Severus Snape geht, regen sich die meisten nur über eines auf: Dass er zu wenige Szenen hat. Wenn Snape/Rickman in den Filmen den Raum betritt, scheint die Temperatur rapide abzufallen. Die imposante Haltung, der abfällige Gesichtsausdruck, hier und da eine giftige sarkastische Spitze … das sind im Wesentlichen seine Szenen in der Reihe und sie gehören zu den Höhepunkten der Filme.

Dass Alan Rickman in den Harry Potter-Filmen massiv unterfordert ist, zeigen die Independentfilme, die klein genug sind, damit ein Charakterdarsteller wie er eine Hauptrolle übernehmen kann. Sie tragen Namen wie Wie verrückt und aus tiefstem Herzen und Snow Cake, zwei Filme über Trauer, die 15 Jahre auseinanderliegen. In ersterem spielt Alan Rickman einen verstorbenen Cellisten, der seiner Freundin aus dem Jenseits über den Verlust hinweg hilft. In Snow Cake ist er der verschlossene, sehr britische Alex, der seinen Sohn verloren hat. Es sind nicht die Rollen, für die Alan Rickman (und seine Stimme) berühmt ist. Sie sind oftmals so leise und unauffällig wie sein Col. Brandon in Sinn und Sinnlichkeit, in dem von Hans Gruber absolut nichts mehr zu sehen ist. Aber genau wie Brandon in der Jane Austen-Verfilmung von Ang Lee sind sie die wahren Gewinner.

Heute vor 65 Jahren erblickte Alan Rickman das Licht der Welt und wir wünschen ihm noch viele weitere diese großen unter den kleinen Rollen!

moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

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