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Mein Herz für Serie

Extras - Diese Statisten haben es nicht leicht

Extras: Staffel 1
© BBC/HBO
Extras: Staffel 1
14.04.2016 - 10:30 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Mit Extras möchte ich euch heute eine kleine, aber feine Comedy-Perle aus England vorstellen. Hinter der Serie stecken Ricky Gervais und Stephen Merchant, die vorher bereits mit The Office ihren ersten großen Hit landeten.

Extras ist die englische Bezeichnung für Statisten. Also für diejenigen, die sich meist unauffällig im Hintergrund etlicher Film- und Fernsehbilder tümmeln. Wenn ihr euch auch schon mal gefragt habt, was das wohl für Leute sind, die sich hinter diesen meist grobpixeligen Gestalten verbergen, dann seid ihr bei der britischen Comedy-Serie mit dem puristischen Titel Extras goldrichtig. Das innovative Schöpfer-Duo des britischen The Office-Originals, namentlich Ricky Gervais und Stephen Merchant, laden uns erneut ein auf eine humoristische Reise der Extraklasse. Wir erhalten aberwitzige, äußert pikante Einblicke in den ganz normalen Wahnsinn des Film- und Fernsehgeschäfts und müssen schließlich erkennen: auch alles nur Menschen da. Und was für welche. Sowohl Ricky Gervais als auch Stephen Merchant übernahmen neben Regie- und Drehbuchposten jeweils auch eine tragende Rolle vor der Kamera ihres gemeinsamen Serienprojekts.

Worum geht's?

Gemeinsam mit den Protagonisten Andy Millman (Ricky Gervais) und Maggie Jacobs (Ashley Jensen) tauchen wir ein in die glamouröse Welt des Films, die sich aus der Perspektive dieser beiden erfolglosen Statisten jedoch viel mehr als unbarmherziges, geistloses Moloch denn als Traumfabrik entpuppt. Jede Extras-Episode spielt derweil auf einem anderen großen (fiktiven) Filmset, wo uns immer wieder internationale Schauspielstars wie etwa Samuel L. Jackson, Orlando Bloom, Patrick Stewart oder Ian McKellen über den Weg laufen. Die Star-Auftritte sorgen natürlich für extra Spaß und Aufsehen und erinnern an die HBO-Produktion Entourage. Doch wo in dem US-amerikanischen Format ein "echter" Hollywoodstar im Mittelpunkt der Handlung steht, haben wir es nun (zumindest zu Beginn) mit einem notorischen Versager zu tun. Andy Millman führt uns anschaulich in den unglamourösen Alltag der Statisten ein: Mit ihren kindlich-naiven Träumen vom großen Durchbruch vor Augen irren diese getriebenen Möchtegern-Schauspieler und Dilettanten umher, ziehen von Filmset zu Filmset und begeben sich auf die Jagd nach kleineren Sprechrollen. So essenziell sie alle sind für die Filmindustrie, so wenig werden sie am Ende doch wirklich wertgeschätzt.

Extras: Andy Millman und seine beiden Freunde Maggie und Darren

Was passiert?

Andy scheint eigentlich ein recht cleverer Kerl zu sein. Mit schauspielerischem Talent ist er allerdings nicht gerade gesegnet. Und so stolpert er in der ersten Staffel als unscheinbarer Statist durch die Filmwelt, der sich finanziell geradeso über Wasser halten kann. Seine beherzten Bemühungen, endlich eine Rolle mit Dialog zu ergattern, nehmen dabei immer verzweifeltere Züge an. Bestechung ist für ihn schon lange kein Fremdwort mehr, Scham hat er auch keine. Gesellschaft leisten ihm bei seinen schauspielerischen Gehversuchen derweil seine treudoofe, redselige Freundin und Kollegin Maggie sowie sein unterbelichteter "Manager" Darren (Stephen Merchant). Gemeinsam tritt das Trio infernal beständig in die größtmöglichen Fettnäpfchen und schnell wird klar, dass der arme Andy ohne seine beiden – bitte um Verzeihung – selten dämlichen Freunde um einiges besser dran wäre. Denn Andy, dieser kleine blasse, etwas kräftigere Loser-Typ hat durchaus Ehrgeiz. Und mit ein bisschen mehr Glück und Feingefühl sowie mit kompetenter Unterstützung hätte er zweifellos die Chance, endlich auf die Sonnenseite des Lebens zu wechseln. Doch die naiv-begriffsstutzige Maggie und der stümperhafte, für Andy völlig nutzlose "Agent" Darren sorgen gekonnt dafür, dass sich jede noch so kleine Chance auf Erfolg für ihn in Luft auflöst. Und so schauen wir ihm peinlich berührt und voller Fremdscham immer wieder beim Scheitern zu – was sehr amüsant ist wohlgemerkt.

Komödiantische Höhepunkte

Einen der unzähligen komödiantischen Höhepunkte der ersten Staffel markiert Kate Winslets Auftritt als Nonne, denn die berühmte, prestigeträchtige Schauspielerin entpuppt sich schnell als karrieregeile Narzisstin, die scheinbar nichts Besseres zu tun hat, als Andy und Maggie den lieben langen Tag ihre besten Telefonsex-Sprüche darzubieten.

"Kate Winslet beim Telefonsex mit Anne Frank und Joseph Goebbels - das ist ein ganz normaler Tag."

Und auch Ben Stillers Gastspiel als neurotisch-ambitionierter Arthouse-Regisseur, der einen Kosovo-Kriegsfilm inszeniert und dabei eine ganz schön erfolgsgeblendete Arschlochmentalität an den Tag legt, gehört natürlich auf die lange Liste meiner persönlichen Lieblingsmomente der ersten Staffel Extras.

Wie geht's weiter?

Doch nachdem wir Andy nun im ewigen Konkurrenzkampf unter den Statisten glanzlos haben untergehen sehen und wir ungewollt Zeugen von Maggies zahllosen Versuchen geworden sind, am Set die ganz große Liebe abzuschleppen, scheint sich das Blatt in der zweiten Staffel plötzlich zu wenden. Andy geht unter die Serienschöpfer und wird als Protagonist seiner eigenen Sitcom When the Whistle Blows, auch liebevoll als "Shitcom" bezeichnet, berühmt. Und auch für Maggie geht es bergauf, wird sie doch nun offensiv von Filmstars wie Orlando Bloom und Daniel Radcliffe umworben. Beide können interessanterweise nicht die Finger von ihr lassen und verpassen Maggie jeweils einen dicken Schmatzer. Besonders Daniel Radcliffes Auftritt als verzogener Teenager mit Hormonstau, der einen Pfadfinder-Harry Potter Abklatsch dreht, macht natürlich Laune. Der selbsternannte Frauenheld und Möchtegern-Badass wird am Set zwar permanent von seiner Mutter überwacht, das hindert den pubertären Schwerenöter aber nicht daran, Maggie gegenüber eine echte (S)Charme-Offensive zu starten.

Extras: Daniel Radcliffes subtile Anmachversuche

Die Message

Neben all der schlüpfrigen Komik, gut aufgelegten Stars, die sich selbst beherzt auf die Schippe nehmen und dem permanenten Spiel mit Vorurteilen und Andersartigkeiten, wartet der Serienklamauk dabei durchaus noch mit einer ernsteren und tiefsinnigeren Facette auf. Im Kern geht es nämlich um zwei einsame, gebrochene Menschen, die sich in die Scheinwelt des Film- und Fernsehens flüchten, um dort ihr Glück zu finden. Doch der Blick hinter die Kulissen verdeutlicht, dass ein Leben für den Erfolg alles andere als erfüllend ist. Und die Abgründe des Showbusiness sind tief. Diese schmerzhafte Erfahrung muss Andy immer wieder machen, auch dann noch, als er vom Statisten zum Serienschauspieler aufsteigt. Denn der Preis dafür ist hoch: Andy prostituiert sich für den Erfolg und wird zur Marionette des reinen Quotengeschäfts der BBC. Seine Sitcom wird zu einer niveaulosen Lachnummer und verkommt zu einem einzigen Running-Gag: "Amüsieren Sie sich darüber, amüsiert er sich darüber?!".

Symbolisch steht Andys fragwürdiger Erfolg dabei für die Verderbtheit einer ganzen Branche sowie für seine eigene Unfähigkeit, aus Fehlern zu lernen und aus dem Teufelskreis des Versagens auszubrechen. So nimmt die Serie durchaus auch nachdenkliche Züge an und hinterfragt neben all dem Klamauk gar ihre eigene Daseinsberechtigung. Andy Millman wird dabei selbst zu einem einzigen Running-Gag degradiert. Und niemand anderes als David Bowie widmet ihm einen wunderbar zynischen Schmähsong.

Extras: David Bowie schmettert am Klavier einen spontanen Song auf Andy Millman

Mein Fazit

Jedem, der sich gerne mal ausgiebig fremdschämt und liebevoll überzeichnete Charaktere mag, die vor Blödsinnigkeit nur so strotzen, sei Extras hiermit wärmstens ans Herz gelegt.

Die bereits seit 2007 beendete Comedy-Odyssee umfasst 2 Staffeln á 6 Folgen. Abgeschlossen wurde Extras dann durch ein 90-minütiges Weihnachtsspecial. Übrigens lässt sich die gesamte Serie zurzeit bei clipfish  völlig kostenlos und legal streamen. Klickt euch rein! 

Extras: Was Robert De Niro hier gerade so köstlich amüsiert, erfahrt ihr ganz am Ende der Serie!

Was sagt ihr zu der Comedy-Serie Extras?

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