Nach Avengers: Chris Evans' neue Serie ist Horror der etwas anderen Art

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Chris Evans in Defending Jacob
24.04.2020 - 08:40 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Avengers-Star Chris Evans ist in Verschwiegen (Defending Jacob) in seiner ersten Serienhauptrolle zu sehen. Warum sich die düstere Thriller-Serie nicht nur für Fans von Captain America lohnt, erfahrt ihr im Seriencheck.

Fast 10 Jahre war Chris Evans als Captain America im Marvel Cinematic Universe auf der großen Leinwand zu sehen. Mit Verschwiegen (im Original: Defending Jacob), der Adaption von William Landays gleichnamigen Roman, will er nun die Streamingwelt in seiner ersten Serienhauptrolle erobern. Herausgekommen ist ein packender Krimi, der sich nicht nur für Fans von Chris Evans' Bartpracht lohnt.

Verschwiegen: Wo kann ich Chris Evans' neue Serie streamen?

Verschwiegen mit Chris Evans: Worum geht es überhaupt?

Das Lebens des Bezirksstaatsanwalts Andy Barber (Chris Evans) wirkt auf den ersten Blick vorbildhaft. Aber gleich zu Beginn der Serie wird uns vor Augen geführt, dass sich tiefe Risse in seinem Familienleben auftun. Denn Andy muss sich vor Gericht verantworten. Was zum Zusammenbruch seiner Familie führte, lässt sich nur erahnen und wird von nun an in Rückblenden verfolgt.

Verschwiegen / Defending Jacob

Denn vor 10 Monaten wurde der Schüler Ben Riffkin brutal erstochen im Wald aufgefunden. Der Hauptverdächtige: Andys jugendlicher Sohn Jacob (Jaeden Martell). Der Verdacht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, das Andys Leben zunehmend entgleisen lässt.

Der Fall wird ihm entzogen und der mediale Trubel sorgt dafür, dass Andy, sein Sohn und seine Frau Laurie (Michelle Dockery) zu den meistgehassten Personen in ihrer Kleinstadt in Massachusetts werden. Das Einzige, was ihnen bleibt, ist der Familienzusammenhalt und der Glaube an die Unschuld ihres Sohnes. Aber auch dieser wird durch immer neue Beweise stark auf die Probe gestellt.

Chris Evans in Serie: Für wen lohnt sich Verschwiegen?

Zuerst einmal lohnt sich Verschwiegen natürlich für alle Fans von Chris Evans, der nach dem idealistischen Superhelden Captain America und dem arroganten Arschloch in Knives Out in Verschwiegen als idealistischer Anwalt zu sehen ist, der wieder einmal für Gerechtigkeit und Wahrheit kämpft. Allerdings zeigt Evans' Figur beispielhaft auch das große Problem von Verschwiegen auf: Es passiert nicht viel.

  • Ester-Egg: Marvel-Fans können sich auf einen witzigen Verweis auf die Avengers freuen, wenn Chris Evans' Figur seinen Sohn mit seinem absoluten Hass-Song aufweckt, ein Song, den Iron-Man-Fans direkt erkennen werden.
Jaeden Martell in Verschwiegen / Defending Jacob

Verschwiegen fordert von seinen Zuschauern besonders eines: Geduld. Denn die Handlung kommt im Verlauf der acht Episoden nur langsam in Fahrt, was an einigen Stellen sehr frustrierend werden kann. Als 4-teilige Miniserie hätten sich die quälenden Leerstellen leicht umgehen lassen.

Denn im Grunde passiert 6 Folgen lang ziemlich wenig und die Entwicklung der Figuren ist kaum bemerkbar, während der Fall nur so vor sich hin plätschert. Besonders Evans' Andy beginnt die Serie als "guter Mensch" und verweilt in dieser Schublade fast bis zum Schluss. Er ist geradezu blind für alles, was um ihn herum passiert und was sein Sohn möglicherweise getan hat.

Mit ruhigen Einstellungen, entsättigten Farben und natürlichem Lichteinsatz versucht die Serie, einen langsamen und stark an skandinavische Thriller erinnernden Sog zu erzeugen und gehört eher zur Gattung der Slow-Burn-Krimis wie beispielsweise Broadchurch, The Killing oder True Detective. Auch in diesen wird ein zentraler Fall über eine ganze Staffel hinweg gestreckt.

Wie das ganze aussieht, könnt ihr euch im Trailer zu Verschwiegen anschauen:

Defending Jacob - S01 Trailer (English) HD
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Während die viele Krimis eher die Ermittler oder die Familien der Opfer in den Fokus rücken, konzentriert sich Verschwiegen auf die Familie des potenziellen Mörders und blickt darauf, wie der Verdacht den Hass in den Medien und bei den Mitmenschen schürt und diese scheinbar perfekte Familie fortschreitend bricht. Dabei erinnert Verschwiegen stark HBOs grandiosen Horror-Krimi The Outsider - nur diesmal ohne übernatürliche Monster.

Verschwiegen mit Chris Evans: Eine Horror-Vorstellung für Eltern

Verschwiegen verfolgt einige spannende Ansätze zu Themen wie genetische Veranlagung von Gewalt, Einflüsse des Internets auf Jugendliche und soziale Ausgrenzung. Leider kratzt die Serie oft nur an der Oberfläche und reißt ihre Gedankenansätze nur an.

Das haben andere ähnliche Serien wie The Night Of oder When They See Us einfach besser gemacht. Dennoch werden die Eltern unter euch mit dem Thema "Kenne ich mein Kind überhaupt?" den puren Horror erleben und sollten die Serie garantiert nicht allein gucken.

Einen wilden Thriller voller Wendungen braucht ihr (vorerst) nicht erwarten. Regisseur Morten Tyldum (The Imitation Game) setzt auf Realismus und Zurückhaltung - letzteres betrifft vor allem das reduzierte Spiel der Darsteller und ihre flache Entwicklungskurve. Aber das Warten wird definitiv belohnt.

Chris Evans: Ein Mann, ein Bart

Denn sobald Jacobs Prozess in Folge 7 beginnt, dreht die Serie förmlich durch und wird tatsächlich hoch spannend. Hier überschlagen sich die Enthüllungen und Wendungen bis hin zum packenden und emotional zerreißenden Finale, das viel Spielraum für Interpretation und Diskussion hinterlässt und euch die Serie nicht so schnell vergessen lässt.

Wenn euch das noch nicht überzeugt hat: Besonders Fans vom "bärtigen Chris Evans" werden in Verschwiegen voll auf ihre Kosten kommen, denn seine aus Infinity War bekannte Bartpracht wird hier in ihrer vollen Grandiosität in sämtlichen Einstellungen und Lichtverhältnissen in Szene gesetzt und ist sogar der größte Indikator für Andy Barbers Charakterentwicklung und seinen Zerfall.

Verschwiegen (Defending Jacob) umfasst 8 Episoden, die am 24. April 2020 bei Apple TV+ gestartet sind. Als Grundlage für diesen Seriencheck diente die komplette Staffel.

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