Jurassic World 3 darf die Fehler von Star Wars nicht wiederholen

Jurassic World 3: Das muss die Fortsetzung hinkriegen!
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Ein T. rex freut sich auf die nächsten Opfer: Laura Dern und Sam Neill in Jurassic ParkAbspielen
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Ein T. rex freut sich auf die nächsten Opfer: Laura Dern und Sam Neill in Jurassic Park
09.11.2020 - 15:57 UhrVor 7 Monaten aktualisiert
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Jurassic World 3 holt Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum aus Jurassic Park zurück. Doch damit könnte die Dino-Reihe genau die Fehler wiederholen, die Star Wars in der Sequel-Trilogie machte.

Vor 19 Jahren konnte Alan Grant (Sam Neill) endlich seine Dino-Rente antreten. Der Paläontologe war schon im ersten Film kein Abenteurer. Doch in Jurassic Park III sah er genervt und Franchise-müde aus. Bis in seine Träume wurde er von Raptoren verfolgt.

Dann war Schluss für die Original-Stars aus Jurassic Park. Die Sequel-Filme ab Jurassic World starteten mit einem neuen Cast. Sollten sich doch Chris Pratt und Bryce Dallas Howard mit den Urzeitmonstern herumschlagen! Mittlerweile genügt für den Dino-Terror auch junges Frischfleisch nicht mehr.

In Jurassic World 3: Dominion werden die drei Hauptdarsteller des ersten Films zusammengetrommelt: Sam Neill, Jeff Goldblum und Laura Dern. Wieder einmal erzwingt eine Sequel-Trilogie die personelle Verbindung zur Vergangenheit, statt sich ganz auf ihre neuen Stars zu verlassen. Das kommt besonders Star Wars-Fans bekannt vor.

Jurassic World 3: Auf dem besten Wege zum Star Wars-Verschnitt

Diesem zweiten Teil aus meiner inoffiziellen Reihe "Jenny hat Angst um ihre Lieblings-Filmreihen" (siehe Teil 1: Fast and Furious 9-11) sei vorangestellt: Dieser Film kann gelingen, selbst wenn Colin Trevorrow Regie führt. Jurassic World 3 kann ein fantastischer Blockbuster werden mit einem stimmigen Einsatz des Original-Casts.

Dieses Bild braucht keine Beschreibung.

Es geht hier also nicht um eine Vorverurteilung. Es geht um Bedenken. Die Rückkehr von Laura Dern, Sam Neill und Jeff Goldblum ergibt im Kontext von Dominion Sinn. Immerhin fallen nun die fadenscheinigen Gründe für lebensgefährlichen Trips aus Dino-Inseln weg. Jurassic World 2: Das gefallene Königreich befreite die Dinosaurier. Sie lauern nun überall - womöglich auch im Vorgarten von Alan Grant.

Die Rückkehr des Trios folgt aber auch einem größeren Trend in Hollywood. Der hängt mit Nostalgie zusammen. Und mit Mythologie, die Charakterentwicklung ersetzt. Das Wiedererkennen steht im Vordergrund, nicht das Entdecken. Bekanntestes Beispiel für diesen Trend: die Star Wars-Sequels von J.J. Abrams.

Star Wars und die nervige Herrschaft der Mythologie

Die Star Wars-Sequels von Das Erwachen der Macht bis Der Aufstieg Skywalkers besaßen einen fantastischen Cast aufstrebender Stars. Allerdings hafteten die Original-Figuren Luke Skywalker, Han Solo und Leia Organa an den vorgeblich "neuen" Geschichten wie Drehbuch-Kletten.

Mit sich brachten sie Unmengen von Franchise-Mythologie. Das umfasst Handlungsstränge ebenso wie Nebenfiguren, Zitate, Szenen usw. Heraus kam der ungelenke Versuch, eine beendete Geschichte weiter zu erzählen. Währenddessen wurde die offene Geschichte um Rey, Kylo und Finn als Drehbuch-Kitt zweckentfremdet.

Die eigentlichen Stars von Jurassic World (neben den Dinos)

Warum nicht auf das Alte zurückgreifen? Es vereinfacht viel. Ein Bild von Han Solo (Harrison Ford) ruft in uns zahlreiche Emotionen hervor. Emotionen, die für neue Figuren erst erarbeitet werden müssen.

Franchise-Mythologie ersetzt Komplexität

Mythologie dient nicht nur der Zuschauerbindung, sie suggeriert auch Bedeutung, Sinn, Komplexität. Verbindungen versprechen Fülle, wo vorher nur einzelne Punkte waren.

Wie das daneben gehen kann, zeigt der dritte Akt von James Bond 007 - Spectre. Darin wird nachträglich alles, was in Daniel Craigs Bond-Ära vonstatten ging, einem Bösewicht zugeschrieben: Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz). Alles hat eine Bedeutung und der Schlüssel zum Verständnis ist der Plot von Austin Powers 3.

Jurassic World und Star Wars: Die Legacyquels regieren Hollywood

Die Sucht nach Drehbuch-Mythologie ist eine Konsequenz des Franchise-Zeitalters. Bevor der Neustart scheitert, werden Ur-Stars, -Szenen und -Referenzen herangezogen. Wiedererkennung und Recycling gehen Hand in Hand.

Jurassic World 3: Das muss die Fortsetzung hinkriegen!
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Aus dem Reboot wurde deshalb vielfach das sogenannte "Legacyquel". Matt Singer  prägte den Begriff für Filme wie Indiana Jones 4, Mission: Impossible 4 oder Star Wars 7. Sie verbinden Legacy (Vermächtnis) und Sequel (Fortsetzung), Stamm- und neue Stars. Cobra Kai gehört beispielsweise zu den gelungenen Legacyquels. Jurassic World 1 folgte mit Isla Nublar und Dr. Wu (BD Wong) demselben Prinzip. Dominion setzt noch eines drauf.

Ist Alan Grant der neue Han Solo?

Wo wir wieder beim Anfang sind. Ist Alan Grants Geschichte beendet? Sie war schon beendet, als er Ellie Sattler im Hubschrauber gegenüber saß am Ende von Jurassic Park.

Mit seinen beiden jungen Schützlingen im Arm hatte er dank der Dino-Gefahr seinen zentralen Konflikt überwunden: die Angst davor, Vater zu werden. Damit war auch Ellies Story an einem zufrieden stellenden Endpunkt angelangt.

Na, kommen die euch bekannt vor!?

Jurassic Park III bot einen bitteren, aber realistischen Rückschritt. Ellie hat ihren Kinderwunsch mit einem anderen Mann erfüllt. Alan änderte an seinem Lebensstil nichts. Auch das ist ein Ende - ein notwendiges, das die Sequel-Story rechtfertigt. Und nun? Wird Alan Grant seine Mentoren-Pflicht für Chris Pratt erfüllen und sich danach vor einer Ausgrabungsstätte in Luft auflösen?

Jurassic World 3 braucht keine Mythologie - sondern unterhaltsame Figuren

Ian Malcolm wurde in Vergessene Welt - Jurassic Park ein ähnlicher Vater-Komplex auferlegt und gelöst. Seine kurze Rückkehr in Das gefallene Königreich ergibt durchaus Sinn. Da sitzt er in einer Anhörung über den Umgang mit Dinosauriern. Aber was soll dem Chaostheoretiker, dem Paläontologen oder Paläobotanikerin (noch) eine Konfrontation mit Dinosauriern erzählerisch bringen?

Denn darum geht es in den Jurassic-Filmen: der kleine Mensch im Anblick des erhabenen Schreckens von Urzeitgiganten. Alles andere ist Mittel zum Monster-Zweck. Wenn es aktuell ein Milliarden-Dollar-Franchise gibt, das sich der Mythologie-Sucht entzieht, dann die Jurassic-Filme. So basal, so simpel sind die Thrills, so nebensächlich die Handlung. Selbst Universals andere Gelddruckerei, Fast and Furious, hat eine komplexere Story als die Dino-Abenteuer.

Alles, was diese einfachen Schreckens-Geschichten benötigen, sind Figuren, die wir nicht sterben sehen wollen. Ellie Sattler, Alan Grant und Ian Malcolm vollbrachten das Kunststück. In Jurassic World 3 sollen wir sie sehen. Wir sollen sie wieder erkennen. Wir sollen wieder mit ihnen fühlen. Vielleicht weil das ihren Nachfolgern auch nach zwei Filmen nicht gelingt.

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Was erwartet ihr von der Rückkehr des Original-Trios in Jurassic World: Dominion?

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