"Die schlechtesten Oscars aller Zeiten": Darauf müsst ihr 2019 verzichten

The Favourite  und Bohemian Rhapsody
© Netflix/20th Century Fox
The Favourite und Bohemian Rhapsody
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Betrachtet das Leben in 2.35:1 und hat in Programmkinos aufgrund der freien Platzwahl Angst vor einem Kontrollverlust.

In diesem Jahr wird sich die Oscar-Preisverleihung deutlich von den Academy Awards der vorherigen Jahre unterscheiden. Nicht nur, dass mit Black Panther zum ersten Mal in der Geschichte ein Superhelden-Titel für den Besten Film nominiert ist, auch das Fehlen eines Moderators ist etwas, das zuletzt 1989 vorgekommen ist.

Die 91. Ausgabe der Oscars wird jetzt allerdings einer weiteren Anpassung unterzogen und die dürfte auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Bekanntgabe der Preisträger in gleich vier Kategorien wird am 24.02.2019 nämlich gar nicht erst im Fernsehen gezeigt.

Diese vier Oscars werden durch Werbung ersetzt

Kaum zu glauben, laut Berichten der US-Kollegen wie Variety aber wahr: Während wie üblich die Nominierten vorgestellt und die Goldjungen an die Gewinner überreicht werden, ihre Dankesrede nicht zu vergessen, soll Werbung geschaltet werden.

Der Zuschauer bekommt von diesen entscheidenden und vor allem oft sehr emotionalen Momenten nichts mit, sondern darf sich mit Werbespots vergnügen. Die Kür der Preisträger soll zwar auch in der TV-Übertragung nicht ganz ausbleiben, jedoch in stark geschnittener Form daherkommen und nicht live übertragen werden. John Bailey, Präsident der Academy, habe die Mitglieder des Verbands per Mail darüber in Kenntnis gesetzt. Folgende vier Oscar-Kategorien sind von der Maßnahme betroffen:

Beste Kamera
Cold War - Der Breitengrad der Liebe
The Favourite
Werk ohne Autor
Roma
A Star Is Born


Bester Schnitt
BlacKkKlansman
Bohemian Rhapsody
The Favourite
Green Book
Vice - Der zweite Mann

Bester Kurzfilm
Detainment
Fauve
Marguerite
Mother
Skin

Bestes Make-up & Hairstyling
Border
Maria Stuart, Königin von Schottland
Vice - Der zweite Mann

Während Make-up & Hairstyling tatsächlich nur das Branchenpublikum wirklich interessieren dürfte, sind gerade Kamera und Schnitt vergleichsweise große Kategorien, deren Vergabe wohl auch filmbegeisterte Privatzuschauer mit Spannung verfolgen. Die Kamera ist immerhin auch das wichtigste Werkzeug im Film, um die Bilder zum Leben zu erwecken. Beim malerischen Roma führte mit Alfonso Cuarón der Regisseur dieses Films die Kamera deshalb gleich selbst. Der Schnitt dagegen kann als visuelle Musik des Films verstanden werden und ist noch mal eine ganz eigene Kunst für sich. Mit ihm steht und fällt ein Film.

Die Oscars sollen 2019 kürzer werden

Die Academy legt aber offenbar wenig Wert darauf und gibt tatsächlich den geldbringenden Werbepausen den Vorzug. Der Hauptgrund dafür soll jedoch die geplante Dauer der Verleihung sein, so soll die Veranstaltung in diesem Jahr nicht länger als drei Stunden Zeit benötigen. Bisher liefen die Oscar-Nächte stets über vier Stunden.

Erst kürzlich machten John Bailey und die für die Leitung der Show verantwortlichen Glenn Weiss und Donna Gigliotti überaus deutlich, wie wichtig ihnen dieses Ziel ist. So teilten sie den Nominierten mit, dass sie ihre Reden diesmal besonders kurz halten sollen. Wer die Vergabe der vier Goldjungen dennoch nicht verpassen will, soll diese in einem separaten Stream auf der Oscar-Homepage sehen können.

"Die Academy gehört gefeuert": Die Branche läuft Sturm

Einige große Namen der Branche wie auch Journalisten haben sich bereits zu Wort gemeldet und äußern ihren Unmut auf Twitter. Die neue fragwürdige Entscheidung der Academy hat mit #PresentAll24 sogar schon einen eigenen Hashtag. Der Vorjahres-Regie-Gewinner Guillermo del Toro bedauert etwa speziell den Umgang mit den Handwerken Kamera und Schnitt sehr. "Sie sind das Herz unserer Arbeit", so der Preisträger für Shape of Water. "Sie gehen nicht aus dem Theater oder der Literatur hervor. Sie selbst sind das Kino."

Steven Weintraub, Chefredakteur von Collider, fordert sogar, dass jeder für die Oscar-Show Verantwortliche entlassen werden sollte. Filme würden ohne die Arbeit von Kameramännern und -frauen nicht existieren.

Der Filmkritiker Brian Tallerico befürchtet schon die "am schlechtesten produzierte Award-Show aller Zeiten".

Ist das deutsche Fernsehen auch betroffen?

Im US-Fernsehen wird die Preisverleihung von ABC übertragen. In Deutschland strahlt zwar ProSieben die Oscars aus, wie immer ist der Unterföhringer Sender aber nur auf dem Roten Teppich vor Ort. Sobald um 02:00 Uhr nach europäischer Zeit die Veranstaltung beginnt, sehen wir auch hierzulande die Übertragung von ABC. Auch deutsche Zuschauer werden während der vier genannten Kategorien also Werbepausen zu Gesicht bekommen. Statt einer möglichen Dankesrede von Cuarón oder gar dem Sieg des deutschen Beitrags Werk ohne Autor, der für die Beste Kamera ebenfalls nominiert ist, gibt es dann Spots von Parship und Lieferheld.

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