Anders als du und ich

Anders als du und ich (1957),
Laufzeit 92 Minuten, FSK 0, Drama, Kinostart 31.10.1957

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von Veit Harlan, mit Christian Wolff und Paul Dahlke

Ausgerechnet Veit Harlan, im Dritten Reich als Protegé von Joseph Goebbels und nach dem Krieg wegen seiner Regie bei dem antisemitischen Propagandafilms Jud Süss vor Gericht gestellt, wagte sich 1957 an ein heißes Eisen: Den § 175, der homosexuelle Betätigung bei Männern unter Strafe stellte. Anders als du und ich ist aber nicht nur ein Film über ein Tabu-Thema, das damals ein Verbot des Films nach sich zog, sondern auch ein interessantes Dokument über jugendliches Aufbegehren gegen die restaurativen Strukturen im Wirtschaftswunderland und über den Gewissenskonflikt einer Mutter, die einen Rechtsbruch begeht, um ””das Richtige”” zu tun. Die DVD zeichnet die Zensurgeschichte des Films nach und präsentiert erstmals auch einen Szenenvergleich mit der ursprünglichen Version Das dritte Geschlecht, eine nicht verwandte Szene und Standfotos.


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Anders als du und ich

Mr Vincent Vega: Fünf Filmfreunde, gamona, D...

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3.0Schwach

Ein Schlüsselfilm in der langen kinogeschichtlichen Auffassung und Darstellung von Homosexualität, den Veit Harlan ursprünglich zur Differenzierung des im Nationalsozialismus noch einmal verschärften § 175 drehen wollte, weil nämlich Schwule, "an denen die Natur etwas verbrochen" habe, "unser ganzes Mitgefühl" verdienten. Das Ergebnis wurde 1957 von der FSK als unsittlich (sprich: zu "schwulenfreundlich") empfunden und nicht freigegeben, erst in einer veränderten Fassung kam "Das Dritte Geschlecht" unter dem Titel "Anders als du und ich" in die bundesdeutschen Kinos. [...] Selbst noch in der vermeintlich milderen Ursprungsversion gerinnt die schmähliche "Unterscheidung" bzw. Kategorisierung schwuler Typen in bekehrbare Junge und gemeingefährliche (pädophile) Alte zur grotesken Scheinkritik am berüchtigten Paragraphen. Harlan inszeniert Homosexuelle vielmehr exakt so, wie er auch ("den") Juden in seinem bekanntesten Film, "Jud Süß" (1940), inszenierte: Fratzenhaft, durchtrieben und hinterlistig. Nicht ohne noch einmal alle Klischees vom Homosexuellen als künstlerischem Freigeist zu unterstreichen, verurteilt der Film in bemerkenswert verrückter Weise auch gleich noch experimentelle Kunst sowie Lyrik und Prosa im Allgemeinen. [...]

Kritik im Original 9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 5 Antworten

Sigmund

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Dennoch: Statt einer verharmlosenden "Harlan war nur Monster"-Litanei kann ich den FSK-Briefwechsel empfehlen (den ich leider nicht zur Hand habe). Es ist einfach hochinteressant zu lesen, dass er sich dort vehement gegen die Verteufelung der Homosexuellen einsetzt, gerade Harlan!
Dass er ansonsten unendliche Schuld auf sich geladen hat, weiß ja nun jeder.


Janus Winter

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Ich kann die Verurteilung auch nicht ohne weiteres teilen. Der Film bemüht sich um eine Objektivität, deren Begrenztheit historisch begründet ist. Die Sympathieträger des Film haben durchaus eine wohlwollende, tolerante, ja humanistische Grundhaltung. Auch sehe ich hier keine schwulen Fratzen, noch eine Verurteilung von Kunst (Harlan sieht sich ja selbst als Künstler). Vorurteile aufzuzeigen heißt nicht zu verurteilen.



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styx.canomo

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Bewertung1.0Ärgerlich

anders als der tolerant scheinende deckmantel zunächst vorgaukelt, beschäftigt sich der film keinesfalls unbefangen mit dem thema der homosexualität, was vor allem auf die überarbeitung der fsk zurückzuführen ist.
beispielsweise wandert der doktor am ende des filmes in ein toleranteres land aus, jedoch in der überarbeiteten version wird er verhaftet.
mal abgesehen davon, dass die schauspielerischen leistungen und die machart des films nicht gerade überragend sind, erreicht der film absolut gar nichts, sondern verhärtet eher die damals vorherrschende kleinbürgerliche überzeugung, dass die homosexualität eine krankheit sei, was "anders als du und ich" zumindest in der überarbeiteten version meiner meinung nach zu einem vergelichbar perfiden propaganda-film macht wie einige jahre zuvor "jud süß".
auch wenn die nazis hier nicht ihre finger mit im spiel hatten, was beweist, dass die ansichten des herrn harlan mehr als fragwürdig waren, wenn auch zu dieser zeit leider von einem großteil der bevölkerung geteilt.

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kahaujiko

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Bewertung0.0Hassfilm

ein ziemlich schlechter film, der zwar innovativ daherkommt aber die these, dass homosexulität eine krankheit sei, zu keinem zeitpunkt in frage stellt, sondern eher unterstützt.
in der originalfassung war es noch wenigstens nur die intention von veit harlan, mitleid mit dr winkler beim zuschauer zu erzeugen.
in der von der FSK überarbeiteten version zeigt sich wieder die perfide kleinbürgerliche spießgesellschaft als gruseliges überbleibsel aus der ns-zeit, da hier wirklich alles was auch nur im entferntesten mit homosexualität zu tun hat, in ein geradezu verbrecherisches, nicht tolerierbares licht gerückt wird.
so wurde aus einem schlehten film ein grauenhafter

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Janus Winter

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Bewertung4.5Uninteressant

Man muss diesen Film im historischen Kontext bewerten. Anders kann man ihm nicht gerecht werden. Viele (soziologischen/ tiefenpsychologischen) Thesen von damals werden heute zu Recht abgelehnt. Der Film ist nicht faschistisch und schwulenfeindlich, sondern ein Abbild des medizinischen, juristischen und gesellschaftlichen Standards seiner Zeit. Sicherlich sind diese in Teilen abscheulich und indiskutabel, allein der deutsche VÖ-Titel ist eine widerliche Diskriminierung. Der Skandal ist aber nicht der Film, sondern die Tabuisierung und Zensur seiner Zeit. Der Film wurde erst verboten und dann in einer neuen, in der Tendenz schwulenfeindlicheren FSK18-Fassung freigegeben. Bevor man Harlan vorschnell verurteilt, sollte man seine Originalversion DAS DRITTE GESCHLECHT heranziehen. Auch der Vorwurf der Verunglimpfung von Kunst ist bizar. Es gibt im Film dazu die These (Vater Teichmann) und die Antithese (Kunsthändler Winkler). Daraus läßt sich keine Grundhaltung des Films als Ganzes ableiten. Vater Teichmann ist dabei sogar die unsympathischere Figur.

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