Quarry - Pilot-Check zur Dramaserie mit Logan Marshall-Green

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Pilot-Check zur Dramaserie Quarry mit Logan Marshall-Green
11.09.2016 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Basierend auf den gleichnamigen Romanen von Road to Perdition-Autor Max Allan Collins erzählt Quarry die Geschichte eines Vietnam-Veterans, der in seine Heimat zurückkehrt. Ob die Serie einen Blick wert ist, verraten wir euch im Pilot-Check.

Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich Cinemax in einen Garant für starke Dramaserien verwandelt, die gerne Konventionen brechen und ihre ganz eigene Tonalität besitzen. Nachdem Banshee - Small Town. Big Secrets. und Strike Back den Grundstein für diese Entwicklung legten, überzeugen momentan die Steven Soderbergh-Serie The Knick sowie die Robert Kirkman-Adaption Outcast als aufregende Vertreter dieser Gattung. Auffällig ist dabei vor allem die konzentrierte wie abgründige Herangehensweise, mit der sich die Formate ihren zentralen Konflikten annähern - von einem unglaublichen Bewusstsein für visuelles Erzählen ganz zu schweigen. Ausgehend von seiner Prämisse scheint sich Quarry perfekt in diesen kleinen, aber feinen Kreis an Eigenproduktionen einzureihen. Doch was hat das in den 1970er Jahren angesiedelte Period Piece über seine verheißungsvolle Grundvoraussetzung hinaus zu erzählen?

Wie es der Titel bereits erahnen lässt, orientiert sich Quarry an den Geschehnissen der gleichnamigen Romane aus der Feder von Road to Perdition-Autor Max Allan Collins. Der erste Band der mittlerweile 13-teiligen Reihe stammt aus dem Jahr 1976 und ist somit genau in jener Dekade erschienen, in der er sich abspielt. Nun drehen Graham Gordy und Michael D. Fuller im Rahmen ihrer Serienadaption die Zeit zurück und entführen uns nach Memphis des Jahres 1972. Hier landet U.S. Marine Mac Conway (Logan Marshall-Green), nach seinem zweiten Einsatz im Vietnamkrieg, sogar einen Tag vor dem ursprünglichen Ende seines Dienstes. Wo anfangs noch Freude und Erleichterung überwiegt, erobert schnell ein ungemütliches Gefühl das Geschehen: Schon am Flughafen wirkt Mac wie jemand, der völlig neben sich steht und vorwiegend die Menschen um sich herum anstarrt, als würde er diese Welt zum ersten Mal betreten.

Regisseur Greg Yaitanes, der alle acht Episoden von Quarry inszenierte, lässt sich dabei bewusst Zeit, die Isolation des Protagonisten zu verdeutlichen. Vorsichtig nähert sich die Kamera Macs gelähmten Gesicht an - als hätte sich Rectifys Daniel Holden in die falsche Serie verirrt. Der Vergleich kommt nicht von irgendwo: Tatsächlich waren Graham Gordy und Michael D. Fuller bei den frühen Episoden erwähnter SundanceTV-Serie in federführender Position tätig. In Quarry haben sie viele Motive ihrer früheren Arbeit übernommen, wenngleich die Pilot-Episode noch weit vom Niveau entfernt ist, das Rectify in seinen bisherigen drei Staffeln konstant ausbauen konnte. Die ruhige, besonnene Herangehensweise zahlt sich trotzdem aus, denn nur so erhalten die pulpigen Passagen, die später vermehrt Einzug finden, das nötige Gewicht, sodass sich das düstere Versprechen des Bloodline-esken Prologs nicht in Luft auflöst.

Logan Marshall Green als Mac Conway in Quarry

Kaum ist Mac zusammen mit seinem Kumpel Art (Jamie Hector) in der Heimat angekommen, offenbart Quarry, dass die beiden die Hölle des Kriegs längst nicht hinter sich gelassen haben. Das glückliche Wiedersehen mit seiner Frau, Joni (Jodi Balfour), wird bei einem Sprung in den Pool von traumatischen Erinnerungen unterbrochen und dann gibt es da noch Gerüchte, Mac wäre in ein Massaker an Zivilisten involviert gewesen. Obwohl er versucht, das Vergangene bewusst hinter sich zurückzulassen, gelingt es ihm nicht, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Ob jemand stolz auf das ist, was er in Vietnam getan hat, spielt da kaum noch eine Rolle. Denn das Problem fängt bereits bei Mac selbst an, der hinter seinem nach wie vor gelähmten Gesichtsausdruck daran verzweifelt, das erlebte Grauen zu verdrängen. Die Welt hat sich verändert und Mac ist inmitten eines feindseligen Niemandslandes stehen geblieben.

Nicht einmal einen anständigen Job findet er. Nur das Töten zeichnet ihn jetzt noch aus - und genau aus diesem Grund wird auch der zwielichtige Broker (Peter Mullan) auf ihn aufmerksam, der gerne einen weiteren geübten Auftragskiller in sein Adressbuch hinzufügen würde. Mac erhält ein Angebot, das er nicht ablehnen kann, selbst wenn er sich für kurze Zeit in der Sicherheit wiegt, dem Fremden und seinen Handlangern eine klare Absage erteilt zu haben. Letzten Endes soll es jedoch nur wenige Minuten dauern, bis sich Mac von selbst in die Höhle des Löwen begibt, unwissend, in was er sich da hineinziehen lässt. Ehe er sich versieht, hat der Vietnamkrieg in der Heimat seine Fortsetzung gefunden und die Verluste sind verheerend. Ab diesem Punkt stolpert Mac von Problem zu Problem, muss improvisieren und im Anschluss dafür sorgen, dass der Schlamassel, den er (unfreiwillig) angerichtet hat, wieder aufgeräumt wird.

Leider schildert Quarry diesen steinigen Leidensweg bloß als Abfolge diverser Ereignisse. Auf eine Aktion folgt eine Reaktion und Logan Marshall-Green muss die Konsequenzen mit seinem leidenden Blick gleichermaßen ausbaden wie rechtfertigen. Das Irritierende dabei ist der Eindruck, dass Mac unlängst seinen Tiefpunkt erreicht - die Pilot-Episode drückt sich regelrecht davor, ihm eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Zum Schluss verschlägt es Mac sprichwörtlich in eine Steingrube, in der um sein Überleben kämpfen muss und aus der es kein Entkommen gibt. Er ist ein Gefangener im Kreislauf der Gewalt, unfähig sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Erneut zieht er als Soldat ins Feld und tötet. Für das, was ihn aber wirklich beschäftigt, fehlen ihm die Worte. Nur Otis Redding kann seinen wahren Gefühlen Ausdruck verliehen. Und spätestens dann schafft Quarry seinen ersten richtig großartigen Moment von hoffentlich vielen anderen, die da noch kommen werden.


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