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Roger Moores James Bond: Mit gezückter Augenbraue

Roger Moore als der James Bond mit der gezückten AugenbraueAbspielen
© United Artists
Roger Moore als der James Bond mit der gezückten Augenbraue
24.05.2017 - 15:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Unter den anderen James Bond-Darstellern sticht der gestern verstorbene Roger Moore hervor. Seine Interpretation konzentrierte sich ganz gezielt auf das, was den Agenten bis heute so unverwechselbar macht.

Vor ein paar Jahren schaute ich in einem sentimentalen Anflug alle James Bond-Filme in chronologischer Reihenfolge. Die Figur hat für mich einen besonderen Stellenwert, denn ich wuchs mit Drei-Programmen und der Wahl zwischen Thomas Gottschalk im ZDF oder Sean Connery in der ARD auf. Sean Connerys James Bond war einst mein Ticket in eine größere, popkulturelle Welt gewesen.

Im Rückblick ist es aber vor allem Roger Moore, der die Figur des James Bond mit ihrem unvergleichlichen Wiedererkennungswert ausstattete.

James Bonds wohlige Gemütlichkeit

Was mir während meines Bond-Marathons damals schnell klar wurde, war, dass der eigentliche Spaß an den Filmen die Wiederholung ist. Die immer gleich gearteten Oneliner, die seltsamen Schurken, die dämlichen Schergen. Es war das wissende Kichern darüber, dass Bond zu jeder Zeit wusste, wo er seinen Martini bekam. Es war das Pfeifen über seine irrwitzigen Anmachen, die natürlich immer funktionierten.

Die Gun-Barrel-Sequenz zu Anfang jedes Films versprühte eine wohlige Gemütlichkeit, die mich meiner Realität enthob. Irgendwann war es einfach schön am Abend zu James Bond, meinem vertrauten Freund zurückkehren zu können.

James Bond 007 - Im Angesicht des Todes

Entscheidenden Anteil daran hatte Roger Moore mit seiner Interpretation des Agenten. Obwohl ich mich noch zu erinnern meine, dass Moore erst einmal ein wenig anders sein sollte als seine Vorgänger, war doch alles an ihm auffällig vertraut. Zwar trank Moores Bond in den ersten Filmen Whiskey und rauchte Zigarre. Er hatte mehr Sex und das mit Frauen, die noch einmal wesentlich viel jünger waren als er. Seine Verfolgungsjagden, seine Hilfsmittel und Werkzeuge, seine Oneliner und seine Endgegner waren noch abstruser als diejenigen, die ich davor gesehen hatte. Doch waren das eher kosmetische Unterschiede.

Bei Roger Moore wurde alles ein bisschen abstruser

Roger Moore machte als James Bond so hanebüchene Sachen, wie ohne Fallschirm aus einem Flugzeug fallen, nur um dann in der Luft doch noch einen zu ergattern (Moonraker). Er ließ seinen Antagonisten Mr. Big in Leben und sterben lassen wie einen Ballon aufblähen und dann explodieren. Er sprang in Der Spion, der mich liebte auf Ski von einer Klippe und zog in letzter Sekunde den Fallschirm mit dem Union Jack auf. In James Bond 007 - In tödlicher Mission tötete er seinen ewigen Rivalen Blofeld bereits in der Teaser-Szene des Films, indem er ihn, in einem Hubschrauber sitzend, mit der Kufe samt Rollstuhl aufpickte und dann einen Fabrikschornstein hinunterjagte. In seinem letzten Film Im Angesicht des Todes, als bereits 57-Jähriger, schaffte er es während der eigentlichen Handlung noch mit vier verschiedenen Frauen im Bett zu landen. Und dann waren da noch seine Keilereien mit einem Hünen namens Beißer (Richard Kiel), der in zwei Filmen alle möglichen Tötungsversuche zu überleben schien und mit einem hochgefährlichen metallischen Gebiss ausgestattet war.

James Bond 007 - Der Spion der mich liebte

Bond auf seinen Wiedererkennungswert herunter getrimmt

Der Unterschied zwischen Moore und seinen Vorgängern Connery und Lazenby lag darin, dass an sich der Konsum eines alkoholischen Getränks wichtig war. Die Inszenierung war jetzt ausschließlich dazu da, ihn lustige Dinge sagen zu lassen, ihn seltsame Schergen und Endgegner treffen zu lassen.

Die Schlägereien, die Schießereien, die Verfolgungsjagden waren teilweise nachlässig inszeniert, Moore wirkte oft eher hölzern und fehl am Platz. Das lag daran, dass sie ausschließlich zum Vehikel dafür wurden, Bond seinen Oneliner von sich geben zu lassen oder am Ende der Szene mit einer schönen Frau im Bett zu verschwinden. Es schien, als wisse Roger Moore, der Schauspieler, selber nicht genau, wie er sich in all dem Nonsens um sich herum verhalten sollte. Mit gezückter Augenbraue versuchte er Distanz zu wahren und die Lächerlichkeit der Geschehnisse zu offenbaren. Hatte sein Vorgänger Connery noch versucht, die Unsicherheit seiner Figur und die Brutalität in seiner Umgebung mit seinen zynischen Sprüchen zu überspielen, so konzentrierte sich Moores Version darauf, einfach etwas für den Moment Lustiges zu sagen. Die Brutalität, die Action, sie schienen für ihn ein Akt der Überwindung. Roger Moores James Bond versprühte dabei den Eindruck, als sei er eigentlich nur wegen der exotischen Orte, wegen der leichten Frauen und wegen des Alkohols gekommen.

Wie ein Treffen mit einem alten Freund

Im Nachhinein denke ich, dass Roger Moores so trefflicher James Bond die Serie irgendwann in eine Sackgasse führen musste. Die Filme waren als solche nicht mehr ernst zu nehmen. Der Wiederholungseffekt nutzte sich ab, die Lacher wurden lahm, etwas Neues kam nicht mehr hinzu. Ein James Bond mit Roger Moore war wie ein Treffen mit eine alten Kindheitsfreund, bei dem ausschließlich alte Heldengeschichten und längst verjährte Anekdoten bejubelt werden.

James Bond 007 - Im Angesicht des Todes

Nach sieben Mal Roger Moore in der Rolle hatte ich erst einmal genug. Moores Bond war wie eine Überdosis Frohsinn. Er ist das Konzept auf seine oberflächlichste Erscheinung reduziert. Es war eine gute, eine frohe Zeit. Ich habe immer gern mit Roger Moore abgehangen. Am Ende war es dann aber Zeit für eine gute Portion Schlaf und absolute Nüchternheit. Mach es gut, Roger. Deine Partys waren die besten.

Was denkt ihr über Roger Moores James Bond?

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