Größer als Ned Stark: Die wahre Vaterfigur in Game of Thrones ist Jorah Mormont

Jorah Mormont aus Game of Thrones
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Jorah Mormont aus Game of Thrones
Moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
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Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Shows, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.

Achtung, massive Spoiler zur 8. Staffel von Game of Thrones! In der jüngsten Game of Thrones-Folge heißt es Abschied nehmen von mehreren Figuren, die bei der Schlacht gegen die Weißen Wanderer der Serientod ereilt. Zu den frisch Verstorbenen zählt auch Jorah Mormont (Iain Glen), Daenerys' treuer und uneigennütziger Weggefährte. Sein Ableben hinterlässt eine Lücke in der Serie, deren Ausmaß wir mit Blick auf die noch kommenden Folgen womöglich gar nicht absehen können.

Mit Jorah verliert Game of Thrones in Staffel 8 eine seiner besten Figuren

  • Jorah Mormont zählt in Game of Thrones zu den unbesungenen Helden.
  • In den letzten Staffeln hat er fast unbemerkt eine wichtige Entwicklung durchlaufen.
  • Sein Understatement war für die Serie eminent wichtig.

Jorah schließt schon in der 1. Staffel von Game of Thrones mit Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) Bekanntschaft und weicht ab diesem Moment nur ein einziges Mal von der Seite der Drachenmutter - auf ihren eigenen Befehl hin. So knapp und bündig ließe sich die Geschichte des Mannes von der Bäreninsel beschreiben und doch würde es ihm nicht ansatzweise gerecht werden.

Jorah Mormont und sein steiniger Weg aus der Friendzone

Noch immer reduzieren ihn viele Fans der Serie auf seine unerfüllte Liebe zur Thronanwärterin, die allerdings weitaus mehr Facetten besitzt, als es auf den ersten Blick den Eindruck erweckt. Eine Weile lang konnten wir seine Gefühle recht problemlos auf romantisches Begehren mit den entsprechenden Begleiterscheinungen wie Eifersucht (gegenüber zum Beispiel Daenerys' zwischenzeitlichem Geliebten Daario Naharis) reduzieren, aber darüber ist Jorah zum Zeitpunkt seines Todes schon weit hinaus.

Daenerys' doppelte Verbannung ihres engsten Vertrauten setzt bei ihm einen fundamentalen Reifeprozess in Gang, an dessen Ende eine sehr viel reinere Form von Zuneigung steht als noch am Anfang. So akzeptiert Jorah spätestens nach der Heilung seiner Grauschuppenerkrankung, dass er als Vaterfigur und Freund für seine Khaleesi viel wertvoller ist, als er es als Liebhaber je sein könnte. Auf diese Weise bewährt er sich als Antithese zu Kleinfinger, dessen verklärte Sicht auf Sansa ihn wahrscheinlich sogar den Kopf kostete.

Mit Jorahs Entwicklung einher geht auch eine neu gewonnene Bescheidenheit, welche wiederum einen ungetrübten Blick auf strategische Fragen ermöglicht. Zeugnis darüber legt die Episode Winterfell ab, in der Mormont bei Daenerys ein gutes Wort für deren offiziell wichtigsten Berater Tyrion einlegt, gleichwohl er seinerseits mit guten Argumenten Anspruch auf den Posten als Hand der Königin erheben könnte.

Was Jorah von anderen Game of Thrones-Figuren unterscheidet

Natürlich ist Jorah nicht ohne Fehler: Einst verdiente er Geld mit illegalem Sklavenhandel und seine Tätigkeit als Spion für König Robert verschwieg er Daenerys wohl zu lange. Trotz Niederlagen, Erniedrigungen und Rückschlägen allerdings verhärtete sich sein Charakter im Verlauf der Serie nicht. Im Gegenteil erlebten wir zuletzt einen gütigeren, besonneneren Jorah als noch in den ersten Game of Thrones-Staffeln.

Damit steht die Figur in einem hoffnungsvollen Kontrast zu vielen anderen Protagonisten des TV-Blockbusters, denen der viel beschworene Winter in Westeros spürbar aufs Gemüt schlägt. Nicht einmal die ursprünglich so gerechten Starks sind davon ausgenommen, wenn wir einmal an die vergleichsweise fatalistische Charakterentwicklung von Sansa oder Rache-Engel Arya denken.

In einem fiktiven Universum, das unentwegt von grausamen Menschen (und bis vor Kurzem auch von grausamen Untoten) beherrscht wird, erstrahlte Jorah als Hoffnungsschimmer und zeigte uns, dass es selbst in Westeros nicht vergebens sein muss, sich zum Positiven zu ändern. Sein tragischer Tod in der Folge Die Lange Nacht verdeutlicht das nur umso nachdrücklicher.

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Game of Thrones muss zum Glück nicht lange ohne Jorah auskommen

Eindruck schindete Jorah natürlich durch die starke Präsenz von Darsteller Iain Glen, der durch sein ruhiges Charisma vor allem auch dann brillierte, wenn er nur wenig sprach (womit er so einigen seiner Kollegen eine Menge voraushat). Freilich dreht sich die Welt von Game of Thrones auch ohne ihn weiter, glücklicherweise aber muss sie das nur noch drei Folgen lang.

Daenerys wird Jorahs Verdienste und seine Loyalität vermutlich erst jetzt so richtig zu schätzen lernen, wo er eben nicht mehr da ist. Über dem bevorstehenden Kampf gegen die amtierende Königin Cersei schwebt daher eine Extraportion Schwermut, die womöglich nicht einmal die Erleichterung über den Sieg gegen den gefürchteten Nachtkönig aufwiegen kann. Wie gut für alle Beteiligten, dass das Spiel der Throne bald vorbei ist.

Wie steht ihr zu Jorah und seinem Tod in Game of Thrones?

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Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Shows, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.
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