Oscar 2012

Kandidaten für den besten fremdsprachigen Film

Oscar-Kandidaten für den besten fremdsprachigen Film
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Oscar-Kandidaten für den besten fremdsprachigen Film

Der Oscar für den besten fremdsprachigen Film nimmt eine besondere, jedoch gern übersehene Position unter den Auszeichnungen ein, die in Los Angeles diesen Sonntag verliehen werden. Schließlich wird in dieser Kategorie der beste Film aller Sprachen mit Ausnahme des Englischen gekürt. Auch diesmal ist das Feld stark, wenn auch überraschend besetzt. Schafften es bei den Golden Globes noch so namhafte Werke wie Die Haut, in der ich wohne oder In the Land of Blood and Honey in die nähere Auswahl, überschneiden sich die Nominierungen der beiden bekanntesten Film-Awards nur in dem schließlichen Golden Globe-Gewinner Nader und Simin – Eine Trennung. Der deutsche Vorschlag Pina von Wim Wenders schaffte es übrigens in die engere Auswahl von neun Werken, konnte jedoch keine Nominierung erlangen. Dies ist nicht wirklich tragisch, da der 3D-Tanzfilm reelle Chance hat, für die beste Dokumentation abzusahnen.

Für die Voraussage, welcher der fremdsprachigen Filme die vielversprechendsten Aussichten hat, den Goldjungen zu gewinnen, müssen im Gegensatz zu anderen Kategorien nicht die Academy-Mitglieder berücksichtigt werden, die die Werke nicht gesehen haben. Aufgrund des eher geringen Bekanntheitsgrads sind nur diejenigen Juroren stimmberechtigt, die bei offiziellen Vorführungen der Academy zugegen waren. Kommen wir also nun zu den Nominierten.

Für Belgien: Bullhead – Wie ein wilder Stier
Der jungen Viehzüchter Jacky Vanmarsenille (Matthias Schoenaerts) ist durch Steroide genauso aufgepumpt, wie seine Tiere es durch Hormone sind. Sein Körper gleicht denen seiner Bullen. Darüber hinaus birgt seine Vergangenheit ein schreckliches Geheimnis, das ihn nun in Form eines erpresserischen Tierarztes wieder einholt. Das Drama spricht in komplexer Art und Weise eine Vielzahl an Themen an, doch verbleibt die Kritik an der Nahrungsmittelindustrie dem Zuschauer am längsten im Gedächtnis. Der Regisseur Michaël R. Roskam, dem mit seinem Spielfilmdebüt auf Anhieb ein Erfolg bei den Kritikern gelang, inszeniert einen wuchtigen Krimi, bei dem die Hauptfigur stets Anlass zur Faszination gibt.

Für Kanada: Monsieur Lazhar – Ein Mikrokosmos zwischen Tradition und Fortschritt
Der titelgebende Bachir Lazhar (Fellag Fellag) ist ein algerischer Immigrant, dessen voriges Leben hauptsächlich aus Schmerz bestand. Jetzt ist ihm als Aushilfslehrer an einer kanadischen Grundschule eine bessere Existenz vergönnt, jedoch droht ihm zu jeder Zeit die Abschiebung. Zu allem Überfluss eckt er in jeder Schulstunde aufgrund seiner konservativen Ansichten hinsichtlich der Vorstellungen zur politischen Korrektheit an. Regisseur Philippe Falardeau gelingt der Drahtseilakt zwischen Tragik und Komödie bis zur Perfektion. Des Weiteren webt das Drama eine Abhandlung über den Tod und schwere Schicksalsschläge in die Handlung ein, was eine enorme emotionale Wirkung auf den Zuschauer ausübt.

Für Iran: Nader und Simin – Eine Trennung – Eine zerrüttete Familie
Das Ehepaar Nader (Peyman Maadi) und Simin (Leila Hatami) befindet sich in einem Zustand des ständigen Streits. Sie möchte mit ihrer gemeinsamen Tochter aus dem Iran auswandern, um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Er zieht es vor, zu bleiben, um seinen kranken Vater zu pflegen. Simin will die Scheidung, was zu weiteren Komplikationen führt. Nader und Simin, besser bekannt unter dem englischen Titel A Separation, ist der uneingeschränkte Favorit bei den diesjährigen Oscars. Ebenfalls für einen Goldjungen als bestes Drehbuch nominiert, gewann das Drama bereits die unglaubliche Anzahl von 59 Preisen. Allein auf der letztjährigen Berlinale konnte es fünf Auszeichnungen abräumen, worunter auch der Goldene Bär als bester Film war. Das Werk von Asghar Farhadi wurde von Kritikern in den Himmel gelobt. So bezeichnete ihn Roger Ebert als besten Film des Jahres und schrieb: “A Separation ist eines der bleibenden Meisterwerke, das auch noch in Jahrzehnten angesehen wird.”

Für Israel: Footnote – Genie und Elitarismus
Vater (Lior Ashkenazi) und Sohn (Shlomo Bar-Aba) sind im Laufe ihrer Karriere zu Rivalen geworden. Beide ähneln sich darin, dass sie exzentrische Universitätsprofessoren sind, doch sie unterscheiden sich grundlegend in ihrer Einstellung zum Establishment. Es ist gerade der Sohn, der die Vorteile der Bürgerlichkeit zu schätzen weiß, während der Vater geradezu eine Abscheu ihr gegenüber entwickelt hat. Trotzdem ist es immer dessen unterschwelliges Streben nach Anerkennung, das sein Handeln motiviert. Footnote mutet zuweilen wie eine Fabel an und lockert den Stoff entsprechend häufig durch leichten Humor auf. Das Drehbuch von Auteur Joseph Cedar konnte letztes Jahr in Cannes alle seine Konkurrenten in die Schranken weisen.

Für Polen: In Darkness – Das Überleben im Zweiten Weltkrieg
Im von den Nazis besetzten Polen beliefert Leopold Socha (Robert Wieckiewicz) aus rein gewinnorientierten Gründen Juden, die sich in den Abwasserkanälen der Stadt Lemberg verstecken, mit überlebenswichtigen Gütern. In Schindlers Liste -Manier findet er jedoch seine Menschlichkeit und kämpft für die unterdrückten Menschen. Die Regisseurin Agnieszka Holland inszeniert die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte in dunklen Bildern und vermag es, starke emotionale Reaktionen trotz des wenig originellen Stoffes hervorzurufen.

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