Die schlechtesten Filme 2019 – Von Avengers: Endgame bis Rambo

Avengers: Endgame
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Meint es gut mit den Menschen.

Da meiner letzten Bestandsaufnahme des Kinojahres nichts hinzuzufügen wäre, verzichte ich diesmal auf eine wiederholende Einordnung der unterschiedlich furchtbaren und doch wieder symptomatisch für die Krisenzustände der Filmindustrie gelisteten Titel. Allen Lesern frohe Weihnachten!

Das sind die schlechtesten Filme des Jahres 2019.

Platz 10: Star Wars 9 - Der Aufstieg Skywalkers

Seit Monaten tobt in sozialen Netzwerken ein alberner Kleinkrieg um die Frage, ob Regisseur Rian Johnson der Sequel-Trilogie genutzt oder geschadet habe. Und fast könnte er dazu verleiten, Episode 8 für mehr als den Mittelteil eines künstlerisch hochgradig eingeschränkten Versöhnungsprojekts zu halten.

Zum Abschluss dieses Projekts feiert Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers jetzt den Sieg des falschen Fanbegehrens über eine von George Lucas erdachte Idee, deren zahllose und hier bis zur Selbstparodie variierte Zitate nur noch Posen ohne Bedeutung sind.

Episode 9 offenbart vor allem die visuelle und erzählerische Armut angeblicher Spielberg-Erben wie J. J. Abrams, die zwar mit Pastiche-Filmen auf Cosplay-Niveau vorschriftsmäßige Markenpflege zu betreiben verstehen, aber keinen einzigen eigenen Gedanken formuliert bekommen.

Platz 9: Booksmart

Zwei Schülerinnen mit gesicherten Studienplätzen an Elite-Unis fühlen sich um ihre Adoleszenz betrogen und wollen am Vorabend der Abschlussfeier erstmals die Sau rauslassen. Zuvor mussten sie erfahren, dass auch ihre kiffenden und notgeilen Mitschüler beste Zukunftssaussichten haben, nachdem sie diese eigentlich für Verlierer hielten.

Daraus zimmert Booksmart eine für ihre Selbstermächtigung gefeierte Teenie-Komödie, deren steinreiche Protagonisten so sehr zum offensichtlichen Sprachrohr persönlicher Befindlichkeiten mutieren, dass die Macher weder ihnen noch einer eigenen Filmsprache zu vertrauen scheinen.

Keine der Figuren, ganz besonders keiner der schwulen Nebencharaktere, darf hier mehr sein als eine Karikatur. Und dass ein so lauter und übersteuerter Film trotz Dauerbeschallung nicht mal zufällig einen richtigen Ton trifft, ist geradezu verblüffend.

Platz 8: Hustlers

Kunstlos und mit eindeutig verteilten Sympathien handelt Hustlers von vier Stripperinnen, die vergnügungssüchtigen Brokern erst Ketamin ins Glas schütten und anschließend deren Konten plündern. Kurz vor Abspann dürfen die kriminellen Heldinnen noch mal beschwipst durchs Luxusapartment tanzen, damit auch kein Zweifel besteht, dass der Film sie gern hat.

Das alles ist unerträglich doof und wäre kaum der Rede wert, gäbe es nicht standhafte Bemühungen, diesen Unsinn zum ernsthaften Anwärter der aktuellen Oscarsaison hoch zu stilisieren. Wenn Regisseurin Lorene Scafaria dann gut begründet leer ausgehen wird, dürfen Fans sich umso stärker empören.

Platz 7: Rambo - Last Blood

Entgegen mancher Behauptungen ist Rambo: Last Blood kein Kino von Donald Trumps Gnaden. Derart schlechter Geschmack nämlich wäre selbst dem US-Präsidenten kaum zuzutrauen – und der Film müsste auch wesentlich mehr auf die Tube drücken bzw. überhaupt politische Anknüpfungspunkte besitzen.

Vielmehr erzählt dieser 5. Rambo-Teil eine dümmliche Rachestory, deren ultrabillige Inszenierung nicht nur die filmische Mythologie der Figur zu Grabe trägt, sondern auch den sichtbar zusammengeflickten und früher tatsächlich mal einnehmend melancholischen Leinwandkörper von Sylvester Stallone.

Platz 6: Der König der Löwen

Jon Favreau ist der langweiligste Filmemacher der Welt und somit die ideale Wahl für eine Neuauflage vom König der Löwen, die Disney zur Belustigung aller Kinobesucher als Realverfilmung des Stoffes verstanden wissen möchte – obwohl es sich fraglos um eine Computervariante des Zeichentrickklassikers handelt.

Abermals muss die Manga-Serie Kimba, der weiße Löwe als ungenanntes Vorbild einer mit Riefenstahl-Bildern verfeinerten Heldengeschichte herhalten, deren jetzt photorealistisch dargebotene Tiere weiterhin keine Geschlechtsteile haben dürfen.

Das könnte einen auf interessante Weise disparaten Effekt ergeben, würde nicht Disney-typisch jeder Anflug von Interesse in technisch gut gemachter Künstlichkeit versanden. König der Löwen ist auch 2019 noch das sterbenslangweilige Konzernprodukt, das es bereits 1994 war. Kindheitserinnerungen hin oder her.

Platz 5: Im Netz der Versuchung

Dass keine Besprechung dieses kolossal gefloppten Films über seinen definitiv unerwarteten Schlussakt hinwegkam, lag ausnahmsweise einmal nicht an der Fantasielosigkeit von Kritikern. Die finale Wendung selbst, obschon sie beknackt ist wie kaum eine andere, hätte Im Netz der Versuchung sogar reizvoll machen können.

Rätsel gibt stattdessen der staatstragende Ernst solcher wie Erdbeben ins Drehbuch geschriebenen Twists auf. Vor 20 Jahren haben David Fincher und Christopher Nolan nicht allein die bleierne Schwere und das erzwungene Staunen vergleichbarer Identitätsthriller salonfähig gemacht, sondern ebenso die unfreiwillige Komik, die ihnen bis heute anhaftet.

Was daher schön-schmierige Karriereknickunterhaltung mit Matthew McConaughey hätte sein können, reicht wieder nur zum aufgeblasenen Mindfuck-Kino, dem die ganz großen Fragen des Lebens gerade gut genug sind.

Platz 4: Berlin, I Love You

Mit der Anmutigkeit einer Kaffeekapselwerbung will die teutonische Resterampenvariante von Paris, je t'aime (für den seinerzeit noch achtbare Namen wie Alfonso Cuarón, Olivier Assayas oder Gus Van Sant gewonnen werden konnten) direkt ins Herz der bundesdeutschen Hauptstadt treffen.

Gebraucht und gesehen hat den freilich durch hiesige Fördergelder unterstützen Omnibusfilm Berlin, I Love You kein Mensch, was zumindest im Falle der von Til Schweiger gedrehten Episode bedauerlich ist. Darin verführt Mickey Rourke die 40 Jahre jüngere Toni Garrn, um danach herausfinden zu müssen, dass sie seine Tochter ist!

Auch die restlichen Abschnitte schwanken zwischen hochnotpeinlich und beruflichem Sargnagel. Veronica Ferres zum Beispiel rockt in der absurdesten Schauspielsimulation seit Rami Maleks Zahnprothesen-Freddie mit Küchenschürze durch einen Waschsalon. Klingt geil schräg, ist aber wirklich nicht auszuhalten.

Platz 3: 6 Underground

Mehr denn je scheinen nicht geringe Teile der internationalen Cinephilie von Michael Bay demonstrativ fasziniert. Begonnen hat das als trotzige Erwiderung auf eine filmkritische Ablehnung, die sich in der Publikumsbeliebtheit seines Krawalls niemals widerspiegelte, und ist mittlerweile zum Nebenprodukt postmoderner Geschmackshuberei verkommen.

Während ein beispiellos mies gedrehter Film wie 6 Underground also den letzten Rest annähernd menschlicher Regungen aus Bays Kino tilgt, wird die pseudo-virtuose Großkotzigkeit des "vulgären Autorenregisseurs" in unverschämten Wahnwitz umgedeutet. Es tut allerdings, auf Netflix-Größe geschrumpft, kaum noch weh – und sei deshalb von Herzen gegönnt.

Platz 2: Captain Marvel

Marvel-Produktionen seien "kein Kino", tönte Regielegende Martin Scorsese. Mit der schönsten Insider-Wortmeldung 2019 beschrieb er treffend den Zustand des gegenwärtigen Hollywood. Und vermutlich wären seine kritischen Statements sogar noch harscher geraten, hätte er die betreffenden Filme auch tatsächlich gesehen, statt sie lediglich "auszuprobieren".

Wer jedoch könnte es dem vielseitigen Künstler hinter kleinen und großen Mafiageschichten, hinter Melodramen, Thrillern und gigantischen Abenteuerfilmen in 3D verübeln, dass er monströses Anti-Kino wie Captain Marvel nicht erträgt?

Von allen trüben Episoden des sogenannten MCU macht Captain Marvel jedenfalls den kläglichsten Eindruck. Die genuine Hässlichkeit der wahllos über Figuren und Stimmungen gestülpten Grauschleier lässt zeitweise sogar jenen sich keck dünkenden Humor vergessen, der nicht mehr ist als eine bloße Behauptung von Repräsentation und Souveränität.

Platz 1: Avengers 4 – Endgame

Über 350 Millionen Dollar soll die längste Cutscene der Kinogeschichte verschlungen haben. Dennoch sieht Avengers 4: Endgame aus wie Kabelfernsehen von anno dazumal, wobei sich die Frage nach dem größten ästhetischen Vergehen nunmehr zwischen Hawkeyes Frisur und der zuverlässig gruseligen Farbsättigung entscheidet.

Unklar bleibt indes der Höhepunktcharakter dieses vorgeblichen Endspiels, das trotz seiner irrsinnigen Laufzeit lediglich beweist, dass es im Marvel-Kinouniversum auch 10 Jahre später um absolut nichts geht. Würde Thanos alle Lebewesen hinfort schnipsen, hielten saublöde Kalauersprüche bis zuletzt die Stellung.


Beinahe so quälend wie der Film war die kostenlose PR vieler Medien, in denen Avengers 4: Endgame aufgrund eines mit Knebelverträgen und Mietzuschlägen erlangten Umsatzes als "erfolgreichster Film aller Zeiten" gepriesen wurde.

Längst scheint es keine Option mehr zu sein, das Spiel des Unterhaltungsmonopolisten Disney einfach nicht mitzuspielen.

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