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Der sexistische Schlussmacher

17.01.2013 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Ist Matthias Schweighöfers Film Schlussmacher wirklich sexistisch?
© 20th Century Fox/Moviepilot
Ist Matthias Schweighöfers Film Schlussmacher wirklich sexistisch?
Er ist Schauspieler, Regisseur und generationenübergreifender Frauentraum. Matthias Schweighöfer selbst offenbart in seinem neuesten Film Schlussmacher allerdings ein weniger traumhaftes Frauenbild.

Schon sein erstes Werk, What a Man, hat nicht unbedingt durch eine komplexe Charakterzeichnung geglänzt und sich bei den Frauenrollen eher auf das Heiligen-Hure-Paradigma verlassen. Auf der einen Seite gibt es die böse Frau (Mavie Hörbiger als Carolin), die den braven Matthias Schweighöfer (hier Alex genannt) mit dem derben, aber dafür umso potenteren Nachbarn betrügt. Ihr Gegenstück ist die herzensgute beste Freundin und Trösterin des Gehörnten (Sibel Kekilli als Nele). Das ist alles nicht sonderlich originell, so dass auch der Ausgang der Geschichte schon klar ist, bevor sie richtig begonnen hat. Aber um What a Man soll es ja hier gar nicht gehen, sondern um Schlussmacher, den zweiten Regiestreich von Matthias Schweighöfer. Bevor ich der kleinen Feministin in mir aber den Raum gebe, den Film zu zerpflücken, möchte ich doch noch einmal loswerden, dass ich mich eigentlich ganz gut amüsiert habe.

Der Karrierehengst und das Deko-Weibchen
Frauen gibt es in Schlussmacher zu Genüge. Das liegt in der Natur der Sache, denn es geht schließlich um Beziehungen und zu einer Beziehung gehört des Öfteren auch eine Frau, manchmal sogar zwei. Und dann gibt es natürlich ein Love Interest für den Matti, diesmal gespielt von Catherine de Léan. Aber damit hat sich das Repertoire an weiblichen Figuren noch nicht erschöpft, denn es gibt ja noch Lesben und Dicke – aber dazu später mehr.

Beginnen wir am Anfang: Matthias Schweighöfer heißt jetzt Paul und arbeitet als Schlussmacher für eine entsprechende Agentur. Diese Agentur wird – wie sollte es auch anders sein – von Männern geführt. Und dem Klischee des erfolgreichen Geschäftsmannes entsprechend hat jeder dieser Kerle auch eine junge Dame an seiner Seite, mit der er nicht unbedingt verheiratet ist, sondern die lediglich als Trophäe, als Aushängeschild für das eigene Ego dient: Schauet an meine Potenz, die sich in dieser Blondine manifestiert. Der Umgang mit Frauen in Pauls Agentur ist derart sexistisch, dass es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass hauptsächlich Männer ihre Dienste in Anspruch nehmen. Nun ließe sich natürlich argumentieren, der Trennungsfall, um den sich der Film hauptsächlich drehe, sei von einer Frau in Auftrag gegeben worden. Das stimmt aber auch nur halb. Denn Katharina (Nadja Uhl) trennt sich nicht aus freien Stücken von ihrem Lebensgefährten Toto (Milan Peschel), sondern wird von ihrem Vater dazu gedrängt. Der sieht in dem sensiblen Partner seiner Tochter auf Grund fehlender Karrieregeilheit einen Taugenichts. Und damit wären dann auch endlich alle stereotypen Geschlechterrollen bedient. Das Idealbild der Frau laut Schlussmacher: Hübsch und hohl. Das Idealbild des Mannes: Potent und protzig.

Frauen die Frauen und Frauen die Essen lieben
Es gibt aber nicht nur dekorative Frauen, die nichts zu sagen haben (nicht mal über ihre eigene Beziehung). Zwei weitere Frauentypen werden uns vorgestellt: die Lesbe und die Dicke. Pauls Schwester Sarah (Anna Bederke) lebt mit einer Frau zusammen. Eines Abends findet sich das lesbische Paar zum Abendessen mit Paul und Toto ein. Hierbei wird zunächst thematisiert, dass die meisten heterosexuellen Männer beim Thema Lesben immer sofort an einen Dreier denken würden. Das sexistische Vorurteil, lesbische Sexualität sei nur mit einem Mann in der Mitte vollständig, wird für einen kurzen Moment kritisch beleuchtet, nur um wenig später komplett bestätigt zu werden, wenn Toto sich mit Sarah und deren Freundin in den Laken wälzt. Die Lektion aus Schlussmacher: Lesben fotografieren sich gerne gegenseitig halbnackt mit Obst und Gemüse und warten sehnsüchtig auf den nächsten Penis, der den Weg in ihr Bett findet.

Neben den Lesben gibt es dann noch die Dicke. Auch hier hat sich Matthias Schweighöfer wenig Mühe gegeben, mal von tradierten Bildern Abstand zu nehmen. Die dicke und monströs wirkende Frau, die dem Protagonisten das Fürchten lehrt, taucht hier leider nicht zum ersten Mal auf. Dennoch habe ich selten eine so erniedrigende Darstellung gesehen wie in Herrn Schweighöfers Film und ich frage mich, warum Manuela Wisbeck sich für so etwas hergibt. Wisbeck spielt Gabriela, deren Lebensgefährte Paul engagiert, um sich zu trennen. Dabei spielt der Körperumfang Gabrielas eine nicht unerhebliche Rolle. Während dies der kleinen Feministin in mir schon reichen würde, sich vor Abscheu zu erbrechen, setzt Matthias Schweighöfer noch einen drauf: Zunächst droht Gabriela Toto quasi zu vergewaltigen (frei nach dem Motto: Wer hat schon freiwillig Bock auf Sex mit einer dicken Frau?), dann müssen Paul und Toto vor der wildgewordenen Furie um ihr Leben rennen. Gabriela hat keinen Charakter, sie hat lediglich eine Funktion: Sie soll Ekel und Furcht bei den Protagonisten und dem Publikum auslösen. Die einzige Reaktion, die diese Passage bei mir auslöste, war jedoch unbändige Wut auf diese entwürdigende Darstellung und der damit einhergehenden Normierung der Idealfrau als dürr und zerbrechlich, um nicht zu sagen anorektisch.

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