Timeless - Die turbulente Zeitreise-Serie im Pilot-Check

Entführt auf eine spaßige Reise durch die Zeit: Timeless
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Entführt auf eine spaßige Reise durch die Zeit: Timeless
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Beeblebrox Matthias Hopf
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Es war wohl eine der größten Überraschungen bei den diesjährigen Upfronts in New York: Zwischen all den Neuauflagen altbekannter Serien und Adaptionen populärer Kinofilme offenbarte sich das Thema Zeitreise als der absolute Renner. Nicht einmal die sonst so beliebten Superhelden-Serien konnten dieses Jahr der Reise durch die Zeit Einhalt gebieten. ABC bestellte etwa kein einziges neues Spin-off des Marvel Cinematic Universe und setzte Marvel's Agent Carter sogar komplett ab. Dafür holte sich das US-amerikanische Network die Zeitreise-Serie Time After Time ins Programm. FOX folgte dem Trend und sprach eine Order für Making History aus, während sich NBC mit Eric Kripke und Shawn Ryan zusammenschloss, um Timeless auf die Beine zu stellen. Die letztgenannte Serie ist nun in den USA gestartet und sorgt vor allem für eines: kurzweilige, spaßige Unterhaltung.

Obgleich das Opening der Pilot-Episode in die Vergangenheit entführt: Ausgangspunkt der Geschichte ist das Hier und Jetzt. Im Jahr 2016 gelingt es dem ehemaligen Delta-Force-Mitglied Garcia Flynn (Goran Visnjic), eine Zeitmaschine zu stehlen, die das Technik-Genie Conor Mason (Paterson Joseph) im Geheimen geschafften hat. Die US-Regierung wusste von all den gefährlichen Experimenten nichts. Erst, als es zu spät war, weihte Conor die Behörden ein, die sogleich ein Team zusammentrommeln, um dem kriminellen Mastermind Flynn Einhalt zu gebieten: Lucy Preston (Abigail Spencer), ihres Zeichens eine Geschichtsprofessorin mit beachtlichem Lebenslauf, soll gemeinsam mit dem Ex-Soldat Wyatt Logan (Matt Lanter) und Ingenieur Rufus Carlin (Malcolm Barrett) die Verfolgung aufnehmen, um Flynns Plan zu stoppen, wie auch immer dieser genau aussehen mag.

Die Rollenverteilung dabei ist klar: Während Lucys Geschichtswissen dem Trio einen Vorteil in der Vergangenheit verschaffen soll, ist Wyatt der charmante Mann fürs Grobe, der in erster Linie deswegen an Bord ist, weil er weiß, wie man einen Abzug bedient. Der dritte im Bunde, Rufus, stammt aus Conors Ecke und steuert den wackeligen Prototyp der Zeitmaschine, die Flynn gestohlen hat. Wenngleich er offenbar der einzige Techniker ist, der für diesen Job in Frage kommt, ist er aufgrund seiner Hautfarbe alles andere als begeistert von der Mission: "There is literally no place in American history that'll be awesome for me." Bereits an diesem Punkt strahlt die von Neil Marshall inszenierte Pilot-Episode unglaubliches Selbstvertrauen im Umgang mit ihren Figuren aus. So sehr sie auf den ersten Blick absoluten Stereotypen entsprechen, die Serie nimmt ihre Figuren ernst.

Wirkt der Rassismus, den Rufus später im Amerika der 1930er Jahre erfährt, anfangs noch wie ein beliebig eingestreutes Mittel zum Zweck, um uns Zuschauer daran zu erinnern, dass wir wahrhaftig Zeugen einer Zeitreise geworden sind, so bekommt Rufus später tatsächlich seinen eigenen Moment geboten. Durch eine Verkettung ärgerlicher Ereignisse landet er mit seinen zwei unfreiwilligen Weggefährten im Gefängnis und legt sich mit dem Wärter an, um insgeheim einen Fluchtversuch in die Wege zu leiten. "I'm in the damn Stone Age, but, man, I hope you live a long, long life. Long enough to see Michael Jordan dunk, Michael Jackson dance, Mike Tyson punch, really, just, any black guy named Michael." Ein starker Monolog, der unter anderen Umständen pathetisch wirken mag - allerdings nicht in Timeless. Zu beherzt stürzt sich die Serie ins Geschehen und lebt ihre Prämisse mit wahrhaftiger Begeisterung aus.

Zwar wird die Logik in Timeless kaum hinterfragt und auch nur so weit erklärt, dass sie ohne weitere Rechtfertigung funktionieren kann. Ob das Spektakel gerade wirklich Sinn ergibt oder nicht, spielt dabei jedoch keine vordergründige Rolle. Wichtig ist nur, dass etwas passiert, denn Timeless ist regelrecht fasziniert von den großen Ereignissen der Weltgeschichte. Dementsprechend entführt die erste Zeitreise ins Jahr 1937, zu genau jenem Tag, an dem die Hindenburg sich kurz vor ihrer Landung in New Jersey in einen gewaltigen Feuerball verwandelte und 36 Menschen das Leben kostete. Entgegen aller Erwartungen verhindert Flynn mit seinem Wissen aus der Zukunft die Entzündung des Zeppelins. Doch welchen hinterlistigen Plan führt der Bösewicht dann im Schilde? Geschickt integrieren Eric Kripke und Shawn Ryan diverse Rätsel und Geheimnisse, um die Serie auf Trab zu halten.

Timeless will keine Pausen einlegen und rast förmlich durch seinen Plot. Daraus resultiert eine Menge Kurzweil, gleichzeitig bleibt viel Potential auf der Strecke, denn für die Erkundung der Vergangenheit bleibt nur wenig Zeit. Lucy kann ihren Augen kaum trauen, als sie aus der Zeitmaschine steigt und ein Amerika anno dazumal entdeckt, wie sie es sich nie hätte träumen lassen. Für uns Zuschauer bleibt dieses Ereignis allerdings nur bedingt nachvollziehbar. 45 Minuten reichen nicht aus, um den historischen Schauplatz zufriedenstellend auszukosten. Darüber hinaus wurde schon zuvor in der Pilot-Episode die praktische Regel etabliert, dass sich die Figuren in der Vergangenheit nie selbst über den Weg laufen dürfen. Folglich können wir davon ausgehen, dass Timeless in den nächsten Wochen stets ein neues Geschichtskapitel aufschlagen wird, ohne sich je ausführlich in einer Zeit auszubreiten, wie zuletzt etwa bei der Stephen King-Adaption 11.22.63 - Der Anschlag der Fall war.

Ob sich dennoch ein Blick in die Zeitreise-Serie aus dem Hause NBC lohnt? Durchaus, denn Timeless gehört zu dieser Art unberechenbarer Serien, die im Rahmen von einer Episode alles erreichen und auf den Kopf stellen können - egal, wie dürftig das CGI mit den Ideen mithalten kann. Alleine der Auftakt wirft dermaßen munter mit Twists um sich und deutet einen gestört komplexen Handlungsbogen an, sodass sich die Frage stellt, ob es überhaupt erstrebenswert ist, das Gezeigte anhand vernünftige Parameter zu überprüfen, will man nicht sofort vom wackeligen Grundgerüst enttäuscht werden. Solange Eric Kripke und Shawn Ryan jedoch ihren roten Faden im Auge behalten, können sich Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart so viel beeinflussen wie sie wollen: Timeless besitzt ein dynamisches wie sympathisches Helden-Trio, das selbst die Explosion der Hindenburg verhindern kann, nur um den Zeppelin im Anschluss trotzdem noch in die Luft zu jagen. Gar nicht auszudenken, wohin es Lucy, Wyatt und Rufus als nächstes verschlägt.

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