Was ist Fear the Walking Dead seinem Original schuldig?
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Was ist Fear the Walking Dead seinem Original schuldig?
Spin-off-Trailer

Fear the Walking Dead - Ganz anders als The Walking Dead?

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Bei der Comic-Con in San Diego jagte dieses Wochenende ein Highlight das andere. Dazu gehörte auch das Panel von AMC am Freitag. Dabei wurden zwei der wohl am meisten erwarteten Trailer der gesamten Convention präsentiert: The Walking Dead und Fear the Walking Dead.

Keine Wälder
Während nach fünf Staffeln von The Walking Dead mittlerweile klar sein sollte, wie der klassische Comic-Con-Einblick in die Zombie-Apokalypse aussehen wird, war die Spannung hinsichtlich einer längeren Vorschau auf die Spin-off-Serie schon größer. Seit Freitagnacht wissen wir mehr: Fear the Walking Dead könnte im Hinblick auf die Mutterserie nicht gegensätzlicher ausfallen, wie es auch Paul Tassi bei Forbes präzise zusammenfasst. Das zu Beginn der Produktion propagierte Credo "no woods" ist dem Trailer anzusehen. Schon die zentralen Schauplätze geben einen guten Einblick in die Unterschiede zu The Walking Dead.

Lücken füllen
Wo sich die Handlung von The Walking Dead noch im Raum Atlanta nahe der Ostküste der USA abspielte, konzentriert sich Fear the Walking Dead auf die Schicksale von Menschen, die bisher ein mehr oder weniger erfülltes Leben im sonnigen Los Angeles genossen haben und plötzlich mit dem Ausbruch einer merkwürdigen Pandemie konfrontiert werden. Während sich Fear the Walking Dead aber sichtlich von seinem Vorbild entfernt, nähert sich die Spin-off-Serie (zumindest soweit es der Comic-Con-Trailer durchblicken lässt) bekannten Vertretern ihrer Gattung an. Im urbanen Setting kriechen die Toten aus ihren Löchern und terrorisieren die Menschheit, wie es zuletzt in World War Z auf der großen Leinwand der Fall war. Im Grunde entsteht der Eindruck, dass Fear the Walking Dead genau jene Lücke füllen will, die The Walking Dead seinerzeit mit einem mutigen Schnitt einfach komplett übersprungen hat. Die Serie setzte schließlich erst in dem Augenblick wieder ein, als Protagonist Rick Grimes (Andrew Lincoln) im 28 Days Later-Style durch die leeren Gänge eines Krankenhauses irrte.

Rettung aus der Krise
Doch warum versucht sich das Spin-off dermaßen von seiner Herkunft zu distanzieren, obgleich mit einem gleichbleibenden Universum - sprich der Marke The Walking Dead - geworben wird? Mit Sicherheit spielen hier Bemühungen seitens AMC mit rein, denn der US-amerikanische Kabelsender befindet sich derzeit in einer Krise. Von seinen drei entscheidenden Flaggschiffen sind anno 2015 zwei im Ruhestand (Mad Men, Breaking Bad) und die Suche nach würdigen Nachfolgern verläuft mehr als schleppend. Hoffnungsträger wie Turn und Halt and Catch Fire entpuppten sich in ihrer jeweiligen Debütstaffel kaum als kräftige Zugpferde, wurden trotz schwacher Quoten verlängert und beim zweiten Einsatz umstrukturiert, was die Zuschauer des von Werbung abhängigen Senders bislang kaum belohnen. Selbst wenn es ein Format wie Hell on Wheels bei AMC bis in die fünfte Staffel schafft, spielt es nicht in der gleichen Liga wie die Leiden des Don Draper (Jon Hamm) oder der Meth-Zwist zwischen Walter White (Bryan Cranston) und Jesse Pinkman (Aaron Paul).

Better Call Saul macht es vor
Nur The Walking Dead erweckt im Repertoire von AMC den Eindruck, für die Ewigkeit geschaffen worden zu sein. Immerhin fährt die Zombie-Horror-Serie im Episodentakt Rekordquoten ein und basiert darüber hinaus auf einer Comic-Vorlage, bei der ein Ende längst nicht in Sicht ist - ganz im Gegensatz zu den konkreten Ideen von Matthew Weiner und Vince Gilligan. Ein Schlupfloch gibt es allerdings immer, wie erst zu Beginn dieses Jahres die Spin-off-Serie Better Call Saul bewiesen und AMC zumindest eine Verlängerung des Breaking Bad-Homeruns beschert hat. Eine Geschichte über eine Nebenfigur, die zeitlich gesehen vor der eigentlichen Hauptserie spielt, avancierte zur Rettung aus der (kreativen) Not: Jimmy McGill aka Saul Goodman (Bob Odenkirk) bekräftigte AMC, womöglich weitere Spin-off-Unternehmungen anzustreben - und das, ohne sich auf den Vorschusslorbeeren von Breaking Bad auszuruhen.

Natürlich schwebt der Dunst von kristallblauem Meth über allen Beteiligten der Serie (selbst Jonathan Banks hat seinen Weg als Mike Ehrmantraut in die serielle Vorgeschichte gefunden). Trotzdem hat Better Call Saul kräftig am Grundgerüst der Mutterserie gerüttelt, ja, vielleicht sogar den ein oder anderen Heisenberg-Jünger in seiner unerwarteten Aufmachung vor den Kopf gestoßen. Und genau hier treffen nun auch The Walking Dead und Fear the Walking Dead aufeinander: AMC hat die Serien-Adaption der Werke von Robert Kirkman quasi als Abschussrampe verwendet, um ein neues Format in Stellung zu bringen, das noch einen Schritt weitergeht als Better Call Saul. Denn Fear the Walking Dead bringt außer den Zombies kein spezifisches Merkmal seines Ursprungs mit - den Titel außen vorgelassen, der in erster Linie dazu dient, das Zielpublikum zu erreichen.

180-Grad-Wendung
Stattdessen schlägt die Spin-off-Serie eine 180-Grad-Wendung ein und löst sich in allen Belangen von The Walking Dead. Neben der bereits erwähnten Verlagerung der Handlung nach Los Angeles setzt sich das gesamte Ensemble aus neuen Gesichtern (unter anderem die Charakterdarsteller Cliff Curtis und Kim Dickens) zusammen und ein Crossover beider Formate ist vorerst nicht geplant. Nicht einmal der Bezug zu Robert Kirkmans The Walking Dead-Comics ist gegeben, als wäre Fear the Walking Dead eine komplett eigenständige Serie, die unterm Strich nichts mehr mit der Ausgangsserie zu tun hat. Außer natürlich die Zombies.

Komplette Gegensätze im "shared universe": Das ist durchaus lobenswert, weil sich AMC wie bei Better Call Saul den Schritt traut und kein zweites Breaking Bad/The Walking Dead an den Start bringt, sondern tatsächlich etwas Neues wagt. Die einzige Frage, die trotz diesem frischem Wind bleibt: Wo holt die Spin-off-Serie all jene Fans ab, die blind dem Titel folgen und trotz röchelnder Untoter die eigentlich vertraute Zombie-Apokalypse nicht mehr wiedererkennen?

Moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.
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