Markante Momente

1943 - Why We Fight erklärt den 2. Weltkrieg

Why We Fight
© Public Domain
Why We Fight

Wer das Wort Propagandafilm hört, denkt wahrscheinlich in erster Linie an Panzerkreuzer Potemkin von Sergei M. Eisenstein oder natürlich Triumph des Willens von Leni Riefenstahl. Aber auch auf Seiten der Amerikaner war den Behörden durchaus bewusst, welche immense Wirkung das Bewegtbild ausüben kann. Bei der Filmreihe Why We Fight kamen all diese Kenntnisse zum Einsatz.

Ein enormer Beitrag für die Sache
Der italienischstämmige Frank Capra war mit sechs Jahren in die Vereinigten Staaten emigriert, hatte einige Slapstick-Komödien während der Stummfilmära gedreht und zeigte sich absolut begeistert vom Konzept des Tonfilms, nachdem er Al Jolson in Der Jazzsänger gehört hatte. Mit Werken wie Mr. Smith geht nach Washington und Hier ist John Doe machte sich der Regisseur in Hollywood verdient, und dann brach der Zweite Weltkrieg aus.

George C. Marshall suchte den Filmemacher auf, der Armeegeneral, der später den sogenannten Marshall-Plan erdachte und dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Er erklärte Frank Capra seinen Plan mit folgenden Worten: “Also, Capra, ich möchte mit Ihnen einen Plan über eine Serie von dokumentarischen, faktenvermittelnden Filmen festlegen. Den ersten in unserer Geschichte, der unseren Jungs in der Armee erklärt, wieso wir kämpfen und für welche Prinzipien wir kämpfen. Sie haben die Möglichkeit, einen enormen Beitrag für ihr Land und die Sache der Freiheit zu leisten. Sind Sie sich dessen bewusst, Sir?“

Sieben Filme erklären den Krieg
Er war sich dessen bewusst. Und so entstand im Zeitraum von 1942 bis 1945 eine siebenteilige Dokumentarfilmreihe unter dem Sammeltitel Why We Fight. Teil 1, Vorspiel zum Krieg, wurde später mit einem Oscar ausgezeichnet und machte den Unterschied zwischen demokratischen und faschistischen Staaten deutlich. The Nazis Strike erklärte die zweifelhafte Geopolitik der Nationalsozialisten. Divide and Conquer erzählte vom Fall Frankreichs, The Battle of Britain vom Sieg der Briten über die deutsche Luftwaffe, The Battle of Russia vom russischen Widerstand. The Battle of China widmete sich den japanischen Angriffen auf China und War Comes to America sollte die Bürger der Vereinigten Staaten über die Gefahren des Isolationismus aufklären.

Die sieben Filme, die zuerst nur für die Soldaten gedacht waren, wurden zunehmend auch in öffentlichen Kinos gezeigt, um das Verständnis für die Einmischung in den Zweiten Weltkrieg aufrecht zu erhalten. Später vertrieben die Macher die Reihe sogar im Ausland mit französischer, spanischer, russischer und chinesischer Tonspur.

Das Gegenprogramm zu Triumph des Willens
In Vorbereitung auf die Produktionsphase von Why We Fight schaute sich Frank Capra den Propagandafilm Triumph des Willens der Deutschen Leni Riefenstahl an und zeigte sich offenkundig entsetzt über die darin enthaltende Perfidität der Manipulation: „Der Teufel selbst hätte kein kaltblütigeres Superspektakel inszenieren können“, so beschrieb er seinen Eindruck. "Obwohl mit all dem Pomp und den mystischen Fallen einer Wagner-Oper ausgestattet, war seine Botschaft so plakativ und brutal wie nur irgendetwas: Wir, das Herrenvolk, sind die neuen unbesiegbaren Götter.“

Um mit seinen Filmen nicht in die gleiche Kerbe zu schlagen wie die verfeindete Deutsche, entschied sich Frank Capra, in Why We Fight in einem geradezu biblischen Sinne nichts als die Wahrheit zu verbreiten. Zu diesem Zweck inszenierte er kein weiteres Ornament der Masse, sondern benutzte Aufnahmen von Reden des Feindes, Ausschnitte aus Spielfilmen, Wochenschauen und Zeitungsartikel, um sie zu einem entlarvenden Ganzen zusammenzufügen, das die Nazis gewissermaßen mit ihren eigenen Waffen schlagen würde. Animierte Karten illustrierten die fatalen Folgen, die ein Sieg der Faschisten für Amerika bedeutete, und Oscarpreisträger Walter Huston (Der Schatz der Sierra Madre) übernahm den Voice-Over Kommentar.

Doch nicht ganz die volle Wahrheit
Trotz dieses hehren Zieles tragen natürlich auch die Werke der Reihe Why We Fight klare Anzeichen von Propaganda. Mut und Opfer der Briten, Soviets und Chinesen hoben die Filme in den Himmel, während manche Angaben über den Feind, wie die Anspielungen auf das Tanaka Memorial, schlicht nicht so einfach zu belegen waren, wie es dargestellt wurde. Frank Capra verkaufte es als eine Art japanisches Mein Kampf.

Why We Fight ist trotzdem nicht nur nach wie vor ein interessantes filmisches Werk, sondern auch ein wichtiges Dokument der Geschichte. Seit 2000 sind die sieben Filme Teil der National Film Registry und stehen als Public Domain frei zugänglich online.

Was die Menschheit sonst noch im (Film)Jahr 1943 bewegte:

Drei Filmleute, die geboren sind
15. März 1943 – David Cronenberg, Regisseur von Die Fliege
17. August 1943 – Robert De Niro, Travis Bickle aus Taxi Driver
30. November 1943 – Terrence Malick, Regisseur von The Tree of Life

Drei Filmleute, die gestorben sind
03. April 1943 – Conrad Veidt, der Somnambule Cesare aus Das Kabinett des Dr. Caligari
01. Juni 1943 – Leslie Howard, der Angebetete Ashley aus Vom Winde verweht
30. Oktober 1943 – Max Reinhardt, Regisseur von Ein Sommernachtstraum

Die großen Festival- und Award-Sieger waren unter anderem
Oscars – Mrs. Miniver von William Wyler (Bester Film, Hauptdarsteller, Regisseur, Nebendarstellerin)
New York Film Critics Circle Award – Die Wacht am Rhein von Herman Shumlin
National Board of Review – Ritt zum Ox-Bow von William A. Wellman

Die drei kommerziell erfolgreichsten Filme
Helden der Lüfte von Michael Curtiz
Wem die Stunde schlägt von Sam Wood
Das Lied von Bernadette von Henry King

Drei wichtige Ereignisse der Nicht-Filmwelt
02. Februar 1943 – Das Ende der Schlacht von Stalingrad bedeutet die Wende im 2. Weltkrieg
06. April 1943 – Die Erstausgabe Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry erscheint
19. April 1943 – Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto

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