Star Trek 2: Was Marvel & DC von diesem grandiosen Film lernen können

29.05.2020 - 09:51 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Khaaaaaan: William Shatner in Star Trek II: Der Zorn des KhanAbspielen
© Paramount
Khaaaaaan: William Shatner in Star Trek II: Der Zorn des Khan
Star Trek II: Der Zorn des Khan schafft etwas, wovon Franchises wie DC und Marvel träumen. Lest hier, was aus dem 30 Jahre alten Science-Fiction-Film gerlernt werden kann.

Einst traf Captain James. T. Kirk auf den eingeölten, übermenschlichen Schurken Khan Noonien Singh. Der hasserfüllte Konflikt im Mittelpunkt von Star Trek II: Der Zorn des Khan ist einer der Gründe, warum der zweite Spielfilm der Enterprise zu den besten Star Trek-Filmen gezählt wird. Gestern Abend lief er bei ZDFneo.

Khan brannte sich ein ins Hirn der Trekkies, weshalb er in Star Trek Into Darkness nochmal aufgewärmt wurde. Das Original bleibt allerdings unübertroffen und das liegt auch an der Art und Weise, wie der Film mit der Serie verwoben ist. Star Trek 2 ist nämlich nicht nur ein Lehrstück dafür, wie flexibel die Reihe erzählen kann, sondern auch vorbildhaft für moderne Franchises von DC bis Marvel. Die mühen sich ab, ihre Serien und Filme in einem Universum zu verbinden, während es bei Star Trek ganz natürlich passierte.

Star Trek als DC- und Marvel-Vorbild: Die Serien-Verbindung

Bei den Helden von DC herrscht eine klare Trennung zwischen Film- und TV-Universen, was fraglos kreative Vorteile hat. Die Anzahl an Supermännern, schwarzen Rittern und Killer-Witzbolden kann bisweilen aber überfordern und kreiert einen Flickenteppich unterschiedlicher Universen.

Schaut euch den deutschen Trailer für Star Trek II: Der Zorn des Khan an:

Star Trek 2 - Trailer (Deutsch)
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Bei Marvel bemühte man sich schon mehr, ließ Daredevil im Schatten des Stark Towers kämpfen und verwickelte beispielsweise die Agents of S.H.I.E.L.D. in die Hydra-Verschwörung aus Captain America 2. Trotzdem wirkt das eine meist wie ein Anhängsel des anderen, während durch Namedropping und ähnliches die Existenz eines Universums vorgegaukelt wird.

In dem bald 40 Jahre alten Star Trek-Film geht der Crossover dagegen erstaunlich leicht von der Hand, ohne dass er sich als solcher aufdrängt. Und das obwohl sich Der Zorn des Khan hinsichtlich des Tons stark von der originalen Star Trek-Serie unterscheidet. Wir haben es hier mit einem der düsteren Filme der Reihe zu tun.

Eine 15 Jahre alte Rache: Khan versus Kirk in Star Trek

"Khaaaaaan!" schreit Kirk, als ihm der durch eugenische Experimente entstandene Supermensch die Genesis-Technik vor der Nase wegschnappt. Zu diesem Zeitpunkt kennen sich Kirk und Khan schon seit 15 Jahren. In Star Trek II: Der Zorn des Khan treffen sie nämlich zum zweiten Mal aufeinander.

Der Film setzt eine Story fort, die in der Raumschiff Enterprise-Episode Der schlafende Tiger (Space Seed) aus dem Jahre 1967 begonnen wurde. In der Serie traf die Enterprise auf die SS Botany Bay und deren seit 200 Jahren schlafende Insassen. Dem Übermenschen Khan allerdings dürstet es nach Macht und Kontrolle. Im Kampf um die Enterprise verliert Khan. Kirk (William Shatner) setzt ihn und seine Leute auf dem Planeten Ceti Alpha V aus, damit sie sich dort eine eigene Gesellschaft aufbauen können. Es scheint eine milde Entscheidung zu sein.

Khan in der Star Trek-Serie

Wie unbewohnbar dieser Planet jedoch innerhalb kürzester Zeit für Khan wird, erfuhren Star Trek-Zuschauer 15 Jahre nach Ausstrahlung der Folge. Im 1982 erschienenen Zorn des Khan kehrt Ricardo Montalban als Schurke zurück. Ergraut und so charismatisch wie eh und je. Das famose an der Rückkehr dieses Bösewichts ist nun, dass sie selbst dann funktioniert, wenn man die Folge nicht gesehen hat.

Wie man eine Serien-Figur in einem Star Trek-Kinofilm integriert

Das erste Mal sehen wir Khan nämlich durch die Augen von Pavel Chekov (Walter Koenig). In einer für Star Trek-Verhältnisse äußerst gruseligen Sequenz stolpern Chekov und sein Kollege über das Wrack der Botany Bay auf Ceti Alpha V. In der windigen Wüste geht Chekov ein Licht auf, mit wem er es zu tun hat, doch es ist zu spät. Khan setzt beiden einen ekelerregenden Floh ins Ohr. Mit dem Parasiten kontrolliert er ihren Willen.

Das Drehbuch fasst die von Khan ausgehende Gefahr innerhalb kürzester Zeit zusammen und das anhand einer uns lieben Figur (Chekov). Der in klaren Strichen als unerbittlich skizzierte Planet, die Grausamkeit des Vorgehens, der Schmerz der Opfer - all das ist mehr wert als jede im Monolog vorgetragene Exposition. Die Rache ist ebenso nachvollziehbar wie die Rücksichtslosigkeit einschüchtert. Wir fürchten Khan in Star Trek 2 nicht, weil er mit dem Popkulturballast der Serie droht, sondern weil uns der Film zeigt, wie gefährlich er ist.

Im Umgang mit Khan zeigt sich zudem, wie sich Franchise-Erzählungen gewandelt haben. Während die Autoren von Star Trek 2 sichtlich bemüht sind, Khan auch für neue Zuschauer zu etablieren, muss sein Name in Star Trek Into Darkness fast allein J.J. Abrams' Filmwelt mit Bedeutung füllen, als er im "Twist" enthüllt wird. Als wäre der Name mehr wert als die Geschichte, die er mit sich bringt.

Was bei Marvel, DC und auch dem Star Trek von heute fehlt

Star Trek II: Der Zorn des Khan zeigt indes die Mängel jüngerer TV- und Film-Universen auf. Der Vorteil von Nicholas Meyers Film findet sich in der Besetzung. Serie und Film haben die gleiche Crew, Kirks und Khans Story kann nach 15 Jahren Pause wieder aufgenommen werden. Bei Marvel bot sich das bisher kaum an, da die Filmhelden stets größer als die Serienhelden waren.

Khan im Film

Clark Gregg (Agent Coulson) ist immerhin vom Avengers-Nebendarsteller zum S.H.I.E.L.D.-Star geworden und nicht andersherum. Anders ausgedrückt: Wie hätte man einen Schurken wie Thanos wirkungsvoll zuerst in den Netflix-Serien etabliert, wenn sich die Avengers nicht zu großen Serien-Auftritten herablassen?

Deswegen wirkt der Umzug zu Disney+ auch wie ein Neubau von Marvels Serien-Universum - inklusive Figuren-Gentrifizierung. Kinohelden wie Vision, Scarlet Witch, der Winter Soldier, Falcon und Loki machen sich daran, Filme und Serien im Marvel Cinematic Universe enger zu vernähen. Ein Blick auf die letzten Star Trek-Jahrzehnte dürfte dafür lehrreich sein, erst recht wenn wir uns anschauen, wie Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock auf das dramatische Ende des Vorgängers reagiert. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel...

Star Trek II: Der Zorn des Khan lief gestern 20:15 Uhr im Programm von ZDFneo.

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Welcher ist euer Lieblingsfilm mit Shatners Captain Kirk?

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